Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
Regen
7 ° C - Regen
» mehr Wetter

Warum wir unsere Umfrage zum Schlossplatz geschlossen haben

Hanau

  • img
    Das Interesse und die Beteiligung an einer Umfrage zur Zukunft des Hanauer Schlossplatzes auf unserer Website waren groß. Leider gab es unzulässige Mehrfachabstimmungen. Wir haben unsere Schlüsse daraus gezogen. Archivfoto/Grafik: Dauber/HA

Hanau. In eigener Sache: Warum wir unsere Umfrage zur geplanten Umgestaltung des Hanauer Schlossplatzes Schlossplatz geschlossen haben und wie wir in Zukunft vorgehen werden.

Artikel vom 11. April 2019 - 10:45

Anzeige

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Über mehr als einer Woche lief auf unserer Internetseite www.hanauer.de eine Umfrage zu einem Bauprojekt, über das die Stadtverordneten noch vor der Sommerpause entscheiden sollen. „Welcher der drei Investoren sollte den Zuschlag für die Umgestaltung des Hanauer Schlossplatzes erhalten?“ Diese Frage haben wir Ihnen, liebe Leser, gestellt, um Ihre Meinung abzuholen. Auch in der Zeitung haben wir immer wieder auf die Möglichkeit hingewiesen, uns E-Mails zum Thema zu schicken. Einige unter Ihnen haben davon Gebrauch gemacht – was uns sehr freut.

Wenn Sie heute auf unsere Internetseite schauen, werden Sie die Umfrage zur Bebauung des Schlossplatzes nicht mehr finden. Warum das so ist, wollen wir Ihnen heute erklären. Nachdem die Umfrage schon fast eine ganze Woche lief, haben wir uns entschieden, in der Montagausgabe unserer Zeitung – zur Berichterstattung über ein Treffen des Architektenvereins – einen Zwischenstand zu veröffentlichen.

Dieser Zwischenstand (die Daten wurden am Sonntagabend gezogen) sah die historisierende Bebauung des Investors KCI aus Frankfurt mit 81 Prozent vor dem modernen Neubau-Entwurf der Bietergemeinschaft Baugesellschaft/Terramag (12 Prozent) und dem Hotel-Entwurf des Investors 3W aus Wiesbaden (7 Prozent).

So noch nie erlebt

Was im Anschluss, von Montagmorgen bis Dienstagmorgen passierte, hatten wir bei Online-Umfragen des HA, die es bereits seit einigen Jahren gibt, so noch nie erlebt. Beim Routine-Blick auf die Umfrage am Dienstagmorgen lag die historisierende Bebauung bei 43,2 Prozent, der Entwurf von Baugesellschaft/Terramag bei 53,6 Prozent und der des Wiesbadener Investors bei 3,3 Prozent.

Wie kann das sein – quasi über Nacht? Diese Frage stellten wir unserem IT-Dienstleister. Die Antwort überraschte und erschütterte uns gleichermaßen: Es gab diverse Mehrfachvotings von identischen IP-Adressen, in der Spitze votierte jemand 85-mal für ein und denselben Entwurf, was das Umfrage-Tool so gar nicht vorsieht (man kann nur einmal abstimmen, was man in der Regel ja auch so tut) und was deswegen nur vorsätzlich und durch Manipulation geschehen kann. Mit einer gerechten Abstimmung, wie sie bis zu diesem Zeitpunkt stattfand und wie wir sie uns weiter gewünscht hätten, hatte das nichts mehr zu tun.

Wie also reagieren? Gemeinsam mit dem Dienstleister entschieden wir uns dafür, die Daten zu bereinigen – und nur noch eine Stimme zuzulassen. Wer also mehr als zehnmal abgestimmt hatte, wurde auf eins reduziert.

Für alle Technik-Interessierten unter Ihnen: Die IP-Adressen der Umfrage-Teilnehmer werden aus datenschutzrechtlichen Gründen natürlich nicht dauerhaft gespeichert und zudem anonymisiert erhoben, und das nur so lange, wie sie benötigt werden, um in einem bestimmten Zeitfenster ein Mehrfachvoting zu verhindern.

Wink mit dem Zaunpfahl

Doch der Wink mit dem Zaunpfahl half nichts, denn im Laufe des Dienstagnachmittags spielten sich ähnliche Szenen ab. Mehr als einmal ließen wir die Daten bereinigen. Parallel erreichten die Redaktion E-Mails, die wiederum uns Manipulation vorwarfen, weil die Zahlen – für alle, die schon abgestimmt hatten, offensichtlich – nach unten korrigiert wurden.

So schrieb uns ein Nutzer: „Ich beobachte diese Umfrage mit großem Interesse und musste heute erhebliche Manipulationen feststellen. So hatte die Baugesellschaft Hanau heute Morgen über 150 Stimmen und lag weit vorne. Von anderen Beobachtern wurden mir sogar über 200 Stimmen mitgeteilt: Um 15 Uhr waren nur noch 97 Stimmen davon übrig geblieben.“

„Sehr dubios“ schrieb einer, „wie kann das passieren?“. Eine andere Mail trieb es im Betreff auf die Spitze mit der Formulierung: „Abstimmung manipuliert?“ Obwohl die Sicherheit im Hintergrund verschärft wurde, ging das Spiel am Dienstagabend weiter – eine IP-Adresse votierte 130-mal für einen der drei Entwürfe.

Unsere Entscheidung und wie wir in Zukunft vorgehen

Nach einer Redaktionskonferenz am Mittwochmorgen haben wir uns entschieden, die Umfrage zu schließen. Dies haben wir um 13.14 Uhr getan. Das – bereinigte – Ergebnis: 468 Personen (65 Prozent) votierten für die historisierende Bebauung, 234 Personen (32,5 Prozent) für den modernen Entwurf von Baugesellschaft/Terramag und 18 Personen (2,5 Prozent) für das Designhotel des Wiesbadener Investors 3W.

Wir werden künftig für Umfragen ein anderes Tool nutzen, das Manipulation so gut wie unmöglich macht. Es tut uns leid, dass wir die Umfrage zur Zukunft des Hanauer Schlossplatzes nicht weiterlaufen lassen können. Die Beteiligung und das Interesse waren und sind groß – und wir hätten Ihnen, liebe Leser, die Möglichkeit abzustimmen gern weiter angeboten. Vor dem Hintergrund der Ereignisse bitten wir aber um Ihr Verständnis.

Lesen Sie den Kommentar zum Thema: "Keine Manipulation auf unsere Kosten"



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.