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Familie verliert bei Brand alles: VfR Kesselstadt mit Hilfsaktion

Hanau

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    Bei den Aufräumarbeiten: Karim und seine Frau Waheda wohnen mit ihren Kindern bei Schwester Marzia (Mitte). Foto: Jutta Degen-Peters

Hanau. Sport macht nicht nur Spaß und verbindet. Wie sehr die Zugehörigkeit zu einem Verein auch dann hilft, wenn man in eine Notlage geraten ist, zeigt das Beispiel der Familie Yussufi, deren Dachgeschosswohnung am Krawallgraben kurz vor Silvester mitsamt allen Kleidern und den meisten Möbelstücken ausgebrannt war.

Artikel vom 13. Januar 2020 - 05:16

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Von Jutta Degen-Peters

Der neunjährige Sohn Yousuf spielt beim VfR Kesselstadt in der E-Jugend. Und dort ist die Hilfe bereits angeleiert. Mit einem Flyer hatder Sportausschussvorsitzende Thorsten Wolter unter der Überschrift „Lasst uns alle helfen!“ nicht nur  die Mitglieder des Vereins angeschrieben, er hat sich gleich an den gesamten Sportkreis gewandt.

Eigenes Spendenkonto eingerichtet

„So etwas kann jedem von uns passieren“, sagt er auf die Frage nach seiner Motivation. Damit die Menschen Geld spenden können – „das ist mit Sicherheit sinnvoller als Kleidungsstücke oder Möbel“, mutmaßt Wolter – hat er eigens ein Konto eingerichtet, auf das kleine Beträge für die Geschädigten überwiesen werden können.

Yousuf spielt laut Wolter seit Anfang 2018 im Verein Fußball „und das macht ihm großen Spaß“, sagt Wolter. Integration werde von jeher groß geschrieben im Verein, rund 80 Prozent der Spieler in der E-Jugend hätten Migrationshintergrund. Die Kinder hätten Wurzeln in den Kriegsgebieten der vergangenen ‧Jahre, ebenso in der Türkei, Syrien, Äthiopien oder Zimbabwe. „Uns ist wichtig, dass die Familie mit dabei ist“, erklärt er das Konzept des VfR. Auch Familie Yussufi komme zu den Fußballspielen und schaue zu. 

Auch Hanauer Bürger bieten ihre Hilfe an

Bislang wissen die Ende 2016 aus Afghanistan nach Hanau geflüchteten Yussufis nicht, wie es weitergeht. Bis sich eine Lösung gefunden hat, sind sie im Haus der Schwester von Vater Karim in Kesselstadt untergebracht.
Dass sie nicht auf der Straße stehen und bei Marzia Akbari ein Dach über dem Kopf und große Unterstützung fanden, freut die Familie genauso wie die Tatsache, dass auch Hanauer Bürger auf den HA-Bericht vom 5. Januar mit Hilfsangeboten reagierten.

Eine Leserin bot eine gut erhaltene Schlafcouch an, eine andere würde den Eltern und ihren beiden Söhnen gerne mit Kleidern helfen. Doch noch ist es zu früh für diese Hilfsangebote. „Wir müssen erst wissen, wo mein Bruder wohnen wird“, sagt Marzia Akbari, die seit 2010 in Deutschland zu Hause ist, bei einer Bäckerei als Verkäuferin arbeitet und wegen ihrer guten Deutschkenntnisse Ansprechpartnerin ist. 

Unterstützung erfährt die Familie auch von der ökumenischen Flüchtlingshilfe in Steinheim. Von dort steht ihr eine Patin zur Seite, die sie zu Behörden begleitet oder bei der Vermittlung eines Kitaplatzes half.

Aufenthaltsstatus erschwert Wohnungssuche

Karim Yussufi konnte wegen seines ungeklärten Aufenthaltsstatus noch keine Deutschkurse besuchen. Der Aufenthaltsstatus ist es auch, der die Wohnungssuche verkompliziert. Denn noch hat die Familie nur eine Aufenthaltsgestattung. Da sie aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes von Sozialleistungen lebt, wurde ihr von der Stadt Hanau jetzt eine Ausweichwohnung im Flüchtlingswohnheim an der Aschaffenburger Straße angeboten.

 „Die Wohnung auf Sportsfield Housing wurde ganz frisch hergerichtet“, erklärte gestern eine Mitarbeiterin des Fachbereichs Wohnen, der sich um eine neue Bleibe für Familie Yussufi bemüht. Diese Wohnung hat sich die Familie nach den Worten Marzia Akbaris gestern angeschaut. Nachdem sie zuletzt für sich wohnen konnten und die Möglichkeit hatten, ihr altes Auto am Haus unterzustellen, wären sie mit einer anderen Lösung glücklicher.

Die könnte sich mit einer Notwohnung in der Nordstraße ergeben, die die Baugesellschaft Hanau zur Verfügung stellen könnte. Dass es sich dabei nur um eine Zwei-Zimmer-Wohnung handelt, stört die Yussufis nicht. Allerdings gibt es hier einen Haken: Die Wohnung steht nur bis Ende April zur Verfügung. Danach müssten sie sich erneut auf die Suche begeben.

Sanierung dauert mindestens halbes Jahr

Sechs Monate, so die Auskunft der Brandversicherung laut Wohnungsamt, dürfte die Grundsanierung der völlig ausgebrannten Wohnung am Krawallgraben in Anspruch nehmen. Allerdings glaubt Marzia Akbari, dass die Hauseigentümer die Wohnung nach der Renovierung gar nicht mehr vermieten wollen.

Im Fachbereich Wohnen hat man diese Information nicht. „Wir gehen von einem halben Jahr aus, das zu überbrücken ist“, heißt es dort. Bis dahin teilen sich die Yussufis bei Schwester Marzia ein Zimmer. Engagierte, die mit einer Sachspende helfen wollen, werden gebeten, sich zu gedulden, bis die Yussufis eine neue Bleibe gefunden haben. 

Spendenkonto
Unter dem Stichwort VfR-Hilfe für Familie Yussufi hat der Sportausschussvorsitzende des VfR Kesselstadt, Thorsten Wolter, ein Konto eingerichtet. Die Kontonummer lautet: DE70 5019 0000 6001 4891 68.


Kommentare

Am 13.01.2020 um 08:30 Uhr schrieb Klaus Nickel: #1
Der gute Karim konnte wegen seines ungeklärten Aufenthaltsstatus noch keinen Deutschkurs besuchen?
Bei der Ersatzwohnung ist er wählerisch, weil die Familie für sich sein will und er einen Abstellplatz für sein "altes" Auto benötigt. Von welchem Geld finanziert er denn ein Auto?
Fragen über Fragen, die man in diesem Land wahrscheinlich besser nicht mehr stellt...