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"Tagebuch einer Abtreibungsärztin" - Lesung mit Kristina Hänel

Hanau

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    Kristina Hänel stellt ihr "Tagebuch einer Abtreibungsärztin" in Hanau vor. Symbolbild: Pixabay
  • Mitstreiterin: Mit Kristina Hänel (links) verbindet die ehemalige Leiterin der Pro Familia-Beratungsstelle, Brigitte Schlich-Heinze, eine jahrzehntelange Freundschaft. Fotos: Privat

Hanau. Der Kampf um weibliche Selbstbestimmung bei der Familienplanung und das Recht auf den Schwangerschaftsabbruch hat auch Hanau in den 70er und 80er Jahren in Atem gehalten. 

Artikel vom 24. Mai 2019 - 10:54

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Von Jutta Degen-Peters

Wenn jetzt die Gießener Ärztin Kristina Hänel in die Brüder-Grimm-Stadt kommt, dann schließt sich für viele der damaligen Aktivistinnen mit Hänels Vortrag „Das Politische ist persönlich“ in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe ein Kreis: Hänel, die seit 1981 als approbierte Allgemeinmedizinerin und Mitglied von Pro Familia ihre Praxis in Gießen betreibt, kämpfte Seite an Seite mit Hanauer Frauen gegen den die Abtreibung regelnden Paragrafen 218, in Bonn und auch in Hanau.

So ist es nur logisch, dass die einstige Leiterin der Hanauer Pro Familia-Beratungsstelle, Brigitte Schlich-Heinze, anregte, ihre alte Weggefährtin Kristina Hänel nach Hanau einzuladen. Dieselbe Idee hatte auch die Frauenärztin Annette Schulmerich vom Hanauer Kulturverein. Auch sie, wie Schlich-Heinze Mitglied im Förderverein der Profa und früher als Gynäkologin stundenweise in der Hanauer Pro Familia-Beratungsstelle tätig, wollte Hänel unbedingt nach Hanau holen.

Kampf gegen Abtreibungsgegner

Am selben Strang wie der Kulturverein und der Pro Familia-Förderverein ziehen mit der Veranstaltung auch der Verein „Frauen helfen Frauen“, deren Mitarbeiterin Andrea Laus ebenfalls zu den frühen Mitstreiterinnen in Sachen Frauenrechte gehört, und das Hanauer Frauenbüro, das sich seit seinem Bestehen für Frauen einsetzt.
Zu erzählen hat Kristina Hänel eine ganze Menge.

Unter anderem deshalb, weil sie sich als eine von wenigen Medizinerinnen gewehrt hat gegen eine Klage von Abtreibungsgegnern. Schlich-Heinze weiß aus ihrer aktiven Zeit als Beraterin der Hanauer Profa und als politisch engagierte Frau, dass viele Ärztinnen, die Abtreibungen vornahmen und angezeigt und verurteilt wurden oder über diese informierten, meist die Geldstrafen zahlten und darüber schwiegen – aus Sorge um ihren Ruf.

Bekannter Fall

„Bei Kristina Hänel war das anders“, sagt Schlich-Heinze. „Kristina ist schon immer eine Kämpferin gewesen.“ Schlich-Heinze erinnert daran, dass Hänel beim zweiten Hanauer Frauenforum im Nachbarschaftshaus Tümpelgarten als Referentin gegen den Paragrafen 218 gesprochen habe. „Als Triathletin hat sie Ausdauer“, so die pensionierte Profa-Leiterin weiter. „Aufgeben ist keine Option“ sei stets ihre Devise gewesen.

Monatelang sorgte vergangenes Jahr die „Causa Hänel“ für Schlagzeilen. Die Gießenerin war wegen „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft (§ 219a StGB)“ angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Dagegen legte sie Revision ein. Die Tatsache, dass sie auf ihrer Homepage Informationen über Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs eingestellt hatte, wurden als Werbung für Abtreibungen gewertet. Im Herbst 2018 bestätigte ein Berufungsverfahren das Urteil wegen „Werbens für den Schwangerschaftsabbruch“.

"offen und ungeschminkt"

Über ihren Kampf gegen den Paragrafen 219a, der das Werbeverbot für Abbrüche regelt, hat die 62-Jährige schließlich ein Buch geschrieben. Das schildert offen und ungeschminkt, was die Ladung zur Hauptverhandlung, der Prozess und die Tatsache, dass sie plötzlich zur Person öffentlichen Interesses wurde, für sie bedeuteten.

Wenn Hänel aus ihrem Buch mit dem Untertitel „Tagebuch einer Abtreibungsärztin“ Auszüge vorträgt, wird sie das zweifellos vor zahlreichen Frauen aus der Region Hanau tun, die Seite an Seite mit ihr früher gegen den Paragrafen 218 kämpften.

Diese erinnern sich so gut wie Hänel, dass sich als Konsequenz aus den erstrittenen Rechten Ende der 70er Jahre in Hanau die Pro Familia-Beratungsstelle (mit zunächst einer Mitarbeiterin) etablierte. Wenige Jahre später nahm die spätere Hanauer Profa-Leiterin Brigitte Schlich-Heinze, damals als ABM-Kraft, ihre Arbeit auf, die Zahl der Mitarbeiter(innen) erhöhte sich Zug um Zug. 

Heutzutage anerkannt

Zunächst war die Beratung im Falle einer (ungewollten) Schwangerschaft das Hauptanliegen der Einrichtung, die anfangs gegen starke Vorbehalte aus der konservativen Ecke zu kämpfen hatte. Auch der Verein „Frauen helfen Frauen“, der sich für Frauen mit Gewalterfahrungen einsetzte, kann davon ein Lied singen. In Kommunalparlamenten und im Kreistag waren erbitterte Wortgefechte ausgetragen worden. 

Heute sind das vom Verein „Frauen helfen Frauen“ auf den Weg gebrachte Frauenhaus wie auch die Pro Familia-Beratungsstelle über Parteigrenzen hinweg anerkannte Institutionen.

Die Lesung

Die Autorenlesung von Kristina Hänel „Das Politische ist persönlich“ findet am Mittwoch, 29. Mai, um 19 Uhr in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe statt. Der Eintritt kostet vier Euro.



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