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Wildpark Alte Fasanerie: Polarwolf Scott eingeschläfert

Hanau

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    Im Mai hat Scott seinen 15. Geburtstag gefeiert. Foto: PM

Hanau. Kürzlich hat Scott im Wildpark Alte Fasanarie noch seinen 15. Geburtstag gefeiert. Jetzt ist der Polarwolf tot. 

 

 

Artikel vom 11. Juni 2019 - 14:45

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Von Kerstin Biehl

Als Dr. Marion Ebel vergangenen Donnerstag mit zwei HA-Redakteurinnen durch den Wildpark läuft, ist ihr nicht anzumerken, dass nur wenige Stunden später ein treuer Weggefährte von ihr gehen muss. „Wir werden ihn heute Nachmittag von seinem Leid erlösen“, erzählt sie und bittet darum, zunächst nicht über Scotts Tod zu berichten.

Den Wölfen näher gefühlt als Menschen

Sie brauche erst einmal ein paar Tage, sagt die Wildparkbiologin, die den Polarwolf vor 15 Jahren gemeinsam mit seinen Geschwistern Ayla und Khan von Hand großgezogen hatte. Wie die Kinder, die sie nie hatte, seien die Wölfe für sie gewesen, hatte sie einmal im HA-Interview gesagt und dabei betont, dass sie sich Wölfen immer näher gefühlt habe als Menschen.

Am Donnerstag musste sie dem letzten ihrer Wolfskinder Lebewohl sagen. Dann ging eine offizielle Meldung von Hessen Forst, Betreiber des Wildparks Alte Fasanerie, an die Presse, mit der Information über Scotts Tod. „Der letzte der fantastischen Drei hat seine Reise in den Wolfshimmel angetreten“, heißt es in dem Schreiben.

Mit Wolfsrudel ging Lebenstraum in Erfüllung

Scott wurde am 9. Mai 2004 im Zoo in Stralsund geboren. Zehn Tage später kam er mit seinen zwei Geschwistern Ayla und Khan in den Wildpark nach Hanau. Für Ebel, die immer von einem eigenen Wolfsrudel geträumt hatte, ist damals ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Sie hat die drei Wölfe mit der Hand großgezogen und sie zur Besucherattraktion des Wildparks gemacht.

Die drei 80-Kilo-Pakete respektierten Ebel, als wäre sie eine von ihnen. Stets wurde die Wildparkbiologin stürmisch von ihnen begrüßt. Fast kein Tag verging, an dem Ebel nicht bei ihren Wölfen war – mindestens eine Stunde lang, um die Beziehung zu festigen. Dann wurde gekuschelt, geknuddelt und gestreichelt. Urlaub gab es für Ebel keinen. Ihr Leben, ihre Familie, das waren die Wölfe. 

Scott war legendärer Anführer

Das Wolfsheulen der drei im Wildpark wurde mit den Jahren zu einer der Attraktionen, weit über die Stadtgrenzen hinaus. Scott wurde der Chef seines kleinen Rudels und hat seine Aufgaben mit Ausdauer und Stärke, mit Präsenz und Dominanz erfüllt. In jungen Jahren sei seine Durchsetzungsfähigkeit legendär, sein Wille absolut fordernd gewesen, steht in der Pressemitteilung zu seinem Tod. Mit den Jahren und dem zunehmenden Alter sei er nachsichtiger, aber auch gebrechlicher geworden.

Am Ende waren seine Kräfte aufgebraucht. Er musste eingeschläfert werden. „Diese 15 Jahre gehen nicht spurlos an einem vorüber. Die Trauer wird mich noch einige Zeit begleiten“, sagte Ebel gestern am Telefon. Sie trauere: „Scott hat die Welt geliebt und mir in dunklen und hellen Zeiten seine Liebe, sein Vertrauen und seine Freundschaft geschenkt. Ich vermisse sein unverdorbenes Wesen und seine vorurteilsfreie Lebensart. Ruhe in Frieden mein wunderschöner Wolf! Ich werde dich immer vermissen.“



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