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"Es gibt keinen Grund, zu weinen" - Tofino live in Hanau

Hanau

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    Tofino wollte wieder eigene Songs machen, die tief in die Seele gehen. Mit N:AKT ist er diesen Schritt gegangen und präsentiert ein sehr persönliches Lied. Foto: PM

Hanau. Musikalisch ging es im Hause Schmidt schon immer zu. Der Vater war von der ersten Stunde an als Gründungsmitglied und Musiker im Blasorchester Wachenbuchen aktiv, die Großeltern waren im Gesangsverein. 

Artikel vom 29. Januar 2019 - 08:30

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Kein Wunder also, dass Heiko Schmidt, besser bekannt unter dem Namen Tofino, eine Karriere als Musiker einschlug. Und das seit über 25 Jahren sehr erfolgreich. Nun hat der Frontman der Band Helium6 unter dem Namen N:AKT ein neues Projekt gestartet und die erste Single „Geist“ veröffentlicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er, was seine Vergangenheit mit dem aktuellen Projekt zu tun hat.

Ihre musikalische Laufbahn begann im Blasorchester. Das war gegen Mitte der 80er nicht gerade die angesagteste Musik. Wie haben die anderen Kinder darauf reagiert?

Im Blasorchester entdeckte ich meine Affinität zur Musik und merkte, dass die Musik auch mein Leben füllen soll. Ob speziell ein Blasorchester als junger Teenager das Richtige ist, weiß ich nicht. Ich habe mich damit schon eher ins Abseits gestellt bei Gleichaltrigen. Dabei bin ich der Meinung, dass jede Art von Musik schöne Facetten hat und die Stilistik eher irrelevant ist. Zuerst hörte und spielte ich nur Blasmusik.

Durch meinen Onkel stieß ich dann auf die Beatles und spielte mit meiner Gitarre Oldies nach. Ich habe auch in den 90ern immer alte Sachen gehört, wie Glenn Miller oder ähnliches, während alle anderen „Sie ist weg“ von den Fanta 4 nachrappten. Ich fand alles, was bei meinen Klassenkameraden angesagt war, uninteressant. Ich hatte keine Reebok-Schuhe und keine 501. Es war eine schwierige Zeit für mich, ich war schon ein Außenseiter.

Was man sich heute kaum vorstellen kann, angesichts Ihrer Bekanntheit und Erfolges in der Region. Wann hat sich alles zum Besseren gewendet?

Im Alter von 15 Jahren tauchte ich in die Jazz- und Blues-Branche ein. Und dem labilen Jungen, der ich damals war, wurde klar, dass einem die Frauenwelt mit der Musik zu Füßen liegt. Ich hatte plötzlich eine 22-jährige Freundin und erkannte, dass Musik zum einen Geld bringt, aber auch eine Bekanntheit, die ich vorher nicht kannte. Meine Klassenkameraden beneideten mich und hassten mich spürbar. Auf der Abschlussfahrt habe ich dann ein Akkordeon in die Hand genommen und angefangen zu spielen. Was soll ich sagen, am Ende haben alle auf den Tischen getanzt. Wichtiger als der Neid war mir aber dennoch, mit Musik die Menschen zu erreichen.

Der Musik sind Sie treu geblieben. Doch 2003 haben Sie Ihr Leben neu sortiert, im kanadischen Tofino. Was war dort so prägend, dass Sie den Namen als Musiker übernommen haben?

Ich machte nach der Volljährigkeit meine Schritte in der Musik und heiratete früh. Damals sind viele Dinge mit mir gemacht worden. Ich wurde genötigt, Lieder zu singen und Dinge zu machen, bei ‧denen ich mich nicht ganz
so wohl fühlte. Mit meiner Scheidung kam es dann zu einem kompletten Umbruch. Ich ging nach Tofino, begann selbst Texte zu schreiben über Hass, Selbsttrauer, Selbst‧zweifel und darüber, sich selbst in Frage zu stellen und selbst nach Fehlern zu suchen.

Die Landschaft in Tofino ist atemberaubend. Ich hörte in mich hinein und lernte, gewisse Dinge nicht mehr so ganz ernstzunehmen. Als ich zurückkam, lernte ich neue Leute kennen, die Eiskalt-Ära begann, in der ich musikalisch meine Erlebnisse verarbeitete. Ich schlug sogar mit der Band einen großen Plattenvertrag aus, denn ich wollte nur Musik machen.

Mit solchen Verträgen gibst du dein eigenes Leben, deine Individualität aus der Hand. Parallel entwickelte sich die Cover-Band Helium6. Ich hatte auf einmal eine Bühne in Hanau im Culture Club oder beim Lamboyfest auf der Cubaña-Bühne. Die Läden waren voll und es entwickelte sich ein Hype um mich und Helium6. Um meine Privatsphäre zu schüt zen, gab ich mir den Künstlernamen Tofino. Helium6 rockt noch immer, aber meine eigenen Songs, meine eigene Musik hatten nicht so viel Zuspruch. Ich wollte eigene, neue Songs, die feinfühliger sind und tief in die Seele gehen. Ich war plötzlich 40 Jahre alt und fragte mich, was jetzt noch passiert.

Und passiert ist etwas. Anfang Januar startete das Projekt N:AKT und Sie haben die erste Single „Geist“ veröffentlicht. Wer ist der Geist im Musikvideo?

Da wären wir wieder bei meiner Erzählung von der Klassenfahrt. Denn dort gab es schon meinen Geist, genauer gesagt meinen Ghostwriter und Mitproduzenten bei N:AKT. Ich traf die Person aus der achten Klasse wieder und er erzählte mir, wie alle mich gehasst haben damals, er inbegriffen. Es macht selbst nebenher auch Musik. Und aus dem Treffen entwickelte sich nicht nur eine musikalische Partnerschaft, sondern auch eine intensive Freundschaft. Aber er ist kein Öffentlichkeitsmensch, er möchte unerkannt bleiben, weshalb ich ihn als Ghostwriter bezeichne.

In dem Lied geht es um den Tod. Können Sie ein wenig mehr zu dem Text erzählen?
Es gibt immer einen Moment im Leben, in dem man direkt mit dem Tod konfrontiert wird. Heutzutage kann man auf eigentlich alles Einfluss nehmen, nur nicht auf die Liebe und auf den Tod. Der Tod ist in meinem Leben präsenter geworden und ich habe mir mit meinem Ghostwriter im Studio dazu Gedanken gemacht. In dem Song herrscht anfangs das Gefühl von Dunkelheit, Kälte und Angst.

Doch dann kommt der Geist. Kein Geist wie ein Hui Buh. Man schläft, wird geweckt und plötzlich ist da so ein Gefühl, dass etwas da ist. Die Lichter gehen aus, man wird abgeholt, es gibt aber keinen Grund zu weinen, denn es geht weiter, wie auch immer das aussehen mag. Der Tod ist nicht schlimm, er kann nicht schlimm sein. Und in dem Lied geht es auch darum, dass wir das Leben feiern müssen.

Der Song ist also ein sehr persönliches Lied?

Ja. Er handelt von etwas, was sowohl mich als auch meinen Ghostwriter sehr bewegt. Auch in mir drin sind Ängste, die durch den Song zum Ausdruck kommen.

Worin besteht bei Ihnen der Sinn des Lebens?

Der Sinn des Lebens ist für mich der Tod, weil wir durch ihn alles nur für einen Moment geschenkt bekommen. Ein ewiges Leben macht keinen Sinn. Denn wenn wir alles unzählige Male erleben, ist nichts mehr besonders daran. 

Werden alle kommenden Songs von N:AKT eher tiefgründig und nachdenklich sein?

N:AKT hat keinen speziellen Stil, der wird sich mit der Zeit entwickeln. Als nächstes gibt es den Song „Hilflos und N:AKT“ und im Anschluss wird der Sommer-Song „Meerjungfrau“ kommen, der ein leichter Song ist. Es geht darum, mal durchzudrehen, zu entspannen und was Besonderes zu machen.

Das hört sich nach einem neuen Album an?

Weitere Songs sind auf jeden Fall in Planung, auch mit Features mit anderen Musikern aus der Region. Vor allem der Nachwuchs ist willkommen. Wir sind für alles offen, auch für Rap. Wir wollen uns mit N:AKT präsentieren, ohne finanzielle Gedanken oder Berühmtheitsdinge. Wir wollen ehrlich Menschen erreichen, die unsere Songs inhalieren. Das alles ist Neuland für mich, die enge Partnerschaft mit meinem Geist, der sich irgendwann offenbaren wird, und das Projekt selbst. Ein Album wird kommen, wann auch immer.

Das Interview führte Patricia Reich.


Tofino wird im Rahmen des Aktionstages „Invierno Dominicano“ am Sonntag, 3. Februar, auf der Bühne an der Hanauer Eisbahn zu hören sein. Nähere Informationen zum Aktionstag sind im unteren Text zu finden. Wer sich das neue Lied anhören und mehr über Tofino erfahren möchte, wird auf folgenden Internetseiten fündig:

sound-of-tofino.de

facebook.com/SoundOfTofino



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