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Interview: Schulelternbeirätin verrät Tipps zum Schulwechsel

Hanau

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    Gemeinsam die Weichen für die Zukunft stellen: Annette Soffner, die Vorsitzende des Hanauer Stadtelternbeirats, hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Hanau und dem staatlichen Schulamt eine Info-Broschüre zum Schulwechsel herausgegeben. Foto: Jasmin Jakob

Region Hanau.  In den kommenden Wochen öffnen die weiterführenden Schulen in der Region ihre Türen für Viertklässler. Die „Großen“ der Grundschulen stehen jetzt nämlich vor einer schwierigen Entscheidung: Welche Schule ist die richtige für mich?

Artikel vom 22. Oktober 2019 - 10:48

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 Annette Soffner, die Vorsitzende des Stadtelternbeirats Hanau, erinnert sich auch noch gut an die Zeit, als sie mit ihren eigenen Kindern nach der geeigneten Schule suchte. Ihr 18-jährigr Sohn geht mittlerweile in die 13. Klasse der Hohen Landesschule, die 15-jährige Tochter auf den gymnasialen Zweig der Otto-Hahn-Schule.

Seit zwei Jahren ist Soffner die Vorsitzende des Stadtelternbeirats und hat die Informationsbroschüre „Was kommt nach 4?“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Hanau und dem staatlichen Schulamt herausgegeben. Im Interview mit dem HANAUER ANZEIGER erzählt sie, worauf Eltern bei der Schulwahl achten sollten und wie sie ihre Kinder bei diesem wichtigen Schritt begleiten können. 

 

Wie läuft der Wechsel zur weiterführenden Schule ab? 
In den Monaten November/Dezember bieten die Schulen einen allgemeinen Informationsaustausch über die weiterführenden Schulen an. Bis Ende Februar führen die Klassenlehrer dann individuelle Elterngespräche. Über die Schule erhalten sie auch rechtzeitig die Formulare, in die sie den Schulwunsch für ihr Kind eintragen können. Diese müssen bis zum 5. März ausgefüllt werden. Dann gleichen die Grundschullehrer ab, ob die Wünsche der Eltern ihrer Empfehlung entsprechen. Wenn es da Abweichungen gibt, müssen die Grundschulen ein zweites Mal beraten. Bis zum 5. April muss die endgültige Entscheidung durch die Schule eingereicht werden. Anfang Mai erhalten die Eltern in der Regel die Zusage der weiterführenden Schule. 

 

Sollte man die Kinder in die Entscheidung für die weiterführende Schule miteinbeziehen? 
Auf jeden Fall. Bei uns war es so, dass unsere Kinder für sich entschieden haben, auf welche Schule sie gehen. Und wir waren mit dem Wunsch einverstanden. Unsere Kinder hatten ganz unterschiedliche Kriterien, nach denen sie die Schulen für sich selbst bewertet haben. Sie sehen die Schulen mit ihren Augen ganz anders, als wir Eltern sie sehen. Es ist ganz klar, dass sie in der Entscheidung unterstützt werden müssen und Eltern ihre Bedenken äußern sollten. Aber man sollte gemeinsam eine Wahl treffen. Über die Gewichtung der Kriterien gegenüber den Wünschen der Kinder müssen die Eltern entscheiden. Das möchte ich mir nicht anmaßen, da Ratschläge zu geben. 

 

Nach welchen Kriterien sollte man die weiterführende Schule auswählen? 
Das ist eine schwierge Frage, weil sie für alle Parteien stimmig sein müssen, für die Kinder, die Eltern und die weiterführende Schule. Wenn ich ein Kind habe, dass sich in der Grundschule schon schwertut, sollte ich es nicht zwingen, auf ein reines Gymnasium zu gehen. Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Kind das kann, sollte ich es aber natürlich fördern. Neben den Noten im ersten Halbjahr der vierten Klasse, sollte man die gesamte Schulzeit des Kindes in den Blick nehmen: Welche Interessen und Fähigkeiten hat das Kind? Die Schwerpunkte der Schulen sollten dazu passen. Ist die Schule naturwissenschaftlich ausgerichtet, musikalisch, handwerklich? Besteht Förderbedarf? Auch die Größe der Schule sollte man nicht außer Acht lassen. Das kann auf die Kinder einschüchternd wirken. Sie werden ja von den Großen plötzlich zu den kleinen Großen. Da ist es ganz wichtig, die Ängste der Kinder ernst zu nehmen.

 

Wie kann man das Kind in dieser Phase am besten unterstützen?
Das Wichtigste ist, viel mit dem Kind zu reden. Zu fragen, was möchtest du gerne? Sind das wirklich deine Interessen oder die deiner Freunde? Und was sind deine Ängste? Oft hilft es, auch das Gespräch mit der weiterführenden Schule zu suchen. Ich hab das bei meinen beiden Kindern wahrgenommen. Dabei wird gar nicht so sehr auf die Noten geschaut, sondern mehr auf das Kind. Und es ist natürlich sehr wichtig, sich beim Tag der offenen Tür einen Eindruck von der Schule, den Lehrern, Räumlichkeiten und Schülern zu verschaffen. 

 

Was ist, wenn die Eltern die Kinder gerne auf ein Gymnasium schicken würden, aber keine entsprechende Empfehlung von der Grundschule bekommen? 
Letzten Endes sind es die Noten, die entscheiden, in welche Richtung ein Kind eine Empfehlung von der Grundschule ausgesprochen bekommt. Natürlich kann man trotzdem versuchen, das Kind auf einem Gymnasium anzumelden. Ich empfehle dann aber in jedem Fall das Beratungsgespräch mit der weiterführenden Schule. Unser Bildungssystem ist in alle Richtungen durchlässig. Und man sollte bedenken, dass nicht jedes Abitur glücklich macht oder der Weg dorthin geradlinig sein muss. Das ist wichtig. Die Eltern kennen die Kinder zwar am besten, das Kind kann sich in der Schule aber manchmal anders verhalten als zu Hause. Daher sollte man auch bedenken, dass das Kind ohne Empfehlung für das Gymnasium die Schule wechseln muss, wenn es zum Beispiel in der fünften Klasse sitzenbleiben würde. Das Wiederholen der fünften Klasse ist in diesem Fall auf dem Gymnasium nicht möglich. Dann sollte man auch überlegen, ob das Kind sprachaffin ist. Man darf nicht vergessen, dass auf dem Gymnasium in der sechsten Klasse die zweite Fremdsprache dazukommt. In einer integrativen Gesamtschule hat man andere Wahlmöglichkeiten. Allgemein gilt es, nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder zu schauen. Wenn das Kind unbedingt auf eine bestimmte Schule möchte, dann hat es auch den Willen, sich hinzusetzen und zu lernen. 

 

Wie kann man Eltern und Kindern den Druck bei der Entscheidung nehmen?
Das ist eine der ersten Weichen, die gestellt wird. Die mündet nicht in einem Kopfbahnhof. Man kann immer auch andere Wege finden. Es muss auch nicht immer der schulische Druck sein, der einem Probleme bereitet, es können auch die Mitschüler sein. Da muss man immer mit den Kindern im Gespräch bleiben und beobachten. Geht das Kind mit Kopf- oder Bauschmerzen in die Schule oder ist es glücklich? Wenn das Kind in drei Fächern Nachhilfe braucht, dann muss man sich auch überlegen, ob das der richtige Weg für das Kind ist. 

 

Und was ist, wenn es mit dem ersten Wunsch nicht klappt? 
Wenn das nicht klappt, wird der zweite Wunsch berücksichtigt, und wenn der auch nicht realisiert werden kann, der dritte, sofern man ihn angeben kann. Es ist ganz wichtig, das auszufüllen. Es kann immer sein, dass an einer Schule zu viele Anmeldungen eingegangen sind und die Kinder auf andere Schulen umgelenkt werden müssen. Dann sollte man eine Schule wählen, auf die das Kind auch gehen könnte. Es ist ganz selten, dass diese Wünsche nicht berücksichtigt werden können und das Staatliche Schulamt die Anmeldung umlenkt. Dann kann man immer noch mit dem Schulamt in Kontakt treten. Die Eltern haben nur einen rechtlichen Anspruch auf die Schulform, nicht auf eine bestimmte Schule.

 

Wie bereitet man sich am besten auf den Tag der offenen Tür vor? 
Am besten mit unserer Broschüre „Was kommt nach 4?“. Hier sind alle Schulen aufgeführt. Die Größe der Schulen, wie viele Schüler und Lehrer dort sind, die Angebote der Wahlpflichtfächer. Es gibt MINT-Angebote, Schüleraustauschprojekte, soziales Lernen, eventuell auch Ganztagsangebote. Hier gibt es alle wichtigen Informationen auf einen Blick. Man sollte also schon im Vorfeld eine Auswahl an Schulen treffen, die man sich für das Kind vorstellen kann und keinen Besichtigungsmarathon machen. Auch empfehle ich zur weiteren Information die Webseiten der einzelnen Schulen. 

 

Das Interview führte Jasmin Jakob.

 

 

Stadtelternbeirat Hanau 

Der Stadtelternbeirat Hanau (StEB) ist ein eigenständiges Gremium. Er setzt sich als Ansprechpartner schulformübergreifend für schulpolitische Themen ein, berät und fördert die Arbeit der Schulelternbeiräte und vertritt die Hanauer Elternschaft. An den Sitzungen des StEB nehmen im Wechsel Vertreter des Staatlichen Schulamts und der Stadt Hanau als Schulträger teil.

Am 30. November finden die Neuwahlen des StEB statt. Annette Soffner, die Vorsitzende des StEB betont, dass immer aktive Eltern gesucht werden, die sich einbringen wollen: „Eltern können viel bewegen.“ Weitere Informationen gibt es im Internet. jj    ›› www.steb-hanau.de

 



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