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Katholische Familienberatungsstelle bietet Rat von Experten

Hanau

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    Beratung in geschütztem Raum: Günter Rothenberg und Sabine Kollmeier (links) von der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Hanau mit Petra Krahwinkel von der katholischen Familienbildungsstätte. Foto: Reinhard Paul

Hanau. Für Paare, die ein Kind bekommen, ist der Rollenwechsel von liebenden Partnern zu fürsorglichen Eltern eine spannende Sache. Mutter und Vater wollen alles richtig machen, dem Kind ein Höchstmaß an Wärme und Geborgenheit mit auf den Weg geben und es später mit allem fördern, was es vorwärtsbringt.

Artikel vom 23. Mai 2019 - 11:20

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Von Jutta Degen-Peters

Oft merken sie erst Monate oder Jahre nach der Geburt, dass sie sich über der Fürsorge fürs Kind als Paar verlieren. Immer häufiger suchen deshalb junge Eltern die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle an der Bangertstraße 1 auf.

„Wir merken deutlich, dass heute mehr junge Eltern frühzeitig zu uns kommen, lange, bevor sie sich mit dem Gedanken einer Trennung tragen“, erklärt der Leiter der katholischen Beratungsstelle, Günter Rothenberg, bei einem Hintergrundgespräch. Es werde, besonders für junge Eltern, immer schwieriger, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Der Stress im Job nehme zu, gleichzeitig aber wollten die Mütter und Väter unbedingt alles richtig machen, es dem Kind (oder den Kindern) an nichts mangeln lassen. Allzeit solle ein Elternteil als Ansprechpartner für das Kind verfügbar sein. Aber das ist nur möglich, wenn Sport und andere Freizeitaktivitäten – mit Ausnahme von Ferien und den Wochenenden – alleine betrieben werden, während sich der Partner um das Kind kümmert. „Auf diese Weise bekommt das Kind ganz viel Nähe und Zärtlichkeit“, resümiert Rothenberg.

Es schlafe im elterlichen Ehebett, die Eltern trauten sich nicht, es aus diesem Raum zu verbannen. Oder der Vater räume das Schlafzimmer, damit die (stillende) Mutter auch nachts fürs Kind da sein könne. „Viele finden aus dieser Anfangskonstellation nicht mehr zurück“, weiß Rothenberg. Da bleibe auch die Sexualität zwischen den Partnern häufig auf der Strecke.

Hilfreich, das eigene Verhalten zu hinterfragen

Wenn junge Eltern den Weg in die Beratungsstelle finden, ist dies oft das erste Mal nach anderthalb oder zwei Jahren, dass sie sich ihrer Beziehung widmen und miteinander übereinander sprechen. Diese Erkenntnis formulierten die Besucher häufig, weiß Rothenberg. Natürlich gebe es kein Patentrezept, was zu tun ist. Aber für das Paar sei schon hilfreich, das eigene Verhalten zu hinterfragen. „Wir sprechen hier nicht, wie in früheren Zeiten, von der Arbeitsverteilung im Haushalt“, sagt der Soziologe. Die Menschen hätten ihre Gefühle oder ihre Liebesbeziehung verloren.

Bei der Suche nach Lösungen wird zunächst nach Entlastung geschaut. Dort, wo ein Familiennetzwerk zur Verfügung steht und Großeltern, Onkel und Tanten sich ums Kind kümmern können, während die Eltern gemeinsam ausgehen, haben es Paare nach den Erfahrungen des Teams in der Beratungsstelle leichter. Es kann in der Beratungsstelle darüber nachdenken, wo sich anknüpfen lässt. Welches Fundament, welche gemeinsamen Interessen und Vorlieben teilte das Paar vor der Geburt des Kindes?

Das Erstgespräch

Bisweilen schauten sich die Berater die Familienkonstellationen an, indem die Partner ihre Beziehung zueinander und zum Kind mit dem Aufstellen von großen Polsterwürfeln dokumentieren. Beim Erstgespräch geht es jedoch darum, was das Paar braucht. Denn das sei oft nicht in der Lage, sein Problem konkret zu benennen.

Dass die Beratungsstelle die Beziehung nicht reparieren kann, weiß jeder, der sich an die Einrichtung wendet. Aber im geschützten Raum empfinden die Paare die Gespräche oft als hilfreich und nützlich, zumal sie dort auch über Sexualität sprechen können, wenn sie das wünschen.

„Je früher die Paare kommen, desto größer sind die Chancen auf eine Verbesserung der Beziehung“, erklärt Rothenberg. Viele Paare fühlten sich nach fünf bis zehn Gesprächen schon gestärkt. Die gewonnenen Erkenntnisse und die Fähigkeit, miteinander zu reden, sei dann oft auch eine gute Basis, wenn spätere Krisen auftauchten.

Zunahme positiv bewertet

Dass die Zahl der Ratsuchenden zugenommen hat, bewertet Rothenberg positiv. Er weist allerdings darauf hin, dass die personelle und finanzielle Ausstattung der kirchlichen Beratungsstelle seit Jahren gleichgeblieben sei. Auch die Unterstützung der Stadt liege unverändert bei 24 000 Euro, vom Main-Kinzig-Kreis komme kaum etwas.

Und dass die Stadt die Förderabsenkung, die im Zuge des Rettungsschirms erfolgt war, nicht zurückgenommen habe, enttäuscht Rothenberg schon. Nach wie vor stünden der Beratungsstelle 62 Fachbereichsstunden zur Verfügung. Doch den Hilfesuchenden wolle man keine zu langen Wartezeiten zumuten. Zudem würde die Einrichtung gerne präventiv arbeiten und mehr Gruppen anbieten. Derzeit beschränkt man sich auf die Gruppe „Wetterfest“ zur Stärkung der persönlichen Widerstandskraft und eine weitere für trauernde Eltern.

Die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Hanau, Bangertstraße 1, ist erreichbar unter Telefon 0 61 81/2 17 49.

›› ehe-familien-lebensberatung-bistum-fulda.de



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