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Protokoll des Brandes von Schloss Philippsruhe vor 35 Jahren

Hanau

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    So sah die Titelseite des HANAUER ANZEIGER einen Tag nach dem Großbrand im Schloss Philippsruhe aus. Im Innenteil gab es mehrere Sonderseiten. Repro: HA

Hanau. Vor 35 Jahren stand Schloss Philippsruhe, das Wahrzeichen Hanaus, in Flammen. Wir blicken auf die Ursache, die Löscharbeiten und die Folgen des verheerenden Brandes:

Artikel vom 07. August 2019 - 10:52

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Am Mittwoch, 7. August 2019, jährt sich ein Ereignis, das sich den Hanauern, die vor 35 Jahren schon in der Stadt lebten oder arbeiteten, ins Gedächtnis gebrannt hat wie kaum ein anderes: Schloss Philippsruhe, das Hanauer Wahrzeichen und ganzer Stolz der Bürger, brannte.

Aus kokelnden Briefkuverts, die zwei Kinder in einer der bewohnten Dachwohnungen im Schloss aus dem Fenster aufs Dach geworfen hatten, entwickelte sich ein Feuer, das den Schlossturm und das Dachgeschoss in Flammen stehen ließ. Der Schaden, dessen Regulierung die Versicherung übernahm, ging in die Millionen, wertvolle Kulturgüter wurden vernichtet.

Die Chronologie des Brandes:

  • 13.55 Uhr: Die Sirenen heulen. Der achtzehnjährige York Schwenzer, der im Terrassen-Café „Orangerie“ jobbt, bemerkt Flammen im Dachgeschoss und alarmiert die Feuerwehr.
  • 14 Uhr: Das Ehepaar Bartels aus Düsseldorf, das das Historische Museum besucht, wird von Angestellten gebeten, die Räume zu verlassen. Die Löschfahrzeuge treffen ein.
  • 14.30 Uhr: Von Langenselbold bis Offenbach ist die schwarze Rauchfahne über dem Schloss zu sehen.
  • 15.20 Uhr: Polizeihauptkommissar Ernst Staidl ruft die Bereitschaftspolizei der Stadt zum Rettungseinsatz. Kunstschätze aus dem obersten Stockerk werden zuerst heruntergebracht, der gesamte Dachstuhl steht bereits in Flammen.
  • 15.25 Uhr: Oberbürgermeister Helmut Kuhn teilt mit, dass sich der Putz an der Decke neben dem Roten Saal ablöst. Sämtliche Möbel sind vorläufig aus den Räumen geschoben worden. Fayencen und Bilder werden ununterbrochen aus dem brennenden Schloss getragen.
  • 15.30 Uhr: Landrat Hans Rüger äußert sich zuversichtlich: „Wir sind keine Anfänger, das Feuer ist schon erledigt.“ Der Turm ist leider nicht mehr zu retten. Krankenwagen stehen für den Notfall bereit, vorläufig gibt es noch keine ernsthaft Verletzten, Rotkreuzhelfer sind in ständiger Bereitschaft.
  • Ab 15.30 Uhr: Die amerikanische Feuerwehr sowie ein Einsatzkommando der amerikanischen Militärpolizei sind unter den Helfern zu finden.
  • 15.55 Uhr: Teile des Uhrturmes stürzen herunter. Trotz offensichtlicher Gefährdung durch die einbrechende Decke versuchen Polizisten weiter, jetzt hauptsächlich Möbel aus dem Schloss zu tragen. Feuerwehrchef Egon Zeiger von der Hanauer Feuerwehr vermutet Fahrlässigkeit in der Wohnung im dritten Stock des linken Flügels als Brandursache.
  • 16.10 Uhr: Ein Feuerwehrmann gibt an, die Bestände der Bibliothek sowie die archäologischen Kunstschätze sind vollständig aus den Räumen in den oberen Stockwerken heruntergeräumt worden. Er betont, dass die Schäden, die durch die ersten unsachgemäßen Löschversuche entstanden wären, beträchtlich sind.
  • Ab 16.35 Uhr sammeln sich die durchnässten Polizisten vor dem Schloss. Der Abtransport von Bildern und Möbeln ist noch voll im Gange.

Große Spendenbereitschaft

Nach dem Brand fand ein Rockkonzert statt, mit dem Gelder gesammelt wurden, bei groß angelegten Spendenaktionen, mitinitiiert vom damaligen HA-Chefredakteur Helmut Blome, engagierten sich die Bürger.

Große Spendenbereitschaft: In Anzeigen wurde die Bürgerschaft dazu aufgerufen, für die Wiederherstellung des Schlosses und die Restaurierung zerstörter Kunstschätze Geld zu spenden. Im HANAUER vom 9. August ging Redakteur Werner Kurz der Frage nach, welche Versäumnisse es nach einem Schlossbrand im Jahr 1982 gegeben hatte. Repro: HA

Repro: HA

In Anzeigen wurde die Bürgerschaft dazu aufgerufen, für die Wiederherstellung des Schlosses und die Restaurierung zerstörter Kunstschätze Geld zu spenden. Im HANAUER vom 9. August (Bild) ging Redakteur Werner Kurz der Frage nach, welche Versäumnisse es nach einem Schlossbrand im Jahr 1982 gegeben hatte.

Den Jahrestag nehmen wir zum Anlass für eine Rückschau. Im Mittelpunkt soll dabei die Frage stehen, wie die Feuerwehr heute für einen Brand dieser Größenordnung gewappnet wäre und welche technischen und organisatorischen Möglichkeiten heute die Alarmierung und das Löschen erleichtern würden.



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