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Gedenktafel für Alptug Sözen in Hanau enthüllt

Hanau

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    Oberbürgermeister Claus Kaminsky übergibt die Ehrenplakette der Stadt in Gold an Alptug Sözens Vater Ejder, Mutter Yasemin und Bruder Arda. Foto: Rainer Habermann

Hanau. Große Ehrung und überwältigende Anteilnahme für einen jungen Menschen, gerade mal 17 Jahre alt geworden: Mustafa Alptug Sözen. 

Artikel vom 10. Oktober 2019 - 22:22

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Von Rainer Habermann

Der Hanauer Schüler an der Ludwig-Geißler-Schule (LGS) wollte im November des vorigen Jahres selbstlos einem Verunglückten in der S-Bahn-Station Frankfurt-Ostend zu Hilfe eilen und wurde dabei selbst von der einfahrenden Bahn erfasst. Alptug Sözen starb noch auf den Bahngleisen. Am Donnerstag enthüllte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky in der LGS eine Gedenktafel an den so jung und auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Schüler.

Die Tafel aus eloxiertem Aluminium zeigt zwei Hände, die sich reichen: die helfende Hand und die Hand, die Hilfe sucht. Das Motiv war auf Wunsch der Eltern Alptugs, Yasemin und Ejder Sözen, von Schülern der Zeichenakademie mit ihrem Fachlehrer Michael Otto entworfen und gestaltet worden.

Außerdem verlieh der Hanauer Oberbürgermeister die Ehrenplakette der Stadt in Gold an die Eltern. „Wo andere Menschen wegschauten, hat Alptug in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen und stand dem Hilfsbedürftigen bei. Er ist dabei selbst zum Opfer geworden“, sagte Kaminsky. Die Ehrenplakette in Gold für besondere, herausragende Verdienste um die Brüder-Grimm-Stadt werde damit nach seinen Worten zum ersten Mal in der Geschichte posthum vergeben.

Diese Gedenktafel erinnert in der Ludwig-Geißler-Schule an den auf tragische Weise ums Leben gekommenen Schüler Alptug Sözen. Fotos: Rainer Habermann

Die Feier zur Verleihung im Konferenzraum der LGS war geprägt von Trauer und großer Würde. „Erinnerung an einen Menschen geht nie verloren, wenn man ihn in seinem Herzen trägt“, sagte die Hanauer Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck mit Tränen in den Augen und Blick auf die Mutter Alptugs.

Zahlreiche Stadtverordnete, Magistratsmitglieder, Lehrer und Mitschüler des 17-Jährigen nahmen an der Zeremonie teil. Der türkische Generalkonsul in Frankfurt, Burak Karartı, richtete ein Grußwort in türkischer Sprache an die Versammlung, das im Anschluss übersetzt wurde, und würdigte die Tat Alptug Sözens als ein „großartiges Beispiel von Menschlichkeit“. Seine Eltern, aber auch „die gesamte türkische Gesellschaft, die er zurückgelassen hat“, könnten sehr auf diese mutige und selbstlose Tat sein.

Der Hanauer Oberbürgermeister überbrachte die Grüße und Anerkennung seines Frankfurter Amtskollegen Peter Feldmann, der selbst nicht teilnehmen konnte. Zehntausende Hanauer wie Frankfurter Bürger hätten eine Petition unterschrieben, damit die S-Bahnstation „Frankfurt-Ostend“ den Zusatz „Alptug-Sözen-Station“ erhalte. Kürzlich war dort, am Ort des Rettungsversuchs, ebenfalls eine Gedenktafel an den 17-Jährigen aufgestellt worden.

"Selbstlose Nächstenliebe"

„Wir haben heute die traurige und zugleich ehrenvolle Aufgabe, einem jungen Mann zu gedenken, den wir – den unsere Stadtgesellschaft – nie vergessen wird“, fuhr Kaminsky fort. „Wenn sich jeder von uns ehrlich der Frage stellt, ob wir genauso gehandelt hätten: dann würden viele von uns ziemlich sicher mit 'nein' antworten. Er hat einen Menschen in Not gesehen. Er hat geholfen. Das nenne ich selbstlose Nächstenliebe, das nenne ich Heldenmut. Ihm war völlig egal, welches Geschlecht, welche Nationalität oder welche Religion der Hilfebedürftige hatte. Es war ihm egal, was die Menschen um ihn herum gedacht oder gemacht haben. Er war fokussiert auf einen Menschen in Not, dem es zu helfen galt“, sagte der OB mit brüchiger Stimme.

Kaminsky schloss mit einem Zitat von Albert Schweitzer: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen.“



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