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Lebenslang für Stückelmord: Steinauerin wegen Mordes verurteilt

Hanau

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    Die Frau aus Steinau ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Foto: Patrick Scheiber

Hanau/Steinau. Weil sie ihren Lebensgefährten heimtückisch ermordet hat, ist eine 35-Jährige aus Steinau am Donnerstag von der ersten großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. 

Artikel vom 31. Januar 2019 - 16:43

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Von David J. Kirchgeßner

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Frau den 47-jährigen Busfahrer am 5. Juni 2018 mit 31 Messerstichen getötet und anschließend mit einer Kettensäge in sechs Stücke zerteilt hat. 

Im Laufe des Prozesses waren in den Aussagen der Angeklagten zahlreiche Widersprüche und Unwahrheiten offenbar geworden. So glaubte das Gericht nicht an eine Tat in Notwehr, wie die Angeklagte das Geschehen in mehreren Vernehmungen und vor Gericht dargestellt hatte. 

Ihrer Schilderung zufolge hatte das Opfer sie nach der Einnahme eines pflanzlichen Mittels zur Potenzsteigerung zunächst mit einem Küchenmesser bedroht und sie anschließend gewürgt. Daraufhin habe sie den 47-Jährigen in Notwehr getötet und seinen Leichnam aus Angst vor Entdeckung und angesichts einer laufenden Bewährung später zerteilt. 

Heimtücke: Opfer arg- und wehrlos

Gegen diese Version sprechen nach Ansicht der Richter die Analyse der Blutspuren am Tatort sowie der Bericht einer Gerichtsmedizinerin. Diese hatte beschrieben, dass einige Stiche dem Opfer in wehrloser Lage zugefügt worden waren. Mindestens einer dieser 13 Stiche in den Hals- und Nackenbereich sei tödlich gewesen. Die Kammer geht also davon aus, dass die 35-Jährige ihren Lebensgefährten attackiert hat, als dieser schlafend im Bett lag, erklärte der Vorsitzende Richter Peter Graßmück in der mündlichen Urteilsbegründung.

Damit kam für das Gericht zu der von der Angeklagten eingeräumten Tötung das Mordmerkmal der Heimtücke hinzu, da das Opfer arg- und wehrlos gewesen sei. Dass die Tat geplant gewesen sei, habe außerdem die Auswertung des Internet-Suchverlaufs der Frau gezeigt. So hatte sie in den rund sechs Wochen vor der Tat immer wieder zur tödlichen Wirkung von Medikamenten, Lebensmitteln, Pflanzen und anderen Tötungsmethoden recherchiert.

Zwei Urlaube gebucht

Auch ihr rationales Verhalten in den darauffolgenden Tagen bis zu ihrer Festnahme spreche gegen sie. Wenige Stunden nach der Tat hatte sie ihren Lebensgefährten bei dessen Arbeitsstelle krankgemeldet. Auf Nachfragen hatte sie per Sprachnachricht angegeben, er sei von zwei Männern mitgenommen worden. Außerdem buchte die 35-Jährige noch kurz vor und nach dem Mord zwei Urlaube.

Am Tag nach der Gewalttat machte sie sich auf den Weg in ihre alte Heimat Dortmund, von wo aus sie sechs Tage später die Polizei und ihren Verteidiger über die Tat informierte. Auch den Arbeitskollegen des Opfers hatte sie per Sprachnachricht mitgeteilt, dass ihr Kollege tot sei. 

Verteidiger will Revision einlegen

In der gemeinsamen Wohnung des Paares fanden die Ermittler schließlich die in Müllsäcke verpackten sterblichen Überreste des Opfers. Eine verminderte Schuldfähigkeit schloss das Gericht trotz einer dissozialen und instabilen Persönlichkeitsstörung der Frau aus. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn hatte einen Freispruch gefordert und will Revision einlegen.



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