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Millionen-Investitionen und Stellen-Kahlschlag bei Goodyear

Hanau/Fulda

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    Über tausend Arbeitsplätze sollen in den Werken von Goodyear Dunlop in Hanau (Foto) und Fulda wegfallen. Foto: Reinhard Paul

Hanau. In den beiden Goodyear-Reifenwerken Hanau und Fulda stehen nach einer am Dienstag angekündigten „strategischen Neuausrichtung“ insgesamt 1100 Arbeitsplätze vor dem Aus. Besonders hart wird es Hanau treffen. Dort sollen in den nächsten drei Jahren über 600 Stellen wegfallen.

Artikel vom 19. März 2019 - 15:39

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Von Robert Göbel

Jürgen Titz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Goodyear Dunlop Tires Germany, sagte: „Jeder Stellenabbau ist mit einer extrem schwierigen Entscheidung verbunden – aber eine, die wir treffen müssen, um beide Werke zukunftsfähig zu machen.“

Der US-Konzern hat gleichzeitig angekündigt, 106 Millionen Euro in die Modernisierung beider Werke zu investieren. Für den Stammsitz Hanau seien Investitionen in Höhe von 73 Millionen Euro vorgesehen, teilte das Unternehmen auf Nachfrage mit.

Goodyear Dunlop geht davon aus, dass „die erforderlichen Änderungen am Layout der Werke, die Effizienzsteigerungen durch die neuen Maschinen und die Entscheidung, die Produktion von Reifen für die rückläufigen, weniger profitablen Segmente des Reifenmarktes zu kürzen, zu einem Wegfall von insgesamt etwa 1100 Arbeitsplätzen in beiden Werken führen wird.“

In Hanau stünden demnach in den nächsten drei Jahren 610 Arbeitsplätze zur Disposition, weitere 490 sollen es in Fulda sein. Diese Zahlen teilte das Unternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Einhergehen mit der Werks-Modernisierung soll ein Kapazitätsabbau „für kleine, weniger profitable Reifengrößen“ in beiden Werken.

"Extrem schwierige Entscheidung"

n der Pressemitteilung heißt es dazu: „Die Transformation wird die Werke in die Lage versetzen, sich auf eine automatisierte Produktion von Pkw-Reifen ab Zollgröße 17 zu konzentrieren, wodurch etwa 2,5 Millionen zusätzliche Kapazitätseinheiten für diese Premiumprodukte geschaffen werden. Insgesamt wird die Gesamtkapazität der beiden Werke um rund drei Millionen Einheiten sinken.“

In Hanau sind aktuell nach Angaben von Goodyear Dunlop 1400 Mitarbeiter tätig. Insgesamt beschäftigt der Reifenkonzern in Hanau und Fulda 2920 Mitarbeiter – einschließlich Leiharbeitnehmer und befristet Beschäftigter. Am Stammsitz in Hanau werden Reifen in den Größen 14 bis 22 Zoll hergestellt, also auch jene Größen, die künftig in geringerer Stückzahl produziert werden sollen.

Geschäftsführer Jürgen Titz, erklärte: „Jeder Stellenabbau ist mit einer extrem schwierigen Entscheidung verbunden. Wir sind entschlossen, die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter respektvoll zu behandeln und den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten.“ Sowohl die Modernisierung der Werke als auch der Stellenabbau würden mit den jeweiligen Betriebsräten der Standorte umfassend erörtert.

Das sagen der Oberbürgermeister und die Gewerkschaft

Anne Weinschenk von der zuständigen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sagte: „Ich bin schockiert über den Jobabbau. Modernisierung und Spezialisierung sind gut; aber nicht um den Preis so vieler Arbeitsplätze.“

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) erklärte: „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Zum einen ist eine Investition von 73 Millionen Euro in Hanau ein klares Bekenntnis zum Standort.“ Zum anderen bedauere er den Abbau sehr, verlasse sich aber auf die Ankündigung, dass er sozialverträglich gestaltet werde. Landrat Thorsten Stolz zeigte sich „schockiert“ von der Nachricht der Stellenstreichung. Für die Mitarbeiter sei das ein rabenschwarzer Tag, ebenso für den Standort Hanau.

[Hinweis: Wir haben den Artikel im Laufe des Tages mehrfach aktualisiert und erweitert]



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