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Kreisfreiheit: Podiumsdiskussion erlebt unerwartet hohen Zuspruch

Hanau

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    Vor großen Publikum moderierte Steffen Ball die Podiumsdiskussion mit Landrat Thorsten Stolz, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und dem Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert (von links) zum Thema Kreisfreiheit. Foto: Reinhard Paul

Hanau. Dass die Interessen des Main-Kinzig-Kreises und der Stadt Hanau beim Thema Kreisfreiheit auseinandergehen, daran änderte auch die Podiumsdiskussion während des Bürgerwochenendes zur „Zukunft Hanau“ im Congress Park nichts. Doch das Interesse war groß.

Artikel vom 01. April 2019 - 12:21

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Von Martina Faust

Man hat sich auseinandergelebt, könnte man sagen. Die Interessen Hanaus, das ab 2020 mit dann über 100 000 Einwohnern Großstadt sein dürfte, sind andere als die des Main-Kinzig-Kreises mit seiner eher ländlich geprägten Struktur im Osten des Landkreises. Daher möchte der eine in Zukunft sein eigenes Ding machen, der andere den gemeinsamen Weg fortsetzen. An diesem Bild änderte auch die Podiumsdiskussion zur angestrebten Kreisfreiheit Hanaus während des Bürgerwochenendes zur „Zukunft Hanau“ im Congress Park nichts.

„Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau: Zwei starke Partner im Rhein-Main-Gebiet“ war das Gespräch mit Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), Landrat Thorsten Stolz (SPD) und dem Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert (CDU) unter der Moderation von Steffen Ball überschrieben. Und auch wenn kaum mit neuen Aussagen oder Erkenntnissen zu rechnen war, war das Interesse an dieser Debatte immens, die daraufhin vom Landgraf- in den Paul-Hindemith-Saal verlegt werden musste.

„Überlegungen“

Obwohl weiterhin ein deutlicher Dissens besteht – Hanau sieht seine Vorteile in der Kreisfreiheit, der Main-Kinzig-Kreis im Verbleib der Stadt im Verbund der 29 Städte und Gemeinden – war die Gesprächsatmosphäre getragen von gegenseitigem Respekt, ja sogar Verständnis. Denn Stolz räumte ein, dass er in der Position von Hanaus Oberbürgermeister durchaus ähnliche Überlegungen anstellen würde, wobei seine Betonung auf dem Wort „Überlegungen“ lag.

Im Gegenzug zeigte auch Kaminsky Verständnis für die Argumentation von Stolz. „Allerdings würde ich als Landrat vor allem die Entwicklungschancen für den Osten des Landkreises durch eine Auskreisung Hanaus sehen“, so der Rathauschef.

Diese Chance sah der Landrat allerdings nicht. „Die Vorteile liegen in einem Miteinander, nicht in einem Auseinander. Auch Hanau hat vom Kreis profitiert“, so Stolz, der deutlich machte, dass er als Landrat darauf achten werde, dass den anderen 28 Kommunen im Kreis durch die Entscheidung Hanaus kein Nachteil entstehe.

Applaus aus dem Publikum

Einmal mehr warb Kaminsky mit mehr Bürgernähe und Transparenz durch eine Auskreisung, was ihm Applaus aus dem Publikum einbrachte. „Vor allem in der Sozialpolitik können wir unseren Bürgern bessere Angebote machen, wenn wir Aufgaben und Verwaltungseinheiten vor Ort bündeln. Und wir haben nun mal eine andere soziale Problemlage in Hanau als im Kreis“, unterstrich er.

Gleichzeitig machte der OB deutlich, dass die Entscheidung Hanaus nicht zulasten des Kreises gehen soll. „Unseren Verpflichtungen kommen wir weiterhin nach“, versicherte er. Mit seinem Bild von zwei starken Brüsten, mit denen man sich durch eine selbstständige Großstadt Hanau und einem prosperierenden Main-Kinzig-Kreis präsentieren könne, gehörten die Lacher im Saal ihm.

Tatsächlich hatte Kaminsky in der personellen Konstellation der Diskussionsrunde Oberwasser. Denn sein Bestreben wurde von Kasseckert unterstützt, der zwar mahnte, dass die geplante Auskreisung nicht zu einem starken und einem schwachen Partner führen dürfe, aber die Pläne Hanaus als „nur logisch“ deklarierte und einer dann kreisfreien Stadt ein anderes Gewicht innerhalb des Ballungsraums und innerhalb des Bundeslandes bescheinigte, dass es dann eben die von Kaminsky genannten „zwei starken Brüste“ gibt.



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