Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
stark bewölkt
5 ° C - stark bewölkt
» mehr Wetter

Schlossplatz: Stadtbild nimmt Bewertungskriterien unter die Lupe

Hanau

  • img
    Der Architektenverein hält den Entwurf von Baugesellschaft und Terramag für am besten geeignet. Archivfoto: Christian Dauber

Hanau. Grundlage der Magistratsentscheidung zur Favorisierung des Entwurfs von Terramag/Baugesellschaft ist ein Bewertungsverfahren der Nassauischen Heimstätte. Diesen Bewertungskanon hat sich der Verein Stadtbild Hanau einmal genauer angesehen, informiert der Verein in einer Mitteilung.

Artikel vom 01. September 2019 - 15:49

Anzeige

Es sei ihm gelungen, aus seinem überregionalen Netzwerk rasch ein Expertengremium zusammenzustellen und das Bewertungspapier einem Faktencheck zu unterziehen, schreibt Vorsitzender Reinhard Hühn.

Die bislang noch nicht öffentliche Jury-Bewertung, die im Auftrag der Stadt Bewertungskriterien und die Punktevergabe auflistet, liegt dem Verein nach eigenen Angaben mittlerweile vor. 

Neubau nicht mit Denkmalschutz vereinbar

Bei den Bewertungen knirsche es gewaltig hinten und vorne, meint Dominik Mangelmann, Bauingenieur und seinerzeit Berater der Dom-Römer-GmbH beim Bau der neuen Frankfurter Altstadt. Neben ihm habe der renommierte Immobiliensachverständige und Gutachter Jürgen Lenz den Bewertungskatalog der Stadt Hanau untersucht. Er, laut Stadtbild ein „alter Hase“ im Geschäft, habe vor allem angemerkt, dass der massive Neubau der Baugesellschaft überhaupt nicht mit dem Denkmalschutz des umliegenden Kanzleigebäudes vereinbar sei:

„Das werden wir mit dem Landesdenkmalamt mal besprechen.“ Auch der Diplom- Ingenieur und Architekt Georg Oeter, welcher auf Denkmalbau spezialisiert ist, sei erschüttert. „Die Autoren der Jury haben den Entwurf der KCI völlig unfair und subjektiv bewertet. Die Begründungen sind zum Haareraufen!“, heißt es in der Mitteilung.

Darüber hinaus hätten die Immobilienfachleute anhand der Hanauer „Fassadenfibel“ festgestellt, dass der Entwurf von Terramag/Baugesellschaft massiv gegen die Altstadt-Gestaltungssatzung verstoße, und zwar in vielen Details. Hier scheine „ein von vornherein gewünschtes Ergebnis in eine Punktebewertung gepresst worden zu sein, damit das richtige Ergebnis rauskommt“. Das Expertengremiums kommt laut Mitteilung zu dem Ergebnis: „Was nicht passt, wird passend gemacht.“

Mangelhafte Bewertung des Nutzungsmix

Paul Gerhard Lemke, Diplom-Betriebswirt, Bankkaufmann und Hotelberater habe vor allem den Nutzungsmix der Baugesellschaft für absolut mangelhaft bewertet. Wenn Hanau diese Gelegenheit nicht nutze und erneut auf einen Hotelbau verzichtet, vertue man eine Riesen-Chance für das Kongresszentrum CPH. „Da kann man nur den Kopf schütteln. Die Tanzschule muss bei der geplanten Gesamtfläche von 900 Quadratmetern mindestens 12 000 Euro Miete im Monat zahlen. Das wird sie nicht können, also muss sie intern quersubventioniert werden müssen.

Die Zeche zahlt der Steuerzahler“, so der Verein Stadtbild. Den Experten geht es bei der Bewertung nach eigener Aussage nicht um Geschmacksfragen. Kommunen bewerteten Architekturwettbewerbe meist weniger nach ästhetischen oder subjektiven Kriterien, sondern nach objektiven Gesichtspunkten wie Einhaltung städtebaulicher Richtlinien, Gestaltungssatzungen und Nutzungskonzepten. Gerade gegen diese objektiven Vorgaben habe jedoch der gemäß Bewertungskatalog erstprämierte Entwurf von Terramag/Baugesellschaft gleich mehrfach und massiv verstoßen. Dies dokumentiere die nun vorliegende Analyse der Stadtbild Experten, die nun auch dem Hanauer Magistrat vorgelegt werde.

Gefälliger und harmonischer Entwurf

Der Schlossplatz-Entwurf der KCI-Invest sei hingegen nicht nur in der subjektiven Wahrnehmung der Hanauer Bürger, der Medien und von Stadtbild Hanau der eindeutig gefälligere und harmonischere Entwurf. Das historisierende Konzept erfülle auch deutlich mehr Punkte des Anforderungskataloges der Konzeptvorgabe. 

Stadtbild-Hanau-Vorsitzender Reinhard Hühn hat sich laut Mitteilung bereits mit seinen Vereinskollegen zusammengesetzt und einen Maßnahmenkatalog erstellt. Er will um den historischen Schlossplatz kämpfen: „Wenn dieses Ergebnis tatsächlich durch das Parlament gepeitscht wird, werden wir erheblichen Widerstand leisten. Wir spielen gerade mit dem Gedanken, einen Bürgerentscheid zu initiieren, und lassen uns bereits fachlich beraten.“

Der Verein Stadtbild setzt sich für eine historische Hanauer Altstadt ein. Im Bereich des Schlossplatzes und des Fronhofes sollen die seit der Zerstörung 1945 fehlenden Gebäude als schöpferische Nachbauten entsprechend dem früheren Ensemble errichtet werden. Die 70 Jahre alten monotonen Häuserblocks entlang der Altstadtachse sollen ebenfalls ersetzt werden. Der Verein hatte sich bereits in der Vergangenheit für die Realisierung des KCI-Entwurfs ausgesprochen. cd



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.