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Initiator Roland Kaehlbrandt erklärt den großen Diktatwettbewerb

Hanau

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    Mit sportlichen Anreizen Begeisterung für Sprache wecken: Professor Roland Kaehlbrandt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main ist der Initiator des großen Diktatwettbewerbs. Foto: Sebastian Schramm (PM)

Region Hanau. Seit 2018 ist der HANAUER ANZEIGER Ausrichter des regionalen Wettbewerbs "MKK schreibt!". Nun hat der Initiator des großen Diktatwettbewerbs, Roland Kaehlbrandt, uns die Hintergründe dieser Veranstaltung erklärt.

Artikel vom 10. Mai 2019 - 11:37

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Von David Kirchgeßner

Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet Frankreich einmal ganz besonders um die deutsche Sprache verdient machen würde? Denn mit den „Dicos d'or“, den goldenen Diktaten, stand das Nachbarland Pate für den großen Diktatwettbewerb, bei dem sich Schüler, Eltern und Lehrer aus ganz Deutschland und der Region in Rechtschreibung messen.

Initiator des deutschen Wettbewerbs ist Professor Roland Kaehlbrandt (65), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main. Mitgebracht hat er die Idee dazu aus seiner Zeit als Lektor für deutsche Sprache an der Pariser Universität Sorbonne. In Deutschland hat alles mit dem ersten Diktatwettbewerb „Frankfurt schreibt!“ im Jahr 2011 begonnen.

 

„MKK schreibt“ ist ein Gemeinschaftsprojekt

Der Diktatwettbewerb wurde von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt entwickelt und im Schuljahr 2011/12 erstmals ausgetragen. Zum zweiten Mal findet in diesem Jahr der örtliche Vorentscheid „MKK schreibt“ statt. Ausgerichtet wird der Wettbewerb vom HA mit Unterstützung der Ursula-Berenbrok-Winterstein-Stiftung. Der Buchladen am Freiheitsplatz und der Dudenverlag stellen Preise für die besten Schreiber zur Verfügung.

 

"MKK schreibt!" als Vorentscheid

Seit 2018 ist auch der HANAUER ANZEIGER dabei und richtet am 16. Mai zum zweiten Mal, mit Unterstützung der Ursula-Berenbrok-Winterstein-Stiftung, den regionalen Wettbewerb „MKK schreibt!“ aus. Sieben weiterführende Schulen aus dem Main-Kinzig-Kreis nehmen in diesem Jahr mit ihren Teams aus Schülern, Lehrkräften und Eltern teil. Die besten Rechtschreiber dürfen anschließend beim überregionalen Finale am 27. Juni in Frankfurt antreten.

Es gab zwei Motive, die für die Entstehung des großen Diktatwettbewerbs maßgeblich waren: „Ein Auslöser und ein Vorbild“, erklärt Kaehlbrandt. Der Auslöser waren konkrete Hinweise, dass die Kenntnisse der Rechtschreibung in der Schülerschaft zurückgehen. Verantwortlich sei beispielsweise die veränderte Mediennutzung, bei der zudem immer weniger eigenständige und bewusste Verschriftlichung nötig ist, erklärt der Sprachexperte. Aber auch bei Erwachsenen sei durch die Rechtschreibreform Verwirrung entstanden. „Insgesamt herrscht weniger Aufmerksamkeit für Rechtschreibung – im Gegensatz zum Rechnen. Keiner würde akzeptieren, dass einer sagt fünf plus fünf ist neun.“

Freude an der Sprache soll geweckt werden

Mit dem Wettbewerb will die Polytechnische Stiftung Lust auf die Kulturtechnik des Schreibens machen und den Ehrgeiz wecken, richtig zu schreiben. „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern, wie dem Hanauer Anzeiger, so mehr Freude an Sprache wecken können“, so der Vorstandsvorsitzende. Frankreich ist dabei das Vorbild für den Umgang mit der Sprachkultur für Kaehlbrandt. „Ich bin in Frankreich zur Sprachliebe gekommen.“ Rhetorische Fähigkeiten und ein sicherer Umgang mit der Sprache seien dort beispielsweise bei der Besetzung öffentlicher Ämter immer noch besonders wichtig.

Im Frankreich der 80er Jahre, das er als Student und DAAD-Lektor erlebt hat, sei die französische Republik sehr stark auf der Sprache gegründet gewesen. „Sprache galt als einigendes Band für alle.“

 

Diese Jury prüft die besten Diktate

Barbara Bach – Schauspielerin, u. a. Brüder-Grimm-Festspiele
Thomas Bauer – Verleger des Hanauer Anzeiger
Oliver Beddies – Stiftung Polytechnische Gesellschaft
Monica Bielesch – Redakteurin Hanauer Anzeiger
Heiner Boehncke – Autor und Literaturwissenschaftler
Sabine Schaetzke – Schulleiterin Hohe Landesschule
Erland Schneck-Holze – Ex-Hola-Lehrer und Kulturpreisträger
Beate Schwartz-Simon – Leiterin des Kulturforums Hanau
Thorsten Stolz – Landrat des Main-Kinzig-Kreises

 

„Genialster Zug des Deutschen ist seine Kombinierbarkeit“

Allerdings sei das Französische eine Sprache, die von oben, aus dem Adel und der Obrigkeit geprägt wurde. Das Deutsche hingegen hat sich laut Kaehlbrandt als Volkssprache „von unten, gegen das Französische der Fürsten und das Latein der Kirche durchgesetzt“.

„Genialster Zug des Deutschen ist seine Kombinierbarkeit“, sagt Kaehlbrandt mit Begeisterung. Dadurch ergibt sich ein „gigantischer Wortschatz“. „Die deutsche Sprache ist durch die Groß- und Kleinschreibung eine Sprache für Leser“, erklärt der promovierte Linguist. Denn das erleichtere dem Leser die Zuordnung. Doch beim Schreiber erfordere das zunächst grammatikalische Kenntnisse. „Der Text muss für die richtige Schreibweise grammatisch erfasst werden.“ So kann zum Beispiel das Wort „gehen“ sowohl als Verb als auch als Substantiv auftreten – und wird dann groß- statt kleingeschrieben.

Sportliche und unterhaltsame Aspekte kommen zur Geltung

Aus der Tradition der bedeutenden Wegbereiter des Deutschen als Kultursprache, zu denen Kaehlbrandt auch die Brüder Grimm zählt, zieht er zudem eine Verantwortung für heutige Generationen. „Wir haben als deren Nachfahren die Verpflichtung, unsere reichhaltige Sprache zu pflegen, weiterzuentwickeln und offenzuhalten.“ Doch bei allem Anspruch soll es beim großen Diktatwettbewerb nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zugehen. Vielmehr sind Kaehlbrandt das „Ausschöpfen des riesigen deutschen Wortschatzes sowie der sportliche und unterhaltsame Aspekt“ wichtig.

Voraussetzungen für den Wortsport: „Man braucht eine gewisse Grundsportlichkeit und Liebe zu Sprache.“ Sprachsport kann man jedoch wie jeden Sport trainieren. Als Tipp empfiehlt er wie bei den Juristen einen „Blick ins Gesetz“. So sei es für den Diktatwettbewerb hilfreich, noch einmal die Regeln für Getrennt-, Groß- und Kleinschreibung anzuschauen. Außerdem könnte es sicher helfen, eine Liste der rechtschreiblich schwierigen Wörter zu studieren, wie sie der Duden oder einige Internetseiten führen. „Es sind jedoch einige willentliche Stolpersteine dabei, die sollte man mit einem Augenzwinkern nehmen“, sagt Kaehlbrandt. „Ansonsten gilt: Auf das eigene Sprachgefühl zählen.“

Weitere Informationen
Informationen und Übungen zum Diktatwettbewerb gibt es im Internet.
›› mkk-schreibt.de

 

Diktat überregionales Finale 2017 zum Üben

Im Taunus ist gut morden

Kommissarin Sander wandte sich vom Leichnam ab. Er musste schon tagelang mausetot daliegen. Der Anblick war der schlaksigen Spürnase zuwider. „Ich frage geradeheraus: Kennen Sie den Toten?“ Sie hakte zum x-ten Mal nach und würde nicht lockerlassen. Sie konnte das Löcher-in-den-Bauch-Fragen bis zum Gehtnichtmehr fortsetzen. „Nö“ war aber alles, was der bärbeißige Kraftmeier erwiderte. Er war derjenige, der die Leiche samstagmorgens auf der Terrasse entdeckt hatte. Die kryptischen Tätowierungen, der Fünftagebart und sein fahriges Gebaren verliehen ihm etwas Zwielichtiges. Alles in allem war er sehr verdachterregend. Sander war sich todsicher, dass er nicht alles preisgab. Währenddessen war Professor Kirchhoff damit zugange, alle DNA-Spuren sicherzustellen. Er war der Beste der Besten in der forensischen Anthropologie. Hauptkommissar von Bodenstein, ein weltgewandter Mittfünfziger in einem dreiviertellangen Trenchcoat, hatte sich wiederum darangesetzt, die piekfeine Beletage des Dahingeschiedenen zu inspizieren. Eine echte Kärrnerarbeit! Ein Juchhuruf ließ die zwei auf einmal herumfahren. „Wir haben etwas von Interesse!“ Infolgedessen hasteten beide hinein, ohne zurückzublicken. Sogleich war die äußerst gänsehauterregende Atmosphäre spürbar. Auf dem Sekretär lag ein blutbefleckter DIN-A4-Umschlag, der mit Fingerabdrücken übersät war. Kirchhoff griff verdrießlich mit der behandschuhten Rechten nach dem Beweisstück. „Fast enttäuschend, dass es dieserart Dilettanten gibt“, mokierte sich Bodenstein mit einem Anflug von Melancholie. „Damit ist der Täter in null Komma nichts dingfest gemacht.“


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