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Weniger Parkplätze: Hanau reduziert die Stellplatzordnung

Hanau

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    Wohnen statt parken: Auf der Fläche an der Willy-Brandt-Straße, wo derzeit noch eine große Fläche mit Parkplätzen zu finden ist, soll in Zukunft eine Bebauung entstehen. Visualisierung: Stadt Hanau

Hanau. Die Städte wachsen, teils auch durch Nachverdichtung. Zwangsläufig wird der verfügbare Raum weniger, auch für Parkplätze. Viele Kommunen haben ihre Stellplatzsatzung, die regelt, wie viele Pkw-Stellplätze pro Wohneinheit vorgehalten werden müssen, geändert. Auch Hanau wird von der Satzung abweichen - um die Hälfte.

Artikel vom 10. Dezember 2019 - 05:00

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Von David Scheck

Auf einem Areal an der Willy-Brandt-Straße zwischen Kurt-Blaum-Platz und Friedrichstraße plant ein Investor den Bau von fünf Gebäudeblöcken mit insgesamt 156 Wohnungen. Derzeit befindet sich dort noch ein größerer Parkplatz mit 80 Parkplätzen, die zur bestehenden Wohnnutzung gehören, sowie auf einer weiteren Fläche rund 150 Stellflächen für Pkw, die der Firma Heraeus gehören. Diese fallen zukünftig weg.

110 statt 234 Parkplätze

Stattdessen soll mit dem Bau der Wohnblöcke eine Tiefgarage mit 110 Stellplätzen entstehen. Streng genommen müssten es mehr als doppelt so viele sein. Denn die Stellplatzsatzung der Stadt Hanau schreibt für Wohngebäude und sonstige Gebäude mit mehr als zwei Wohnungen 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit vor. Macht eigentlich 234 Parkplätze. Doch die Zahl von 110 Plätzen senkt den Schlüssel auf einen Wert von 0,7 in der Stellplatzsatzung.

Im Gegenzug für diese Reduzierung muss der Investor ein umfassendes Mobilitätskonzept vorlegen. Dieses beinhalte die dauerhafte Bereitstellung von alternativen Mobilitätsangeboten für die Bewohner, so die Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung, wie zum Beispiel Carsharing, Leihräder und Lastenräder.

Alternativkonzept ist Pflicht

Investoren müssen, so die Stadt, ein schlüssiges Konzept vorlegen und sich vertraglich zur Realisierung und zum dauerhaften Betrieb verpflichten. Konkreten Vorgaben, wie genau das Konzept beschaffen sein soll, würden dabei nicht gemacht – es handele sich immer um eine Einzelfallentscheidung, die durch Hanau Infrastruktur Service (HIS), Ordnungsamt, Hanauer Straßenbahn (HSB), Bauaufsicht und Stadtplanungsamt gemeinsam getragen werde. Insbesondere bei größeren Vorhaben empfehle es sich, sich eines Fachbüros zu bedienen, das das Konzept erarbeitet – so auch in diesem Fall das Büro Mobilitätslösung in Darmstadt.

Eine Gefahr, dass nun auch andere Investoren eine Reduzierung der Stellplatzsatzung einfordern, sieht man im Rathaus nicht – im Gegenteil: Die Stadt strebe eine Verringerung des Autoverkehrs im gut erschlossenen Innenstadtbereich an, heißt es von dort. Es sei sehr wahrscheinlich, dass andere Investoren Ähnliches anstreben. Grundsätzlich sei jeder Einzelfall zu prüfen. 

Auch in anderen Städten wird zunehmend von der Stellplatzsatzung abgewichen beziehungsweise diese geändert. In Frankfurt beispielsweise ist die Zahl der geforderten Parkplätze auch abhängig von der Erschließung des  Gebäudes beziehungsweise Quartiers durch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Auch bei Hausaufstockungen oder dem Ausbau des Kellers müssen keine zusätzlichen Stellplätze geschaffen werden.

Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen geplant

In den insgesamt fünf Gebäudekomplexen ist ein Mix aus Zwei-Zimmer-, Drei-Zimmer- und Vier-Zimmer-Wohnungen vorgesehen. Die kleinste der Zwei-Zimmer-Wohnungen umfasst rund 50, die größte Vier-Zimmer-Wohnung rund 109 Quadratmeter. Geplant ist in einem der Wohnblöcke auch eine Kita. Diese wird in städtischer Trägerschaft laufen, so die Stadt auf Nachfrage. Die dafür benötigten Flächen werde die Stadt anmieten. Vorgesehen seien nach aktueller Planung vier Gruppen.

Darüber hinaus ist geplant, „nicht wesentlich störendes Gewerbe“ anzusiedeln. Dabei handelt sich um gewerbliche Nutzungen, die sich gut mit dem Wohnen kombinieren lassen, weil sie keinen Lärm und keine anderen Emissionen verursachen. Angesprochen seien kleinere Dienstleistungs- und Handelsbetriebe, Praxen, Agenturen, Ladenhandwerk, Gastronomie, also urbane gewerbliche Nutzungen.

Starttermin gibt es noch nicht

Vorgesehen sind laut der Stadt Hanau sechs Ladenlokale und zwei Gastronomieflächen. Insgesamt beträgt die Nutzfläche für gewerbliche Nutzungen 1450 Quadratmeter. Einen konkreten Starttermin für den Bau der 156 Wohnungen gebe es noch nicht. Momentan gehe die Stadt in der Bauleitplanung von einem Satzungsbeschluss in der zweiten Jahreshälfte 2020 aus.



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