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290 statt 52 im Jahr: Im Stadtgebiet sterben die Bäume

Hanau

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    Die zuletzt sehr trockenen Sommer machen den Bäumen zu schaffen. Symbolbild: Pixabay

Hanau. Die Jahre 2018 und 2019 mit ihrer extremen Trockenheit und den sehr heißen Phasen haben die Bäume im Stadtgebiet und im Stadtwald gewaltig gestresst. Das ist das Fazit einer nun vorgelegten Bilanz. Vor allem bei den Stadtbäumen werde die Stadt  man verschiedene Maßnahmen ergreifen, um dem Baumsterben entgegenzuwirken.

Artikel vom 28. November 2019 - 10:44

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Von Thomas Seifert

Stadtrat Thomas Morlock zog zusammen mit dem Betriebsleiter von Hanau Infrastruktur Service (HIS), Markus Henrich, und dem Leiter von Hessen Forst Wolfgang, Christian Schaefer, Bilanz. Im Stadtwald soll längerfristig eine Verjüngung und Diversifizierung der Arten stattfinden, hieß es weiter.

Baumsterben hat dramatisch zugenommen

Im Zeitraum von 2010 bis 2017 starben im Stadtgebiet durchschnittlich 52 Bäume pro Jahr ab, in den beiden vergangenen Jahren waren es pro Jahr knapp 290, so die Statistik. Sie ist deshalb so exakt, weil alle städtischen Bäume mit einer Mindeststammdicke von 15 Zentimetern in einem Kataster erfasst sind. Zwei Mitarbeiter von HIS überprüfen zweimal im Jahr alle Stadtbäume auf ihren Zustand und aktualisieren die Angaben.

„Der Trocken- und Hitzestress hat nicht nur finanzielle Folgen für die Stadt, sondern es kommen die wichtigen Faktoren Erholungsfunktion, Naturschutz als Lebensraum von Vögeln und Insekten, Klimaschutz aufgrund der Speicherfähigkeit von CO2 von Bäumen und negative Auswirkungen auf das Kleinklima und das Stadtbild hinzu“, stellte Morlock fest.

Neupflanzung mit klimarobusten Baumarten

Betroffen von den Schäden sind vor allem Birken, Kiefern, Fichten und Ahorn, konstatierte Henrich. Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen versuche man, diese Negativentwicklung zumindest zu stoppen und den Baumbestand im Stadtgebiet weitgehend zu erhalten beziehungsweise wieder zu vergrößern. Bei Neupflanzungen werden nicht nur klimaangepasste Arten wie Linden aus der Türkei, Feldahorn oder Amberbäume genommen, sondern auch die sogenannten unterirdischen Baumquartiere von früher drei bis fünf Kubikmeter auf zwölf bis 18 Kubikmeter vergrößert.

Spezielle Baumsubstrate und Hilfsstoffe wie Geohumus erleichtern den Setzlingen das Anwachsen, das auch dadurch gefördert wird, dass bereits im Herbst und nicht erst im Frühjahr 80 Prozent der Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. „Monokulturen werden vermieden, besonders exponierte Bäume bekommen einen weißen Schutzanstrich am Stamm im Sommer, in der Innenstadt wurden bereits automatische Bewässerungssysteme am Forum und an der Niederländisch-Wallonischen Kirche mit Zisternen mit einem Fassungsvermögen von 30 bis 50 Kubikmeter Oberflächenwasser angelegt und – sofern der Niederschlag ausbleibt – werden wir mit unseren sieben bis acht Kolonnen auch ganzjährig bewässern“, zählte Henrich weitere Maßnahmen zum Erhalt und der Pflege der Stadtbäume auf.

Gesunde Bäume im Stadtwald werden nicht gefällt

Etwas komplizierter stellt sich die Lage im Stadtwald dar, der 1300 Hektar umfasst, von denen 1075 Hektar als Mischwald bewirtschaftet werden. „Aufgrund der angespannten Lage werden in diesem Jahr keine gesunden Bäume gefällt und vermarktet. Wir können nicht auf den Amazonas zeigen und vor der Haustür Bäume, die nicht geschädigt sind, abholzen“, betonte Morlock. 

„Von den geschätzt 600 000 bis 700 000 Bäumen im Stadtwald, die über 50 Jahre alt sind, müssen wir aktuell etwa 8300 fällen. Besonders betroffen sind Fichten und Buchen, Kiefern und Eichen haben die Dürre- und Hitzeperioden besser überstanden“, so Forstamtsdirektor Schaefer. Nach seinen Schätzungen hatte der Stadtwald einen flächigen Ausfall von rund 15 Hektar zu verkraften. Er erinnerte daran, dass in 2018 nur 50 Prozent der normalen Niederschlagsmenge gemessen wurde, der Winter aufgrund seiner ständig wechselnden und zu hohen Temperaturen die Bäume zusätzlich gestresst hat und bis Juli 2019 wiederum die schon ausgetrockneten Böden mit erneut 50 Prozent weniger Durchschnittsniederschlag auskommen mussten.

Stadt muss Verkehrssicherheit gewährleisten

„Besonders an den Waldrändern und den Verkehrswegen besteht wegen der Verkehrssicherungspflicht der Stadt
erhöhter Handlungsbedarf. Dort müssen die geschädigten Bäume schnell gefällt werden. Auf Waldwegen wollen wir Sperrungen so weit wie möglich vermeiden, es besteht aber erhöhte Astbruchgefahr, das sollten sich Spaziergänger in den Naherholungsgebieten zu Herzen nehmen. Allein für die Kosten für das Fällen der geschädigten Bäume kommen auf die Stadt Zusatzkosten von rund 50 000 Euro zu“, rechnete Schaefer vor.

 
Die Dürre und Hitze haben dem Borkenkäfer bei Fichten und dem normalerweise harmlosen Pilz Diplodia bei Kiefern in die Karten gespielt und zu der erhöhten Mortalitätsrate beigetragen. Noch sei aber vielen Bäumen nicht anzusehen, ob sie bereits geschädigt sind und im kommenden Jahr dann absterben.

Baumbestände brauchen Zeit

„Wir befinden uns mitten in einem Experimentierstadium, denn Bestände brauchen 30 bis 50 Jahre, um sich zu wandeln. Noch haben wir keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche Baumarten künftig mit dem Klimawandel in unseren Breiten und auf unseren Sandböden zurecht kommen“, beschrieb Schaefer die schwierige Situation, was Ersatzpflanzungen betrifft. Am ehesten seien bislang Eichen in der Lage, solchen extremen Wetterlagen zu trotzen.

 

So viele Bäume sind abgestorben 
Eine Statistik zeigt, in welchen Stadtteilen wie viele Bäume abgestorben sind: Großauheim 5297 (Bestand)/101 (abgestorben), Steinheim 4374/25, Innenstadt 2424/44, Kesselstadt 5300/84, Klein-Auheim 1799/11, Lamboy 4579/62, Mittelbuchen 1172/18, Nordwest 2823/133 (davon alleine 91 Birken im Bereich der Hola), Südost 4222/24 und Wolfgang 1689/3. Insgesamt beläuft sich der Bestand auf 33 679 Bäume im Stadtgebiet (Stand 30. September), wovon 505 abgestorben sind, eine Quote von 1,5 Prozent. tse


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