Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
stark bewölkt
4 ° C - stark bewölkt
» mehr Wetter

Sternsinger segnen Grimmstadt und sammeln für den Libanon

Hanau

  • img
    Auch dem Hanau Laden am Freiheitsplatz statteten die Hanauer Sternsinger einen Besuch ab. HA-Herausgeber Thomas Bauer (Sechster von links stehend) freute sich gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen des Hanau Ladens über die Segenswünsche. Foto: Reinhard Paul

Hanau. Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit – unter diesem Motto steht die nunmehr 62. Aktion Dreikönigssingen, bei der auch in der Grimmstadt derzeit die Sternsinger in den Gewändern der heiligen drei Könige ihr Kreidezeichen 20 * C + M + B * 20 und den damit Verbundenen Segen in Hanaus Häuser bringen.

Artikel vom 10. Januar 2020 - 11:19

Anzeige

Offiziell begann die Sternsinger-Aktion in den Pfarreien Mariae Namen und St. Josef mit zwei Aussendungsgottesdiensten am Sonntag vor dem Dreikönigstag. Mit dabei war auch wieder die italienische katholische Gemeinde. Die Gottesdienste wurden von den Kindern und Jugendlichen mit ihren erwachsenen Begleitungen liebevoll mit Liedern und Texten gestaltet. Im Anschluss wurden über 70 Familien und Privathäuser besucht und gesegnet, nicht nur in der Hanauer Innenstadt, auch bei einigen italienischen Familien in den umliegenden Orten.

„Wir sammeln und singen, wir danken und bringen mit Krone den Segen auf allerlei Wegen – von Tür zu Tür, auch zu dir“, hieß es unzählige Male, wenn die kleinen Könige in die Wohnungen aufgenommen wurden. Den Libanon, das Beispielland der diesjährigen Aktion, konnten die Kinder und Jugendlichen im alljährlichen Sternsingerfilm kennenlernen.

Eine rührende Geschichte

Besonders berührend: Zwei Sternsingergruppen, die am Mittwoch im Forum Hanau sangen, trafen dabei auf ein Mädchen aus Syrien, das über den Libanon nach Deutschland fliehen musste. Drei Jahre lang hatte die syrische Schülerin in einem Flüchtlingscamp im Libanon gelebt. Genau so ein Lager hatten die gleichaltrigen Sternsinger im Vorbereitungsfilm gesehen. Ganz klar vor Augen stand den jungen Königen nun, wofür sie die unzähligen Male ihre Lieder angestimmt und ihre Sammeldose herumgegeben hatten. Zu Tränen gerührt waren das syrische Mädchen und ihr Vater von den deutschen Kindern, die so viel Zeit für Menschen in ihrer Situation investierten.

Das Forum Hanau war eines von vielen Geschäften und Kaufhäusern in der Innenstadt, das die Sternsingergruppen am Mittwoch besuchten. Auch auf dem Wochenmarkt sangen die Sternsinger, wo sie neben der üblichen Schokolade für den Eigenverzehr auch einmal schnell eine Orange am Obststand geschält und gereicht bekamen, sowie vor der Schlittschuhbahn, unter dem Applaus von vielen gleichaltrigen Mädchen und Jungen, die interessiert an der Bande zugehört hatten. Und manche zückten sogar spontan ihr Taschengeld.

Kitas und Seniorenheime besucht

In vier Kitas lauschten die ganz Kleinen mit großen Ohren den Sternsingerliedern, in Seniorenheimen, im Vinzenz-Krankenhaus und im Hospiz machten die „Heiligen Drei Könige“ mit ihrem Segen vielen Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine Freude. Auf der Babystation segneten sie das Zimmer eines gerade am Dreikönigstag geborenen Babys.

Fast alle Menschen, die geplant oder ungeplant besucht oder angetroffen wurden, waren äußerst hilfsbereit und großzügig, was das Spenden für die gute Sache angeht. Damit unterstützen auch die Sternsinger aus der Hanauer Innenstadt die segensreiche Arbeit des Kindermissionswerkes für den Frieden – im Libanon und weltweit. Und das mit sehr viel Spaß und guter Laune, mit Krone und Stern und natürlich immer mit einem Lied auf den Lippen. 

Rund 300 000 Kinder als Sternsinger unterwegs

In diesen Tagen sind bundesweit rund 300 000 Kinder als Sternsinger unterwegs. Die engagierten Mädchen und Jungen bringen in allen 27 deutschen Bistümern den Segen zu den Menschen – „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ – und sammeln Spenden für Not leidende Gleichaltrige in aller Welt. 

Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion Dreikönigssingen zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Mehr als eine Milliarde Euro wurden seither gesammelt, über 74 400 Projekte für benachteiligte Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. Bei der 61. Aktion zum Jahresbeginn 2019 sammelten die Mädchen und Jungen aus 10 226 Pfarrgemeinden bundesweit über 50 Millionen Euro.

Im Libanon, dem Beispielland des diesjährigen Dreikönigssingens, in dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 herrschte, gelingt inzwischen ein weitgehend demokratisches und friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Konfessionen. Darüber berichtet das Sternsinger Kindermissionswerk in einer Pressemitteilung. 

Libanon kämpft mit Flüchtlingswelle

Doch der gesellschaftliche Friede steht dort vor großen Herausforderungen, denn das Zusammenleben ist nach wie vor von Ressentiments geprägt. Zudem hat der Libanon seit dem Ausbruch des Kriegs im Nachbarland Syrien rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.

Diese machen nun etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus. Die Projektpartner der Sternsinger arbeiten vor diesem Hintergrund mit einheimischen Kindern und mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Ein wichtiges Ziel ist es, Frieden und Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion im Libanon zu fördern.

Spenden sollen Bildung fördern

Mit Hilfe der Sternsinger hat die Adyan-Stiftung ein Bildungsprogramm für Schulen erarbeitet, das Kindern und Lehrern die gemeinsamen Werte der Weltreligionen sowie Wissen über die eigene Religion und Geschichte vermittelt.

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, ein langjähriger Sternsinger-Partner, leistet Hilfe bei der schulischen Integration und der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge. Die Caritas Libanon organisiert unter anderem ein Hausaufgaben- und Freizeitprogramm für Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion in der libanesischen Hauptstadt Beirut. 

Die Aktion Dreikönigssingen 2020 zeigt den Sternsingern, wie wichtig es ist, friedlich und unvoreingenommen miteinander umzugehen. Sie zeigt auch, dass Kinder und Jugendliche selbst aktiv zu einem friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion beitragen können. kb



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.