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Brüder-Grimm-Festspiele: Darstellerpreis für Katja Straub

Hanau

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    Darstellerin Katja Straub. Foto: Reinhard Paul

Hanau. Für ihre Anmut, die schauspielerische Eleganz und die Art und Weise, wie sie sich die Schiller'sche Sprache zu eigen machte, wurde Montagabend im Roten Saal von Schloss Philippsruhe die Maria-Stuart-Darstellerin bei den Brüder-Grimm-Festspielen, Katja Straub, ausgezeichnet.

Artikel vom 16. Juli 2019 - 10:57

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Sie erhielt vom Verein zur Förderung von Kunst und Kultur den mit 1000 Euro dotierten Darstellerpreis.

 „La Vedette“, die Hauptdarstellerin – dieser 'Begriff fiel dem Intendanten der Brüder-Grimm-Festspiele, Frank-Lorenz Engel, zu Katja Straub ein. Nicht erst gestern Abend, als im vollen Roten Saal vor prunkvoller Kulisse eine „Königin“ geehrt wurde. Straub, die bei den Brüder-Grimm-Festspielen die Maria Stuart im gleichnamigen Drama Friedrich Schillers spielt, erhielt vom Verein zur Förderung von Kunst und Kultur (e. V.) den Darstellerpreis.

„La Vedette“, ein Prädikat, das im Zusammenhang mit Größen wie etwa Catherine Deneuve verwendet wird, kam dem Intendanten bereits in den Sinn, als die Schauspielerin die schüchterne Sophie 2015 in „Kabale und Liebe“ und auch die Müllerstochter Sophie im „Rumpelstilzchen verkörperte. Dieses Lob muss der 31-Jährigen ebenso traumhaft vorgekommen sein wie die Tatsache, dass sie überhaupt die Chance erhielt, auf der Bühne des Amphitheaters ihre Traumrolle zu spielen. Als sie sich mit entwaffnender Natürlichkeit für den Preis bedankte, bekannte sie, dass sie sich während ihrer Elternzeit – die Tochter ist noch kein Jahr alt – schlaflos im Bett gewälzt habe mit der Frage, wie sie die Rolle der Maria Stuart bekommen könnte. 

Dass ihr dies gelang, verdankt sie nach übereinstimmender Bewertung aller Laudatoren und zuvorderst den Mitgliedern der Jury des Fördervereins den Eigenschaften die Straub auszeichnen. Engel beschrieb diese mit den vier „W“: Wohlgestalt, Willenskraft, Wandelbarkeit und Wahrhaftigkeit.

Nicht nur Peter Jurenda als Vorsitzender des gastgebenden Fördervereins, sondern auch Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, betonten, wie sehr Straub mit ihrer Verkörperung der schottischen Königin im Schiller-Drama die Zuschauer gerührt, wie authentisch sie die Stärke und gleichzeitig die schwachen Momente der zum Tode Verurteilten verkörpert habe. 

Hochschwanger Wände hochklettern

Engel erinnerte daran, wie Straub erstmals nach Hanau kam und mit mädchenhafter Schüchternheit, „zappelig und naiv“ die Schicksalsgöttin oder Hexe im „Teufel mit den drei goldenen Haaren“ spielte. Dass Straub willensstark ist, lasen die Laudatoren, darunter auch der Vorjahrespreisträger Dieter Gring, nicht zuletzt an der Tatsache ab, dass Straub den Wunsch, Schauspielerin zu werden, zielstrebig (und mit dem Umweg über ein abgeschlossenes Psychologie-Studium) durchgesetzt hat.

Mit derselben Zielstrebigkeit beschloss sie dann auch, wegen der Rolle der Maria Stuart bei Intendant Engel anzuklopfen. Der war nicht nur davon angetan, wie gut vorbereitet die junge Frau zum Vorsprechen erschien. Er wusste schnell, „sie ist es“ – eine „Frau von Klasse, Eleganz und schauspielerischer Intelligenz“. Und auch eine Frau, die sich nicht scheute, hochschwanger auf der Bühne Wände hochzuklettern und sich auf dem Boden zu wälzen.

Beruf und Familie unter einem Hut

„Straub zieht die Sprache an sich, als wäre es ihre eigene“, fuhr Engel mit seiner Eloge fort. Sie schaffe es, den Spannungsbogen zwischen einer Frau, die ihr Herz verschenkt und der Widersacherin, die ihrer Cousine Elisabeth die Stirn bietet, überzeugend herzustellen. Dass Straub auch ein toller Mensch ist, der offen auf die Kollegen zugeht, „ein Sonnenschein auf und hinter der Bühne“ dokumentierten die vielen Schauspielkollegen, die zum Gratulieren und Mitfeiern in den Roten Saal gekommen waren. 

Auch Dieter Gring fand in seiner launigen Ansprache treffende Worte für Straubs Leistung, ihre Freundlichkeit und Lebendigkeit. Sie habe die Königin mit Würde, wunderbarer Präsenz und großem Respekt gespielt. Die Qualität eines Schauspielers zeige sich nämlich genau an dem Respekt, den ein Schauspieler, und habe er noch so viel Berufserfahrung, seiner Rolle entgegenbringe. Schließlich lobte Gring seine junge Kollegin auch dafür, dass sie die Aufgabe meistere, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Kindliche Neugier

Das gab Straub das passende Stichwort, die sich mit Begriffen wie „abgefahren, surreal, wahnsinnig große Ehre“ für den Preis bedankte. Sie sei dem Intendanten für seine Offenheit unendlich dankbar „und dafür, dass du mir dein Vertrauen gegeben hast“ . Als sie vergangenes Jahr kurz vor Probenbeginn erklärt habe, dass sie schwanger sei, habe Engel ein offenes Ohr gehabt. Und sie habe sich vom Team, dessen „Miteinander hier in Hanau etwas ganz Besonderes ist“ gut getragen gefühlt. Es war für Straub „der absolute Knaller“ als junge Mutter die Rolle der Maria Stuart spielen zu dürfen: „Auch in diesem Beruf muss es möglich sein, Kinder großzuziehen“, betonte sie.

Die kindliche Neugier und eine jugendliche Frische bewahrt hat sich auch Detlev Nyga, dem gestern Abend ebenfalls ein Preis zugedacht wurde: Peter Jurenda würdigte den Festspiel-“Veteranen“ als Urgestein. Er gehöre seit nunmehr 20 Jahren zum Ensemble und habe schon in vielen Rollen geglänzt: Mal bösartig, mal liebenswürdig, hinterlistig, schlau, komisch und fetzig.

Aufwertung der Festspiele

„Nyga ist ein von uns hochgeschätzter Schauspieler und ein Mensch, der immer und jederzeit ansprechbar ist“, lobte Jurenda den wandlungsfähigen Träger des Darstellerpreises von 2005. „Bleib' uns erhalten!“, wünschte sich der Fördervereinsvorsitzende.

Er und seine Jury-Mitglieder wurden wiederum von Dieter Gring und Beate Funck dafür gelobt, dass sie mit ihrem Preis für eine Bereicherung der Kulturlandschaft und eine Aufwertung der Festspiele sorgten. Die Vereinsmitglieder besuchen nicht nur jedes Stück mehrfach, um ein gerechtes Urteil zu fällen, sie bringen sich auch finanziell und tatkräftig, unter anderem bei der Gestaltung der Verleihungszeremonie, ein.



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