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Kommentar Schlossplatz-Entwicklung: Historische Chance - vertan?

Hanau

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    Stellvertretende Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold. Foto: HA

Artikel vom 24. August 2019 - 10:55

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Von Yvonne Backhaus-Arnold

Der hauptamtliche Magistrat hat seine Empfehlung zur Schlossplatz-Entwicklung ausgesprochen. Die Baugesellschaft Hanau und das private Hanauer Planungsbüro Terramag sollen das Kanzleigebäude sanieren und anstelle des benachbarten Hauses des Handwerks einen Neubau errichten. Noch ist zwar nichts entschieden, aber irgendwie doch schon.

Seit etwa einem Jahr läuft das Verfahren rund um den letzten Baustein der Innenstadtentwicklung, die Hanau in den vergangenen zehn Jahren rasant und zum Positiven verändert hat. Jetzt also der Schlossplatz: Im März wurden die drei Entwürfe von Bietergemeinschaft Baugesellschaft/Terramag, KCI und 3W präsentiert. Es gab ein Bürgerwochenende, Rückmeldungen des Hanauer Architektenvereins und schließlich die Möglichkeit für alle drei, noch einmal nachzubessern. Das haben sie getan. Fest steht: Alle drei Entwürfe sind gut, jeder auf seine Weise. Der Gewinner der Herzen war aber von vornherein der historische Entwurf der Planer von KCI. Auch die Mehrheit unserer Leser votierte in einer Umfrage dafür.

Bürger haben kein Mitspracherecht

Nun haben die Bürger kein Mitspracherecht, was man bedauern, aber nur schwer ändern kann. Und der hauptamtliche Magistrat hat sich – viele hatten es schon erwartet – für Baugesellschaft und Terramag ausgesprochen.

Das Verfahren unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfragen und der Bewertungskriterien haben die Verantwortlichen – davon ist auszugehen – ernst genommen und sich die Empfehlung sicher nicht leicht gemacht. Oder doch? Mit einer städtischen Gesellschaft als Entwickler sind Politik und Verwaltung nah dran, haben die Hand drauf – könnte man sagen – und können zeitnah einlenken, wenn etwas schief‧läuft. Ein externer Entwickler ist da sicher ein größeres Risiko. Und ein Scheitern wäre ein Debakel – nicht nur für Oberbürgermeister Claus Kaminsky, sondern auch für seinen Stadtplaner Martin Bieberle. Auf der Zielgeraden des Wettbewerblichen Dialogs könnten sie sich das nicht leisten.

Das ins Feld geführte Argument, dass man für die Beurteilung des Schlossplatzes nur die Nach-1945-Ära betrachten sollte, darf eigentlich kein Argument sein

Wäre ein perfektes Bild

Der 2003 eröffnete Congress Park Hanau vereint Geschichte und Moderne, eine historische Schlossplatz-Westseite würde sich hier perfekt ins Bild einfügen. Und die Tanzschule Berné hätte auch in den anderen beiden Entwürfen ein neues Zuhause gefunden.

Bei allem Verständnis für planerische Sicherheit vertut die Stadt eine große Chance, hier etwas Besonderes zu schaffen. Frankfurt hat im großen Stil vorgemacht, wie es gehen kann. Tausende kommen seit der Eröffnung jeden Tag in die Mainmetropole, um die neue alte Altstadt zu besuchen. Nun ist Hanau nicht Frankfurt, ein bisschen Flair und noch ein Fleckchen mit Aufenthaltsqualität und Charme könnte es aber noch vertragen. Sogar Offenbach hat die Zeichen der Zeit erkannt und bemüht sich um eine historische Innenstadt. Hanau hat die unglaubliche und vorerst nicht wiederkehrende Chance, sie entwickeln zu können – und tut es nicht.



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