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Verein "StrassenEngel" sucht Immobilie für neues Wohnprojekt

Hanau

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    Ein Haus für Frauen und Senioren: Sabine Assmann vom Verein "StrassenEngel" sucht eine Immobilie für ein neues Wohnprojekt. Fotos: Pixabay/Rainer Habermann

Hanau. Immobilienbesitzer, Vermieter, Baugesellschaften, Makler, aufgepasst: Es gibt etwas zu tun. Ein kleineres Mehrfamilienhaus oder große Wohnungen wird vom Verein „StrassenEngel“ zum Mieten oder Kaufen gesucht. Gerne auch renovierungsbedürftig und für einen zeitgemäßen Zweck: ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt. 

Artikel vom 08. Januar 2020 - 09:47

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Von Rainer Habermann

Dies ist die Geschichte einer Idee, und das Lebenswerk eines Menschen, der die sozialen Abgründe des Lebens gut kennt: Sabine Assmann und ihre Organisation StrassenEngel. Klingt vielleicht hochtrabend, ist es aber nicht. Weder die Idee noch die Leiterin und Vorsitzende dieser freien Organisation neben den einschlägigen Wohlfahrtsverbänden wie Caritas oder Diakonie sind es.

Privates Engagement für sozial Schwache

Der private Verein „Strassen Engel“ macht sich – trotz einiger Widerstände, aber auch aufgrund eine enormen Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung und von Firmen – seit vielen Jahren am Hanauer Nordbahnhof erfolgreich für sozial Schwache stark.

Die Organisation und Assmann selbst täten dies nicht aus irgendwelchen politischen Motiven heraus, wie die selbstständige Kosmetikerin aus Steinheim bei unserem Besuch betont. „Ich bin kein politischer, ich bin ein sozialer Mensch, aus eigenen Erfahrungen heraus“, fügt die Vorsitzende der „StrassenEngel“ hinzu. „Wohl aber bin ich da für Obdachlose, für 'Loser', für die armen Alten der Gesellschaft, die es heute bereits zu Millionen in Deutschland gibt.“ Für sie bietet der Verein eine Anlaufstelle in Hanau.

Frauen und Senioren unter einem Dach

Ihre neue „alte“ Idee nun, die sie bereits seit geraumer Zeit verfolgt: „Könnten nicht Menschen, die sich definitiv kein Senioren-, Wohn-, Alters- oder sonstiges Zentrum leisten können, weil sie schlicht über nicht genügend Geld verfügen, trotzdem ein behütetes, umsorgtes, sicheres Leben führen?“ Und könnten nicht Frauen, auch mit Kindern, die eine Zuflucht in den Frauenhäusern dieser Republik gefunden haben, in eine besser geregelte Zukunft starten, wenn sie das örtliche Frauenhaus verlassen?

„Es geht hier nicht nur um Frauen, die obdachlos sind und Alkohol oder Drogenprobleme haben“, erklärt Assmann. „Es geht hier schlichtweg um Frauen, die aus ihrer Umgebung heraus wollen oder müssen. Weil ein Leben in Gewalt oder seelischer Gewalt unerträglich geworden ist.

Konzept wie bei einer WG

Das Motiv ist leider so alt wie die Welt, die Ausgestaltung ist neu. Jüngere oder ältere Frauen, alleine oder mit ihren Kindern, leben gemeinsam in einem Wohnprojekt mit Senioren, die auch alleine sind, sich aber noch menschlich angesprochen fühlen. Nicht in einer Kommune, nicht in einem Heim, nicht in einer Residenz, sondern ganz freiwillig in einer Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft, ähnlich einer WG.

Je nach Bedarf betreuen sie Pfleger, Ärzte, Physiotherapeuten, Psychologen. Von der Idee trennt die Verwirklichung meist eines: Geld. Und es trennt sie eine geeignete Immobilie. Die genau suchen Assmann und die „Strassen Engel“ jetzt, in Hanau und Umgebung. In Frankfurt gibt es bereits einige solcher Projekte, wie etwa das „Hannah – Wohnen für Frauen“ der Diakonie. Und auch in der Brüder-Grimm-Stadt bieten zwei kirchliche Hilfsorganisationen Übergangs-Wohnplätze an; neben dem Frauenhaus. Assmanns Idee geht darüber hinaus, ihre Perspektive ist längerfristig.

Assmann sprüht vor Optimismus

Frauen sollen aufgefangen werden, auch nachdem sie für eine Übergangszeit im Frauenhaus oder in anderen Einrichtungen (von denen es verschwindend wenige gibt) untergekommen sind. Und Senioren soll eine Lebens​perspektive geboten werden, auch, wenn die normale Leistungsgesellschaft sie längst abgeschrieben hat.
Wie sie das alles regeln will, fragen wir Sabine Assmann. „Sie dürfen mich nicht unterschätzen, weil ich blond bin: Der erste Schritt kommt immer vor dem nächsten“, lächelt die Organisatorin des Nordbahnhofs hintergründig.

„Schließlich haben wir es auch geschafft, aus einer heruntergekommenen Bruchbude, dem Nordbahnhof, eine akzeptierte und von den Ämtern abgenommene Einrichtung für Obdachlose zu machen. Das wäre nie ohne die große finanzielle Hilfe zahlloser Bürger und Firmen gegangen. Und durch die tatkräftige Mitarbeit der Betroffenen selbst: der Obdachlosen, Rentner, Bedürftigen.“

Finanzierung stellt keine Probleme dar

Für potenzielle Immobilienverkäufer und Vermieter hat sie eine Botschaft: „Wir haben mehr Spenden auf dem Konto, als mancher vielleicht denkt. Unser Steuerberater (wir sind schließlich ein gemeinnütziger Verein) achtet peinlich genau auf die Verbuchungen, das Finanzamt sowieso. So habe ich bereits mit Banken gesprochen, was eine mögliche Finanzierung eines Mehrfamilienhauses betrifft. Es sieht gut aus“, sagt Assmann. Alles, was sie bisher angefasst hat (in letzter Zeit), scheint erfolgreich zu sein. Und so sammelt sie auch dieses Jahr: für ihr Mehrgenerationen-Projekt.

Spendenkonto
Der Verein hat das Spendenkonto: StrassenEngel e.V., Sparkasse Hanau, IBAN: DE07 5065 0023 0020 1195 74, BIC: HELADEF1HAN
›› strassenengel.org


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