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Historisches Kirchturmuhrwerk nach Restaurierung in neuem Glanz

Hanau

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    Im Eingangsbereich des Stadtladens im Rathaus am Neustädter Marktplatz kann seit Jahrzehnten das einstige Uhrwerk der Wallonisch-Niederländischen Kirche besichtigt werden. Diplom-Restaurator John-Ernst Ludwig hat das schmiedeeiserne Meisterwerk fachmännisch gesäubert. Foto: PM

Hanau. Im Eingangsbereich des Stadtladens im Rathaus am Neustädter Marktplatz kann seit Jahrzehnten das einstige Uhrwerk der Wallonisch-Niederländischen Kirche besichtigt werden. Der Zahn der Zeit ging an dem eisernen Koloss aus dem Mittelalter nicht spurlos vorüber.

Artikel vom 03. Januar 2019 - 10:14

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Diplom-Restaurator John-Ernst Ludwig säuberte das schmiedeeiserne Meisterwerk nun fachmännisch. „Das Uhrwerk wurde am 11. November 1611 vom Turm des ehemaligen Steinheimer Tores der Hanauer Neustadtbefestigung geholt und im ehemaligen gemeinsamen Turm der Wallonisch-Niederländischen Doppelkirche aufgestellt“, weiß Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hanau zu berichten.

Ursprünglich war es mit der damals üblichen Waaghemmung gebaut worden und 1742 auf die zeitgemäße Pendelregulierung umgestellt worden. Uhrmacher war damals Heinrich Joost, Hof-, Stadtuhr- und Großuhrmacher. 1809 wurde es renoviert.

Zu groß und zu schwer für Auslagerung im Krieg

1899 hatte das Uhrwerk ausgedient, denn es konnte nicht mehr ohne besondere Regulierung den Anforderungen der Neuzeit folgen und die mittlere Zeit auf die Sekunde bestimmen. So wurde es dem Hanauer Geschichtsverein für sein Museum im Altstädter Rathaus (heute Deutsches Goldschmiedehaus) überwiesen. Schlossermeister Adam Wörner hat es dort vermutlich am 1. Mai 1905 zusammengebaut. Darüber gibt eine eingeschlagene Marke Aufschluss.

Weil es so groß und auch so schwer war, hatte das Uhrwerk während der Luftangriffe und der Zerstörung Hanaus zu Ende des Zweiten Weltkrieges nicht ausgelagert werden können.

Der damalige Museumsleiter Hugo Birkner, der während des Krieges zahlreiche Exponate und wertvolle Archivalien vor den zunehmenden Luftangriffen in Sicherheit gebracht hatte, konnte das Uhrwerk in Nachkriegsjahren aus den Trümmern bergen. Die Einzelteile waren dann bis Anfang der 80er Jahre in einem Kellerraum des ehemaligen Gefängnisses im Fronhof gelagert. Von dort wurden sie in das Depot des Historischen Museums im Schloss Philippsruhe gebracht.

Abwechslungsreiche und reiche Geschichte

1990 restaurierte Gerhard Conrads, Uhrmachermeister aus Aachen, das Prachtstück. Dank der großzügigen Unterstützung der Frankfurter Sparkasse 1822 wurde das Uhrwerk 1999 erneut überholt und schließlich im Hanauer Stadtladen aufgestellt. Eine Informationstafel im Eingangsbereich informiert seitdem über die Geschichte des Meisterwerks.

OB Kaminsky dankte Restaurator John-Ernst Ludwig als Fachmann für historisches Kulturgut. Durch seine Arbeit erstrahle das historische Uhrwerk wieder in neuem Glanz und informiere viele tausende Besucher des Rathauses über die abwechslungsreiche und reiche Geschichte Hanaus. ju



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