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Als weibliche Clowns im Altenheim: "Die rote Nase macht mutig"

Hanau

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    Weibliche Clowns: Sie bringen die Senioren in der Martin-Luther-Anlage zum Lachen. Foto: Privat

Hanau. Kann man lernen, lustig zu sein? Nein, sicher nicht. Aber Clown sein kann man lernen – am besten noch in einem besonderen Umfeld.

Artikel vom 16. März 2019 - 15:43

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Sigrid Kaminski und Heidi Sommer stellten sich dieser Herausforderung: Sie absolvierten eine Langzeitfortbildung bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und dürfen sich nun ganz offiziell „Clownin im Altenheim“ nennen. Regelmäßig treten sie jetzt vor den Bewohnern in der Martin-Luther-Anlage auf.

In dem einjährigen Kurs der EKKW-Fachstelle für die zweite Lebenshälfte trafen sich die beiden Frauen und verstanden sich so gut, dass sie nun nach erfolgreich beendeter Fortbildung als Duo „Rosa und Toni“ auftreten. Das Handwerkszeug dazu haben sie: Gerontologische, pädagogische und theologische Grundlagen machten einen Teil des Kurses aus, hinzu kamen alle Aspekte des Clowntrainings. Improvisation, Entwicklung einer Spielroutine und einer eigenen Figur, Stimme und Sprache – vor allem aber die Kunst des „Auf-jemanden-Zugehens“. Denn das Besondere an „Rosa und Toni“ ist, dass sie sich als sogenannte weibliche „Begegnungsclowns“ bezeichnen.

Begegnung mit den Menschen steht im Vordergrund

Heidi Sommer erklärt den Begriff: „Bei uns steht die Begegnung mit den Menschen im Vordergrund. Mit den Bewohnern auf Augenhöhe zu kommunizieren, allerdings nur mit Gestik, Mimik und einer Art Fantasiesprache, das ist unser Ansatz.“ Dafür brauche es neben der Lust am Spielen vor allem Empathie, Neugier und Interesse an Menschen. Leise Töne seien dabei gefragt, nicht die schrillen Auftritte.

Jeder Besuch der beiden, so ergänzt Sigrid Kaminski, ist einem bestimmten Thema gewidmet, wie zum Beispiel Jahreszeiten, Herz und Liebe oder Wandern. Diese Themen bildeten eine Art roten Faden. „Hierzu bereiten wir kurze, clowneske Spielszenen mit Alltagsgegenständen vor. Es entsteht ein Wechselspiel zu zweit. Ergänzend dazu stimmen wir altbekannte Lieder an, die schöne Erinnerungen hervorrufen und berühren können“, erklärt Kaminski.

Improvisation ist wichtig in der Clown-Arbeit

Klar ist: Improvisation stellt eine wichtige Säule der Clown-Arbeit im Alltag dar. Heidi Sommer und ihre Partnerin improvisieren viel. Einfach deshalb, weil sie sich von jetzt auf gleich auf neue Situationen einstellen müssen. Dazu gehöre bei Besuchen in Bewohnerzimmern der erste Blick auf die Ausstattung: Wenn dort ein Kreuz oder eine Marienfigur stehe, deute das auf einen Bezug zum christlichen Glauben hin. „Das bedeutet, dass wir zum Beispiel ein Kirchenlied singen können“, sagt Sigrid Kaminski, der auch der spirituelle Gedanke in der Ausübung ihrer Clown-Tätigkeit wichtig ist.

Für ihre Auftritte mit Mitstreiterin Heidi reist sie extra jedes Mal aus Düsseldorf an – das sei aber kein Problem, denn vielmehr gehe es ja darum, eine Spielpartnerin gefunden zu haben, mit der die Basis stimme. Zu zweit seien die Clowninnen ein noch größerer Gewinn für die Menschen, könnten mehr auf sie eingehen, sich im Spiel ergänzen.

Lampenfieber gehört dazu

Gibt es Lampenfieber? „Ja klar“, geben beide freimütig zu. Warum auch nicht? Aber zum Selbstschutz gebe es ja auch immer noch die Rolle des Clowns oder besser noch: die rote Nase. Dieses Requisit nämlich hat es in sich: „Die rote Nase verändert einen“, sind sich „Rosa“ und „Toni“ einig. Man sei mutiger, forscher, traue sich mehr und näher ran an die Menschen. „Einem Clown nimmt keiner etwas übel und außerdem darf er ja auch scheitern“, so Heidi Sommer, „im Grunde lebt er vom Scheitern. Das mache ihn ja noch 'menschlicher' und liebenswerter.“

Auch das hätten sie in der Fortbildung gelernt – wie überhaupt viele interessante Dinge. Die drei Kursleiterinnen Annegret Zander, Gisela Matthiae und Gabi Erne hätten die insgesamt 13 Teilnehmer einfach begeistert für diese wunderbare Aufgabe. Und, wie ist es jetzt im richtigen Leben? Im „Clowns-Alltag“? So wie erwartet? „Nein“, kommt es aus vollem Herzen von beiden, „es ist noch viel toller!“ pm



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