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Biber hinterlässt seine Spuren an der Kinzig

Hanau

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    Kleiner Nager mit großer Wirkung: Warnschilder am Kinzigufer weisen auf die Astbruchgefahr hin, nachdem der Biber die Bäume angeknabbert hat. Von links zu sehen sind Elisabeth Görge, Dieter Zuth und Matthias Müller von der Unteren Naturschutzbehörde beziehungsweise dem städtischen Umweltamt. Fotos: Thomas Seifert

Hanau. Durchreisender oder Dauergast? Noch lässt sich keine sichere Aussage machen, ob der oder die Biber, deren Biss- und Fressspuren an beiden Ufern der Kinzig zwischen Licht- und Luftbad und dem Fußgängersteg zum Tiefgarten nicht zu übersehen sind, sich häuslich niederlassen oder weiterziehen. 

Artikel vom 13. Januar 2020 - 09:30

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Von Thomas Seifert

Einen Bau haben die Experten des Umweltamts der Stadt und der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) bislang noch nicht entdeckt, dafür aber mehrere gefällte und entrindete Bäume.

Wegen der Rinde: Mehrere Bäume gefällt

Im November vergangenen Jahres wurden die ersten Spuren eines Castor fiber, so der lateinische Name des großen Nagers, am Kinzigufer entdeckt. Und der Biber scheint sich dort richtig wohl zu fühlen, denn er hat unübersehbare Aktivitäten entwickelt. Um an Nahrung, die im Sommer aus Kräutern und Gräsern besteht, heranzukommen, hat das Tier im Laufe der Zeit mehrere kleinere und größere Bäume gefällt, um sich an der Rinde gütlich zu tun.

„Im Winter ist das die bevorzugte, weil rasch zugängliche Nahrung des strikten Vegetariers“, stellt Dieter Zuth vom Umweltamt fest. „Vor allem die Rinde von Weichhölzern wie Weiden oder Roteschen, die an der Ufern der Kinzig wachsen, stehen auf dem Speiseplan des dämmerungsaktiven Großnagers, den man relativ selten zu Gesicht bekommt. Es sei denn, man legt sich regelrecht am Abend auf die Lauer“, fügt Elisabeth Görge von der UNB hinzu.

Zehn-Meter-Bäume kein Problem

Eine etwa zehn Meter hohe Roterle hat der Biber unweit der Eisenbahnbrücke über die Kinzig gefällt und zum Großteil bereits die Rinde abgeknabbert. „Aber der Biber entrindet nicht nur Weichhölzer. Wenn er seine scharfen, gelblich-orange gefärbten Nagezähne schärfen will, darf es auch mal eine Eiche oder eine Buche sein“, bemerkt Matthias Müller. 

Bis März ernährt sich der Biber vorrangig von Rinde, dann findet er auf den Uferwiesen wieder genügend andere Nahrung. „Auch Mais gehört zu seinen Präferenzen, dann kann ein einzelner Biber auch richtig Schaden anrichten, was den Bauern nicht so gefällt“, fügt Müller hinzu.

Maßnahmen zum Baumschutz möglich

„Wir werden die Aktivitäten des Tieres genau beobachten. Wenn der Biber allerdings zu sehr in den Baumbestand eingreift, dann müssen wir auch an Schutzmaßnahmen denken wie Maschendrahtzäune oder Schutzanstriche der Stämme, die das Tier nicht umlegen soll. Allerdings muss hier immer abgewogen werden, wie stark der Eingriff des Bibers in die Natur ist und inwieweit seine Schutzwürdigkeit zum tragen kommt“, weist Dieter Zuth auf den Spagat zwischen Tier- und Landschaftsschutz hin. 

Immerhin hat Hanau Infrastruktur Service (HIS) ein Warnschild aufgestellt, auf dem Spaziergänger oder Gassigeher im Uferbereich der Kinzig auf der Seite des Rad- und Fußwegs der verlängerten Rühlstraße auf die Gefahr von Baum- und Astbruch durch Biberfraß hingewiesen werden. Auch sollen die Mitarbeiter von HIS demnächst die gefällten und entrindeten Bäume von der Wiese entfernen, die an einen Landwirt verpachtet ist.

Biber fühlt sich in sauberer Kinzig wohl

Dass sich der Biber offensichtlich sogar im Stadtgebiet wohl fühlt, spricht auch für die Sauberkeit der Kinzig, betont Zuth. „Mir ist von einem Fall bekannt, wo ein solcher Nager mitten in Hannover an der Leine eine Burg gebaut hat, deren Eingang immer unter Wasser liegen muss, der sogenannte Kessel dagegen vollkommen trocken ist. Um diese Voraussetzungen zu schaffen, beginnen die Tiere dann mit dem Dammbau und stauen das Wasser auf“, erläutert der Mitarbeiter des Umweltamts.

Im Hanauer Stadtgebiet gibt es seit einiger Zeit mehrere nachgewiesene Biberreviere. So zum Beispiel in einem Naturschutzgebiet am Hellenbach Richtung Fasanerie in Klein-Auheim, am Krebsbach an der A66 hart auf der Gemarkungsgrenze zu Bruchköbel und an einem Zulauf des Fallbachs in der Nähe des Birkensees sowie vermutlich auch im Steinheimer Altarm des Mains. Der Biber mit seiner Burg mitten im Hellenbach konnte mittels Aufnahmen einer Wildkamera, die der Jagdpächter strategisch geschickt postiert hatte, bereits vor Jahren bildlich nachgewiesen werden.

Schäden dürfen nicht zu groß werden

„Wenn wir über die Habitate der Biber sprechen, müssen wir solche Begriffe wie Biodiversität, Strukturvielfalt und Landschaftsgestaltung beachten. Natürlich hält sich so ein Nager nicht an die Baumschutzsatzung, deshalb muss genau abgewogen werden, wann die Schäden zu groß werden oder die Verkehrssicherungspflicht der Stadt greift und wann die Aktivitäten der Nager im Sinne des Natur- uns Artenschutzes ausgelegt werden müssen“, stellt Zuth fest.

Denn nicht ohne Grund habe man vor 25 Jahren ein großes Wiederansiedlungsprogramm des Bibers im Sinntal gestartet, das große Erfolge zeigte und vom Regierungspräsidium und einem Biberschutzbeauftragten überwacht und moderiert wird.

Bürger sollen über Biber informiert werden

Über 270 dieser Nager konnten allein östlich und nördlich von Hanau nachgewiesen werden, fügt der Experte hinzu, jährlich werde ein umfassender Bestandsbericht der Reviere erstellt. „Deshalb werden wir uns mit dem Biberschutzbeauftragten in Verbindung setzen, denn wir haben schon über eine Infoveranstaltung zum Biber in Hanau in Kooperation mit dem Umweltschutzzentrum nachgedacht“, blickt Zuth in die nahe Zukunft.



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