Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
heiter
3 ° C - heiter
» mehr Wetter

FAST-Schnelltest: HSB klärt in Bussen über Schlaganfälle auf

Hanau

  • img
    Bildhaft: In klaren Botschaften klärt die Stadt auf den Heckklappen ihrer HSB-Busse über den Schnelltest zur Früherkennung eines Schlaganfalls auf. Fotos: PM

Hanau. Beim Thema Schlaganfall zählt jede Sekunde. Je früher Betroffene in die Klinik kommen, desto größer sind die Chancen, den Schaden zu begrenzen. Damit jeder weiß, woran man einen Schlaganfall erkennt und schnell geholfen werden kann, beschreitet die Stadt Hanau einen ungewöhnlichen Weg.

Artikel vom 11. Dezember 2019 - 17:30

Anzeige

Von Jutta Degen-Peters 

Sie wirbt in den Bussen der HSB mit Aufklebern und Fernsehwerbung für den Schnelltest FAST. Mit ihm kann man an veränderter Mimik, Armhaltung oder Sprache einen Stroke erkennen.

Idee kommt aus Holland

Die Idee zu der etwas anderen Art der Aufklärung kommt von der CDU-Stadtverordneten Hildegard Geberth. Die nämlich sah vor zwei Jahren während einer Straßenbahnfahrt im Hollandurlaub in der Bahn Aufklärungsslogans über das schnelle Handeln bei Schlaganfällen. „Das brauchen wir auch in Hanau unbedingt“, wusste die Christdemokratin gleich, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz zur Schlaganfall-Früherkennung im Rathaus von dieser Erfahrung berichtete.

Aus ihrer Idee wurde rasch ein CDU-Antrag, der in der Stadtverordnetenversammlung auf eine breite Mehrheit stieß. Jetzt ist die Kampagne da und soll, so OB Claus Kaminsky, die Sorgekultur in der Stadt (ein Begriff, den die Palliativmedizinerin Dr. Mari Haas-Weber prägte) weiter verbessern.

Stadt will Gesundheitsstandort stärken

Mit der Kampagne wolle sich die Stadt noch stärker als Gesundheitsstandort etablieren, die mit einer guten Vernetzung in Sachen Pflege und Palliativmedizin und dem Pflegestützpunkt sowie weiteren Initiativen wie den Demenzlotsen gut aufgestellt sei. erklärte der Rathauschef im Beisein von Gesundheitsexperten und Medizinern.

Kein Thema sei in Zukunft wichtiger als die Gesundheit. Themen wie Demenz, Herzkrankheiten und Gesundheitsmessen zogen in der Vergangenheit große Besucherscharen an. Es werde also immer wichtiger, sich in punkto Prävention, Diagnostik und Behandlung noch besser aufzustellen. 

Zahl der Schlaganfälle steigt dramatisch

Mit dem Projekt der Schlaganfall-Lotsen, bei dem im Klinikum Hanau seit fast einem Jahr rund 100 Schlaganfall-Patienten engmaschig begleitet und betreut werden, beschreite man bereits einen in Hessen bislang einzigartigen Weg, der Schule machen sollte, betonte der OB. Jetzt aber wolle man am anderen Ende, nämlich bei der Früherkennung für mehr Aufklärung sorgen.

Der Chefarzt der Neurologie am Klinikum, Dr. Sven Thonke, erklärte, im Klinikum würden pro Jahr rund 1000 Schlaganfallpatienten behandelt. Die Zahl sei in den vergangenen zehn Jahren um zehn bis 15 Prozent gestiegen. Wenn in der Spezialeinheit „Stroke Unit“ die Meldung eingehe, dass ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall eingeliefert werde, werde unverzüglich das Team zusammengetrommelt und das CT bis zu dessen Eintreffen freigehalten. Von der Einweisung bis zur Diagnose und Behandlung vergehe dann nur eine halbe Stunde. Doch dafür müsse bei Verständigung der Leitstelle bereits der Begriff Schlaganfall „mitgeliefert“ werden. 

Merkmale sind leicht zu erkennen

Der Schnelltest biete eine gute Möglichkeit, sich Gewissheit zu verschaffen. FAST steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Wenn beim Lächeln ein Mundwinkel nach unten hängt, beim Ausbreiten beider Arme mit nach oben gestreckten Handflächen sich ein Arm entweder nicht heben lässt oder gleich wieder nach unten sinkt oder die Handflächen nach innen abkippen, wenn die Sprache verwaschen ist, können das Merkmale eines Schlaganfalls sein.

Thonke begrüßte die Initiative der Stadt und der HSB ausdrücklich. Das Gehirn sei das verletzlichste aller Organe, erklärte er. Daher geht es bei einem Hirninfarkt (der bei rund 80 Prozent aller Schlaganfälle vorliege) darum, schnellstmöglich das mit einem Blutgerinnsel verschlossene Gefäß durch Infusionen und/oder Katheterisierung wieder zu öffnen. Der Neurologe betonte, Patienten sollten nicht erst den Umweg über ihren Hausarzt wählen oder gar warten, bis das Wochenende rum sei oder sich die Symptome zurückgebildet hätten. Die Möglichkeit, per Infusion blutverdünnende Mittel zu verabreichen bestehe rund viereinhalb Stunden lang. Doch je schneller das geschehe, desto besser seien die Heilungschancen.

14 Millionen Menschen werden mit Kampagne erreicht

Aus diesem Grunde wurde, so ergänzte Stadtrat Thomas Morlock als Aufsichtsratsmitglied der HSB, zur Verbreitung der Aufklärungskampagne das öffentliche Busnetz der HSB gewählt. „Wir transportieren 14 Millionen Fahrgäste pro Jahr, das bedeutet 14 Millionen Blickkontakte“. Da lasse sich das Fahrgastfernsehen, das normalerweise für Werbung genutzt werde, bestens auch für diese Kampagne einsetzen, sagte Morlock. Aus dieser Überzeugung heraus beteilige sich die HSB an den Kosten der Werbemaßnahme.

Karl-Georg Wolff, der alle Veränderungen in der Stadtentwicklung im Hinblick auf das Thema Gesundheit hin begleitet, begrüßte die Kampagne als weiteren Schritt, um die Fast-Großstadt auch für künftige Kräfte in Pflege und Medizin attraktiver zu machen. Die neue Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Hoffmann-Bär, hat sich Prävention ganz oben auf die Fahnen geschrieben. Sie ist überzeugt, dass man den Bürgern durch die Aufklärungskampagne die Ängste nehmen könne.

 

Der FAST-Test
Mit dem FAST-Schnelltest lässt sich herausfinden, ob ein Mensch möglicherweise einen Schlaganfall (Stroke) erlitten hat. Er umfasst vier Komponenten:
Face (Gesicht): Ist beim Lächeln die Mimik einseitig verzerrt, ist das ein Indiz.
Arms (Arme): Kann der Betroffene nicht beide Arme gleich hoch heben und dabei die Handflächen nach oben halten, könnte das ebenfalls auf einen Stroke hindeuten.
Speech (Sprache): Ist die Sprache schleppend oder verwaschen, ist ebenfalls Eile geboten
Time (Zeit): Trifft auch nur eines der genannten Merkmale zu, ist Eile geboten. Hier ist schnellstens die Rettungsleitstelle über die Telefonnummer 112 zu verständigen, damit der Patient in die Klinik kommt. ju 


Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.