Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
Regenschauer
4 ° C - Regenschauer
» mehr Wetter

Hanau setzt bei HSB-Flotte weiter auf Dieseltechnologie

Hanau

  • img
    Busse der HSB stehen auf dem Busbahnhof am Freiheitsplatz. Die Flotte der HSB wird auf absehbare Zeit weiter aus Dieselbussen bestehen.  Luftbild: Axel Häsler

Hanau. In Hanau werden auf absehbare Zeit keine Wasserstoffbusse unterwegs sein. Die Hanauer Straßenbahn (HSB) setzt für ihre Flotte weiter auf Diesel. Auch mit der Anschaffung von Elektrobussen als Alternative hält man sich in Hanau noch zurück, geht aus einer Antwort auf eine Anfrage unserer Zeitung hervor.

Artikel vom 08. Januar 2020 - 10:33

Anzeige

Von Christian Dauber

Andere Städte zeigen sich experimentierfreudiger – nicht nur in Wuppertal, wo bald zehn Wasserstoffbusse zum Einsatz kommen sollen, sondern auch im nicht weit entfernten Aschaffenburg. Dort sollen künftig zwei Solo-Busse mit H2 unterwegs sein, informierten die dortigen Stadtwerke Ende Dezember.

Insgesamt will Aschaffenburg im gerade begonnenen Jahr neben den Wasserstoff-Fahrzeugen acht weitere Omnibusse in einer Hybridvariante kaufen. Bei diesen wird die Bremsenergie zurückgewonnen, um die Elektrik im Bus zu betreiben. Das spart vier Liter Diesel pro 100 Kilometer, sagte der Stadtwerke-Leiter Dieter Gerlach dem „Main-Echo“. Dieselbusse mit Euro-2- und Euro-3-Norm fahren in Aschaffenburg überhaupt keine mehr. Euro 4 wurde übersprungen, und von den verbliebenen Euro-5-Bussen sollen die meisten mit einer Abgasreinigung nachgerüstet werden, sodass alle 49 Busse künftig die Euro-6-Norm erfüllen. 

Erneuerung des Fuhrparks

Zumindest das ist auch in Hanau das Ziel. Wie HSB-Sprecher Joachim Haas-Feldmann erläutert, werde der Fuhrpark nach und nach erneuert. Elektro- oder Wasserstoffbusse sollen aber vorerst nicht angeschafft werden. „Die Stadt Hanau hält die Entscheidung für den künftigen emissionsarmen Antrieb ihrer Busse, also
die Entscheidung zwischen Brennstoffzellenfahrzeugen und Elektrobussen, bewusst noch technologieoffen, um die Entwicklung von deren massentauglichen Einsatzpotenzialen im Betrieb verlässlicher beurteilen zu können“, erklärt er.

Strategie der HSB sei es, den kommunalen ÖPNV durch ein noch besseres Angebot für die Kunden attraktiver zu machen, erklärt Sprecher Haas-Feldmann. „Deshalb fahren unsere Busse nach dem neuen Nahverkehrsplan häufiger, länger und auf zusätzlichen bedarfsgerechten Verbindungen“, so der Sprecher. Die Änderungen im Linienplan – Linie 3 entfällt beispielsweise, manche Haltestellen werden nicht mehr angefahren – waren allerdings nicht überall auf Gegenliebe gestoßen. Weiterhin konzentriere sich die HSB auf eine „verbesserte Bezahlung unserer Busfahrer“ statt darauf, mit überschaubarem ökologischen Gewinn einige wenige Elektro- oder Brennstoffzellenbusse anzuschaffen, so Haas-Feldmann. Die finanziellen Aufwendungen der HSB seien von 2019 zu 2020 um etwa 30 Prozent gestiegen.

Aktuell seien 80 Prozent der HSB-Flotte den Abgasnormen EEV (Enhanced Enviromentally Friendly Vehicle) und Euro VI zuzurechnen. Im Laufe dieses Jahres steige der Anteil auf 88 Prozent. Wie Haas-Feldmann weiter erläutert, würde in allen derzeitigen Szenarien zur künftigen HSB-Busflotte ausschließlich die Umstellung auf Elektrobusse betrachtet. Die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie müsse zunächst außen vor bleiben, da der aktuelle Entwicklungsstand, die Marktreife und die Preisgestaltung noch keine verlässlichen Aussagen zuließen. „Mittelfristig halten wir auch Busse mit Wasserstoffantrieb für eine mögliche Option für unsere künftige Flottenstrategie“, hatte Morlock vor einigen Monaten aber zumindest gesagt.

Zurückhaltung stört Kritiker

Kritikern stößt die Zurückhaltung der HSB sauer auf, zumal im Industriepark Wolfgang gerade das Thema Wasserstoff mit dem Projekt H2anau vorangetrieben wird. Mehrere Partner testen Brennstoffzellenfahrzeuge auf Praxistauglichkeit. Die Erfahrungen sind bis auf Kleinigkeiten positiv. Für das Projekt ist auf dem IPW-Gelände auch eine Wasserstoff-Tankstelle eingerichtet worden. Eine öffentliche Zapfsäule gibt es in der Region noch nicht. Der Hanauer Tankstellen-Betreiber Holger Förster zeigte sich jedoch bereit, eine solche zu etablieren und dafür drei Millionen Euro in die Hand zu nehmen – unterstützt durch Fördermittel. „Wir hoffen auch auf eine gewisse Bereitschaft bei den Hanauer Unternehmen, die Technologie zu nutzen“, erklärte er Anfang Dezember gegenüber unserer Zeitung.

Auf die HSB als Antreiber kann Förster noch nicht hoffen. Auch beim Thema Elektrobusse tritt man in Hanau eher auf die Bremse. Über die Investitionen für Elektrobusse hinaus, die für sich genommen schon mehr als doppelt so teuer wie Euro-VI-Dieselbusse seien, müsse auch in die Infrastruktur investiert werden. Der Betriebshof müsse umfassend modernisiert werden. „Am aktuellen Standort könnten ohne Erweiterung der Ladeinfrastruktur nur ein bis zwei Elektrobusse versorgt werden. Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass die in Hanau erforderlichen Tagesreichweiten von Bussen sich in einem nennenswerten Teil mit Elektrobussen versorgen lassen, aber nicht in Gänze bei bis zu 250 Tageskilometern und mehr“, erläutert HSB-Sprecher Haas-Feldmann weiter.

Die HSB hatte in der Vergangenheit den Einsatz von Elektrobussen erprobt, zuletzt mit einem Fahrzeug der Marke Solaris. Aktuell seien keine weiteren Tests geplant. Die Hanauer Grünen wollen sich mit der Zurückhaltung der HSB beim Thema Elektro nicht abfinden. „Da die CO2-Bepreisung im Jahr 2021 beginnt und der Umstieg auf Elektrobusse früher oder später sowieso kommen wird, soll schon jetzt mit dem Einstieg begonnen werden“, forderte der Fraktionsvorsitzende Stefan Weiß Mitte Dezember. Auch das Kostenargument wollen die Grünen nicht gelten lassen. „Dies stimme nur, wenn man die Infrastruktur voll mit einpreise. Auf die Fahrzeuge bezogen, würden 80 Prozent des Mehrpreises gefördert.



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.