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Brüder-Grimm-Festspiele: Die Stadtmusikanten in Gebärdensprache

Hanau

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    Kathrin Enders und Yvonne Barilaro-Boracchia sind ausgebildete Dolmetscherinnen in Gebärdensprache und werden am Sonntag, 23. Juni, eine Vorstellung von „Die Bremer Stadtmusikanten“ begleiten. Foto: PM

Hanau. Die Idee, eine Vorstellung der Brüder-Grimm-Festspiele in Deutscher Gebärdensprache simultan übersetzen zu lassen, stieß 2017 auf große Resonanz. Seitdem gehört das Angebot für Gehörlose fest ins Programm und wurde in diesem Jahr mit Sponsorenunterstützung sogar noch erweitert.

Artikel vom 22. Juni 2019 - 11:15

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Die Brüder-Grimm-Stadt ist der einzige Festspielstandort in Deutschland, in der mindestens eine Aufführung mit Simultanübersetzung in Deutscher Gebärdensprache auf dem Programm steht und nachhaltig verankert wird.

Bei den Brüder-Grimm-Festspielen kommen dafür bereits zum dritten Mal zwei echte Profis zum Einsatz. Kathrin Enders und Yvonne Barilaro-Boracchia sind ausgebildete Dolmetscherinnen in Gebärdensprache und werden am morgigen Sonntag, 23. Juni, eine Vorstellung von „Die Bremer Stadtmusikanten“ begleiten – erstmals in diesem Rahmen auch eine Schulaufführung.

Seit 2017 sind Plätze für Gehörlose immer ausverkauft

An dieser nehmen gehörlose und hörgeschädigte Kinder und Lehrkräfte aus der Friedberger Johannes-Vatter-Schule teil. Für Intendant Frank-Lorenz Engel Selbstverständlichkeit und Glücksgriff zugleich: „Inklusion ist wichtig. Kultur steht mitten in der Gesellschaft. Um wirklich allen Menschen die Teilhabe daran zu ermöglichen, ist es notwendig, Angebote wie dieses zu machen. Ich bin dankbar, dass wir das in Hanau so praktizieren können und dass es Sponsoren gibt, die sich hier engagieren.“

Auslöser für das Engagement war übrigens „Die Menschenkette für Vielfalt“ im April 2016, in die sich auch Schauspieler der Festspiele einreihten: Hier ergab sich die Diskussion über genau diese Teilhabe von Gehörlosen an Kulturveranstaltungen. Auf Initiative und mit Unterstützung von Andrea Freund von der Abteilung Senioren, Ehrenamt und Vielfalt kam das Thema Märchen auch für Gehörlose ins Rollen. Die 50 Plätze für Gehörlose sind seit 2017 immer ausverkauft.

Nicht nur die reine Sprache soll dargeboten werden

Die Besonderheit für Enders und Barilaro-Boracchia besteht auch in diesem Jahr in der Kombination von gesprochenem Text und Liedern. Generell erfordert die Simultanübersetzung eines Theaterstückes mit vielen verschiedenen Akteuren schnelle Rollenwechsel und eine besonders ausdrucksstarke Mimik und Gestik, doch die Lieder sind noch eine weitere Herausforderung, weil Takt und Rhythmus zusätzliche Bestandteile sind. Es gilt also die Grammatik der Deutschen Gebärdensprache mit der der deutschen Lautsprache in Einklang zu bringen, den Rhythmus des Liedes halten und gleichzeitig das Kunststück hinbekommen, Schauspiel- und Gesangstempo richtig darzustellen. Also wirklich kein Pappenstiel, sondern eine Höchstleistung an Konzentration und Kondition, die die beiden Dolmetscherinnen am Bühnenrand erbringen. Um diese auf den Punkt zu bekommen, lernen sie frühzeitig den Text und bereiten sich intensiv vor.

Auch das Mitmach-Museum „GrimmsMärchenReich“ bietet einen inklusiven Zugang zu den Märchen. Zwei Klassiker, „Der gestiefelte Kater“ und „Dornröschen“, wurden von Enders und Barilaro-Boracchia in die Gebärdensprache übersetzt und filmisch aufbereitet. kb



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