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Proben für Festspiel-Musical "Jacob und Wilhelm" haben begonnen

Hanau

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    Gute Laune herrscht bei den Schauspielern des Festspielstücks "Jacob und Wilhelm". Foto: PM

Hanau. Dass auf der Bühne im Amphitheater so mühelos und elegant gesprungen, geschwebt und getanzt wird, ist das Ergebnis harten Trainings.

Artikel vom 06. April 2019 - 12:29

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Wie anstrengend und schweißtreibend es für Bühnen-Profis sein kann, eine neue Choreographie zu lernen, sich unbekannte Melodien zu erarbeiten und Texte in mitreißendes Schauspiel umzusetzen, zeigt der Blick hinter die Kulissen bei den Proben des Ensembles, die für das Muscial „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“ gerade begonnen haben.

Intendant Frank-Lorenz Engel hat sich für das kleine Jubiläum der 35. Spielzeit entschieden, dem Publikum der Brüder-Grimm-Festspiele etwas ganz Besonderes zu bieten und im Musical die Märchensammler selbst zu Wort kommen zu lassen. Dabei steht weniger die exakte Wiedergabe ihres Lebensweges im Vordergrund als vielmehr ein magisches Verweben ihrer ganz unterschiedlichen Charaktere mit den bekannten Figuren der von ihnen aufgeschriebenen Geschichten.

Magisches Verweben der unterschiedlichen Grimm-Charaktere

Wilhelm, der Jüngere der beiden, will sich der Aufgabe widmen, die alten Volksmärchen vor dem Vergessen zu retten. Seine Argumente für dieses Projekt überzeugen aber weder das Kollegium der Marburger Universität, noch seinen Bruder Jacob. Doch die Märchenwelt findet eigene Wege, den Älteren doch von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen. Ganz unverhofft steht Jacob plötzlich den Figuren, die sonst die Erzählungen bevölkern, gegenüber.

Weit weg von der heimatlichen Schreibstube findet er sich in einem fantastischen Wald wieder, wo er Dornröschen, Rapunzel, Froschkönig, der Fischersfrau Ilsebil, Rotkäppchens Wolf und anderen seltsamen Wesen begegnet. Am Ende des magischen und spannungsreichen Abenteuers müssen die beiden Grimm-Brüder nicht nur die Welt der Märchen, sondern auch ihre eigene vor dem Untergang retten.

Proben im Dröse-Stadion

Bis es so weit ist, wird allerdings diskutiert und gestritten, debattiert und gesungen, getanzt und gerungen. Das Training und die Proben dafür laufen traditionell im Herbert-Dröse-Stadion, wo die große Halle am Rand des Geländes, wo während der Sommermonate die Ferienspielkinder ihr Quartier haben, insbesondere für die raumgreifenden Tanz- und Kampfszenen viel Platz bietet.

Beim Betreten des zum Tanzsaal umfunktionierten Raums fällt sofort die provisorische Spiegelwand ins Auge, die an der langen Breitseite aufgebaut ist. Damit haben alle Tänzerinnen und Tänzer ihre Bewegungen genau im Blick, während sie den Kommandos von Bart de Clercq folgen, der die komplizierten Bewegungsabläufe entwickelt hat.

Der gebürtige Belgier gehört seit 2013 zum Kreativteam der Brüder-Grimm-Festspiele. Für seine Choreographien der preisgekrönten Inszenierung „Vom Fischer und seiner Frau“ und des Musicals des vergangenen Jahres „Dornröschen“ war er für den Deutschen Musical Theater Preis nominiert. In diesem Jahr hat er die Choreographien für das Musical und für das Familienstück „Die Bremer Stadtmusikanten“ entwickelt.

Mit hartem Training zu magischen Momenten

Um seine Ideen von den Tanz- und Kampfszenen möglichst anschaulich zu verdeutlichen, steht im Hintergrund schon ein Miniaturmodell vom diesjährigen Bühnenbild. Der Entwurf, der wieder von Tobias Schunck stammt, wartet einmal mehr mit dem einen oder anderen Überraschungseffekt auf, der bei den Bewegungsabläufen berücksichtigt werden muss.

Unterdessen haben die übrigen Mitglieder des Musical-Ensembles die Räume der Gaststätte belegt. Dort findet ein Gesangstraining statt, das nicht weniger Konzentration erfordert. „Du bist einen Halbton zu tief“, korrigiert Marc Schubring, Komponist des Musicals, aus dem Hintergrund, woraufhin Pascal Kierdorf sein Klavierspiel zunächst unterbricht, um dann den Sängerinnen des Ensembles in einer schnellen Tonfolge die korrekte Melodie noch einmal vorzuspielen.

Heiterkeit und spontanes Solo

Als musikalischer Leiter des Musicals beweist er ebenso einen Hang zum Perfektionismus wie ausgeprägte Geduld und Humor. Als Peter Lewys-Preston als Wilhelm Grimm seinen Einsatz verpasst, weil er gerade mit Schubring noch ein Detail in der Notenschrift klärt, sorgt Kierdorf mit einem kleinen musikalischen Intermezzo aus der „West Side Story“ für Heiterkeit und ein spontanes Solo von Jonas Hein.

Die Regie hat für „Jacob und Wilhelm – Weltenwandler“ Jan Radermacher übernommen, der seit 2016 stellvertretender künstlerischer Leiter der Festspiele ist. In Hanau ist sein Name kein Unbekannter, denn er gehört seit seinem Debüt in 2014, als er mit seinem Buch zu dem Stück „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ den ersten Autorenwettbewerb für sich entscheiden konnte, regelmäßig zum Kreativteam der Festspiele. In diesem Jahr zeigt Radermacher mit der Inszenierung des Musicals eine neue Facette seines Könnens.

Bis die Premierenfanfare am Freitag, 10. Mai, im Amphitheater erklingt, liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor dem Ensemble und dem Kreativteam. Erste Ergebnisse gibt es am Samstag, 27. April, zu sehen und zu hören, wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler zur mittlerweile traditionellen Roadshow in die Hanauer Innenstadt kommen, um zwischen 12 und 15 Uhr auf dem Marktplatz und im Forum Hanau auf den bevorstehenden Start der neuen Spielzeit hinzuweisen. kb



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