Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
Regen
3 ° C - Regen
» mehr Wetter

Grimm-Festspiele: Langjähriger Intendant Dieter Stegmann ist tot

Hanau

  • img
    Dieter Stegmann, langjähriger Intendant der Brüder-Grimm-Festspiele, ist gestorben. Archivbild: HA

Hanau. Der langjährige Intendant der Brüder-Grimm-Festspiele, Dieter Stegmann, ist tot. Stegman prägte die Festspiele wie kein Zweiter, nachdem er in den 1980ern als Bühnenbildner nach Hanau gekommen war. Nun verstarb er nach langer Krankheit.

Artikel vom 20. November 2019 - 23:15

Anzeige

Von Jutta Degen-Peters


Ein Mann klarer Worte, kreativ, humorvoll, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen – so erinnern sich die Menschen in der Region an Dieter Stegmann, Jahrgang 1942.Mit ihm endet eine Ära, die die Älteren unter den Theater- und Märchenfreunden zu den Anfängen der Festspiele führt und die der Stadt ein Erfolgsmodell bescherte.​

Stegman hat die Märchenspiele geprägt

Stegmann war dabei, als die Märchenspiele ihre ersten Gehversuche unternahmen. Gemeinsam mit dem damaligen Festspielleiter Henrik Helge schlief er nachts hinter der Bühne im Park von Schloss Philippsruhe, damit die Kulissen nicht abhandenkamen. 22 Jahre lang trug jedes Bühnenbild seine Handschrift, Stegmann schrieb und inszenierte eine Vielzahl von Stücken, erlebte alle Höhen und Tiefen der Festspiele mit.

Bei Gesprächen in seinem Haus in der Büdinger Altstadt, das er mit seiner Frau Ulla Röhrs, der aktuellen Kulturpreisträgerin, bewohnte, bezeichnete er die Festspiele gerne als sein „Baby“.

1985 als Bühnenbildner nach Hanau gekommen

In die Goldschmiedestadt war die rheinische Frohnatur 1985 als Bühnenbildner gekommen – damals muss der Rheinländer inmitten der nüchternen Hessen einen kleinen Kulturschock erlitten haben. Hier arbeitete er daran, dass sich die Kulturveranstaltung von einem kleinen, mit viel Herzblut, Liebe und Lust an der Improvisation erarbeiteten Ereignis zu einer respektablen Größe im Konzert der kleinen Festspiel-Ereignisse entwickelte.

Sechs Jahre lang entwarf Stegmann die Bühnenbilder, zunächst noch so, wie sein Mitstreiter der ersten Stunde, Henrik Helge, es wollte, der sich dem „Märchen pur“ verpflichtet sah. Zwar war auch Stegmann ein Freund eher naturalistischer als abstrakter oder gar futuristischer Darstellungen. Doch ging er, als er vom Bühnenbildner und Regisseur zum Intendanten wurde, seinen eigenen Weg.

Stegman entwickelt Festspiele weiter

Die Interpretation der Märchen, gerne mit sozialkritischem Touch, war ihm ein Anliegen. Dass er deswegen hin und wieder als „Sozialromantiker“ beschimpft wurde, focht ihn nicht an. Stegmann war es zu verdanken, dass die Festspiele sich an ein immer breiteres Publikum richteten. Er dramatisierte Märchen gleichermaßen für Erwachsene und Kinder.

Im Mittelpunkt stand für ihn die Botschaft der alten Volksmärchen, dass der Glaube an das Gute auch in ausweglosen Situationen zum Ziel führen werde. Der Erfolg gab seinen Interpretationen Recht: Als er als Intendant die Bühne verließ, besuchten über 80 000 Zuschauer die Festspiele. Für seine Leistungen um die Aufwertung des Kulturstandortes wurde er 2006 mit dem Kulturpreis der Stadt Hanau geehrt.

"Das tapfere Schneiderlein" war sein letztes Stück

Dennoch war dieses Jahr für ihn schmerzlich: Er musste Platz machen für seinen Nachfolger, den von ihm geschätzten Schauspieler und Regisseur Dieter Gring. Im Jahr darauf inszenierte Stegmann noch das Stück „Das tapfere Schneiderlein“ und fertigte ein Bühnenbild. Danach fiel für ihn der Vorhang.

Dass ihm der Abschied damals nicht leicht fiel, daraus machte er keinen Hehl. Doch er konnte in dem Bewusstsein gehen, die Festspiele auf den richtigen Weg gebracht zu haben. „Wir haben etwas geschaffen, das es sonst nirgendwo gibt – ein Theater für die ganze Familie“, sagte er einmal voller Stolz im Gespräch mit unserer Zeitung.

Klare Kante und unverwechselbarer Humor

Im Ensemble war Stegmann geschätzt und beliebt. Nicht zuletzt deshalb, weil er klare Kante zeigte, wenn es drauf ankam. So legte er sich wegen Ungereimtheiten bei den Finanzen der Festspiele mit dem ehemaligen Kulturmanager Klaus Dieter Stork an, warf diesem Tricksereien vor und ließ sich nicht den Mund verbieten.

Auch sein besonderer Humor wurde von den Kollegen geschätzt, die zahlreiche Anekdoten über den damaligen Chef zu berichten wissen. Die schönste dürfte die sein, als Stegmann im Kostüm des Butts 1994 im Teich in Not geriet und „gerettet“ werden musste.

Hanau bis zum Tod verbunden

Ganz von Hanau lösen konnte sich der Pensionär nie, nicht nur, weil seine Frau bis heute die preisgekrönten Kostüme für die Festspiele entwirft und unverzichtbarer Bestandteil des Ensembles ist. Im Jahr 2012 konnte ihn die Ex-Oberbürgermeisterin Margret Härtel dazu überreden, für das Jubiläum der Turngemeinde Hanau ein historisches Theaterstück zu schreiben.

Als Besucher der Festspiele kehrte er hin und wieder an seine alte Wirkungsstätte zurück. Auch als er gesundheitlich schon stark angeschlagen war, kam er noch nach Hanau. Mit Stegmann verliert die Stadt ein Festspiel-Urgestein. Stegmann hat die Grundlage dafür gelegt, dass sich Hanau heute als Festspielstadt bezeichnen kann.



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.