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Vater und Sohn produzieren in Hanau Rap-Song gegen Drogenkonsum

Hanau

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    Beide verbindet die Liebe zum Hip-Hop: Görkan Albayrak, auch bekannt als DJ Skywalker, und sein Sohn Celio haben in ihrem hauseigenen Ton-Studio einen Deutschrap-Song produziert. Foto: Privat

Hanau.  Schnelle Autos, Brennpunktviertel und derbe Sprache. In diesen Punkten unterscheidet sich das Musikvideo des Debüttracks von Kinko 069 nicht wesentlich von denen anderer Hip-Hop-Künstler. Doch eines ist bei dem Song mit dem Titel „Adrenalin“ wesentlich anders: Der Künstler spricht sich gegen Drogenkonsum aus.​

Artikel vom 21. November 2019 - 06:00

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Von Jasmin Jakob

Mit bürgerlichem Namen heißt Kinko 069 Görkan Albayrak, den Song hat er zusammen mit seinem 13-jährigen Sohn Celio produziert.

„Es geht darum zu zeigen, dass man auch Partystimmung haben kann, ohne Drogen zu nehmen“, sagt Albayrak. „In den meisten Liedern erzählen Rapper, dass sie gekifft haben. Sie rauchen oder thematisieren, dass sie Drogen nehmen. Da steckt viel Show dahinter, die für ein bestimmtes Lebensgefühl steht“, erklärt der 46-Jährige. 

Als DJ Skywalker in den Clubs von Frankfurt unterwegs

Görkan Albayrak ist vielen besser bekannt als DJ Skywalker. Mit dem Künstlernamen ist er nämlich seit über 30 Jahren hauptberuflich im Nachtleben unterwegs, legte in Clubs wie dem Odeon, dem Wayup oder dem Millenium in Frankfurt auf, jahrelang wurden seine Mixes von PlanetRadio gespielt. Mittlerweile tritt er regelmäßig im Culture Club in Hanau auf.

Seit er 13 Jahre alt war, so alt wie sein Sohn jetzt, faszinierte ihn der Beruf des Discjockeys. Er wollte auch Vinylplatten drehen, mixen und scratchen. Seitdem legt er ausschließlich Black Music (Hip-Hop und RnB) auf und hat damit bereits als Jugendlicher die Deutschen Meisterschaften gewonnen. 

Drogenkonsum in der Branche üblich

Zu seinen Hochzeiten arbeitete er 30 Tage am Stück, jede Nacht bis zu acht Stunden in verschiedenen Clubs in Deutschland. Daher war es ihm wichtig, sich in seinem Lied gegen Drogen auszusprechen. „In all den Jahrzehnten hab ich natürlich einiges gesehen“, sagt er und meint damit Feiernde im Drogenrausch, die geistig und körperlich mit der Zeit immer mehr abbauten.

„Ich habe das auch bei DJ-Kollegen gesehen, wenn die fünf bis acht Stunden auflegen, sind die ganz anfällig für so etwas, um durchzuhalten. Aber sobald man damit anfängt, verändert sich die Persönlichkeit, man zerbricht und macht sich alles kaputt.“ Er selbst rauche nicht, trinke nur selten Alkohol und auch von den Drogen lasse er die Finger: „Ich habe schnell erkannt, dass ich in der Branche nicht lange überleben kann, wenn ich nicht clean bleibe.“


Darf man das als Rapper zugeben, oder zerstört man damit die Vorstellung, die Jugendliche aus dem „Block“ vom rauen Leben auf der Straße haben? „Kann sein, dass ich mir damit ins Bein schieße. Das wird man sehen. Ich will real bleiben und keine Spielchen machen, keine Dinge sagen, nur um Erfolg zu haben“, stellt Albayrak klar. Er denkt an die Jugendlichen, die seine Musik hören und das Video sehen. Daher will er klarmachen, dass man auch cool sein kann, ohne Drogen zu nehmen. 

Musik-Gen an Sohn weitervererbt

Zum Rappen kam der DJ durch seinen Sohn, der seit seiner Kindheit Klavierunterricht nimmt, Klassiker wie die kleine Nachtmusik von Mozart spielen kann, aber auch im hauseigenen Tonstudio „an einem Tag Beats produziert, die chartreif sind“, so sein Vater. „Da bin ich ganz stolz drauf. Er ist total professionell und man muss ihn eher bremsen, sonst würde er 24 Stunden Musik machen.“

So hat Celio auch den Sound von „Adrenalin“ komponiert. Er hört nämlich wie sein Vater gerne Hip-Hop – vorzugsweise Deutschrap – und damit liegt er voll im Trend: „Seit drei, vier Jahren entwickelt sich eine ganz neue Musikrichtung, etwa so wie in den 1980er Jahren der Hip-Hop in den USA populär wurde“, erzählt Görkan Albayrak. Heute könne man auf Partys nicht mehr Black Music auflegen, ohne Deutschrap zu integrieren. „Die Leute wollen das.“ 

Sportwagen im Musikvideo ist Pflicht

Und weil Celio und er glauben, dass zu einem ordentlichen Musikvideo, wenn schon nicht geraucht oder gekifft wird, zumindest ein schnelles Auto gehört, haben sie für die vier Drehtage in Frankfurt und Hanau kurzerhand einen Sportwagen mit 500 Pferdestärken angemietet. 

Das Video spielt auf einem Parkhaus vor der Frankfurter Skyline und in ausgewählten Vierteln Hanaus: „Ich sag jetzt mal in den Brennpunktvierteln Hanaus, Lamboy, Tümpelgarten, solche Ecken, quasi in dem „Block“, wo ich auch aufgewachsen bin“, erzählt Albayrak. 

Musikvideo in Eigenproduktion

Das Musikvideo hat er ebenfalls gemeinsam mit Celio produziert, ohne Vorerfahrung und ebenso im Alleingang wie das Lied selbst. „Wir haben uns eine professionelle Kamera gekauft und so lange alles wiederholt, bis wir zufrieden waren.“ So wurde der Vater zum Protagonisten und der Sohn zum Kameramann. Zuhause haben sie alle Szenen geschnitten. Bis beide gesagt haben „Das passt!“

Die Texte stammen jedoch allein vom Vater: „Mir ist es wichtig, das klarzustellen, weil darin Kraftausdrücke vorkommen. Das ist nicht die Sprache meines Sohnes“, erklärt er. Celio geht aktuell in die achte Klasse eines Gymnasiums. Den nächsten Track haben die beiden schon in Arbeit. 



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