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Katastrophenfilmer wider Willen: Video zeigt Schlossbrand 1984

Hanau

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    Vincenzo del Pontes 40-minütiger Videofilm zeigt den Schlossbrand mit Interviews vieler an der Löschung Beteiligter. Symbolfoto: Jeremy Yap on Unsplash
  • Der Videofilm, den Del Ponte (rechts) erstellte, ist im Internet nicht vorhanden. Es existiert lediglich die Version, die der Hobbyfilmer der Stadt Hanau und Oberbürgermeister Claus Kaminsky zur Verfügung stellt. Archivfoto: HA

Hanau. Als einer von ganz wenigen Bürgern Hanaus kann der 79-jährige Vincenzo del Ponte von sich sagen, einen Film über die Brandkatastrophe gedreht zu haben. Er hat mit unserer Zeitung darüber gesprochen, weshalb sein 40-minütiger Streifen überhaupt zustande kam. Den Film will er nun der Stadt Hanau schenken.

Artikel vom 07. August 2019 - 11:58

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Del Ponte, der 1960 als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen war, arbeitete im Jahr des Schlossbrandes als Vertreter im Qualitätswesen des Unternehmens Honeywell in dessen Wächtersbacher Filiale. Er erinnert sich an einen schönen Sommertag, an dem er sich um 15 Uhr auf die Autobahn gen Heimat begab. Del Ponte lebte mit seiner Familie in Kesselstadt.

„Schon von Weitem sah ich eine große Rauchsäule und dachte, da brennt es wohl bei Dekalin oder einem anderen chemischen Betrieb“, sagt er rückblickend. Vor seinem Haus in der Jakob-Rullmann-Straße angekommen, schaute er zum Schlossturm und erschrak, als er die dicken Rauchwolken sah, die den Turm umgaben: Das Schloss brannte.

„Da standen Leute und haben gelächelt"

Del Ponte, damals Mitglied im Foto-, Film- und Videoclub, spurtete nach oben in seine Wohnung, schnappte sich die Videokamera, die glücklicherweise aufgeladene Akkus hatte, und rannte zum Schloss. „Es war komisch“, sagt der Rentner heute, „da standen Leute und haben gelächelt. Dabei war es doch so traurig, dass da gerade ein Stück vom alten Hanau kaputtging“.

Del Ponte begann zu filmen. Dass die Qualität später von manchen Filmprofis bemängelt wurde, ärgert ihn heute. „Ich hatte kein Stativ und stand vor dem Schloss, musste also direkt in die Sonne filmen“ erklärt der Pensionär. „Die meisten Leute sahen nur eine Wolke. Ich mit meinem Tele konnte aber sehen, wo es brennt und die Leute sogar ein bisschen dirigieren“.

Hektische Aktivitäten am brennenden Schloss Philippsruhe

So zeigt Del Pontes Videofilm das brennende Schloss und die hektischen Aktivitäten drum herum, die zur Löschung und zur Bergung der Kunstschätze aus dem Schloss stattfinden. Man sieht die Helfer der Feuerwehr aus Kernstadt, den Stadtteilen und Frankfurt, der Polizei und der US-Army in Aktion. Auch zahlreiche städtische Bedienstete und Amtsleiter schwirrten durch die Gegend und versuchen zu retten, was zu retten ist. Der Pächter des Lokals im Schloss kommt zu Wort und schildert aufgeregt seine Beobachtungen.

Ein Kameraschwenk geht hinüber zu Oberbürgermeister Helmut Kuhn und dem damaligen Leiter des Kulturamtes, Dr. Günther Rauch und fängt auch Stellungnahmen von ihnen ein. Rauch kannte Del Ponte, weil er mit ihm im Oratorienchor gesungen hatte. Bürger bedrängen die Feuerwehrleute immer wieder mit Fragen, immer mehr Schaulustige bevölkern den Platz vor dem Schloss, den die Polizei schließlich absperrt.

„Auch ich konnte nicht ganz nah ran“, erinnert sich der Mann aus den Abbruzzen. „Aber ich wollte ein Stück Hanauer Geschichte festhalten.“ Auf CD gebrannt hat Del Ponte heute den Film, der am Nachmittag in der Zeit von zirka halb fünf bis halb sechs Uhr entstanden ist. ju



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