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"Welle"-Mitarbeiter berichten über kritische Mission in Syrien

Hanau

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    Das pädagogische Team mit den 'Welle'-Mitarbeitern Thomas Lutz und Heike Karau (Zweite von links). Sie berichteten in Hanau von ihrem Besuch in Kobanê. Foto: Habermann

Hanau. „Die Bedrohungslage ist auch heute noch enorm, aber ebenso groß ist der Aufbauwille der kurdischen Bevölkerung im Nordosten Syriens, in Rojava“, sagen Heike Karau und Thomas Lutz vom Team der „Welle gGmbH“ in Hanau.

Artikel vom 14. Dezember 2018 - 14:23

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Von Rainer Habermann

Sie müssen es wissen, erst Ende November kamen sie zurück von einer pädagogischen Hilfsmission in Kobanê, der zu 80 Prozent in Trümmern liegenden Hauptstadt des Distrikts Ain al-Arab im Gouvernement Aleppo.

Pädagogische Unterstützung in der Traumabewältigung: Die leisten dort, wo kaum ein Stein mehr auf dem anderen steht, hauptsächlich Frauen. Neben der Schuttbeseitigung und dem Wiederaufbau. Es sind kurdische Frauen, zusammengeschlossen in der „Stiftung der Freien Frau in Rojava“. Rojava, so heißt die Region, die unmittelbar an die Türkei grenzt und Kurdenland ist, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Erst gestern verdichteten sich Meldungen, wonach eine erneute Offensive des türkischen Militärs auf das Gebiet an der Grenze unmittelbar bevorstehe, so Lutz. Die Region ist ein Pulverfass, die Lunte brennt. 

Das Trauma dauert an

Offiziell gehört das Gebiet zur „Demokratischen Föderation Nordsyrien“, gilt als von der Terrororganisation IS befreit. Aber der Konflikt der Türkei mit den Kurden ist längst nicht gelöst, die syrische Armee des Diktators Assad spielt ebenfalls eine bedrohliche Rolle. Und so ist die Leistung der Frauenorganisationen dort umso höher einzuschätzen. Ihr Risiko auch.

In diesen geopolitischen Rahmen fiel die bisher dritte Reise des „Welle“-Teams Karau und Lutz, zusammen mit ihrer kurdischen Dolmetscherin Newroz Duman. Gestern hatte die gemeinnützige Gesellschaft „Welle“ zu einem Pressegespräch ins Hanauer Büro am Ulanenplatz eingeladen, Lutz und Karau berichteten über ihre Erfahrungen.

„Die Stiftung ist eine äußerst engagierte Einrichtung von Kurdinnen, aber auch Jesidinnen; Aramäerinnen und anderen Ethnien. Wir arbeiten mit ihr zusammen, unterstützen sie, wo wir können“, sagt Karau. „Mitte Oktober wurde ein Waisenhaus in Kobanê fertiggestellt, ein Neubau für bis zu 70 Kinder. Ein zweiter Gebäudeteil ist auch fast fertig gestellt, eine Schule und Ausbildungsstätte für rund 600 Kinder und Jugendliche. Wir haben das Projekt auch finanziell unterstützt, zusammen mit dem Verein 'Städtefreundschaft Frankfurt/ Kobanê'. Was wir bewirken, ist aber mehr 'Hilfe zur Selbsthilfe'“, erklärt die Pädagogin die Hintergründe des Engagements. 

Weitere Reise nach Rojava für April 2019 geplant

„Wir haben jetzt Kurse organisiert, für drei Gruppen mit jeweils 15 Pädagoginnen und Erzieherinnen“, spinnt Lutz den Faden weiter. „Es handelt sich um Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte, die mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen arbeiten und leben. Nicht umsonst trägt das Waisenhausprojekt den Namen 'Alan's Rainbow', nach dem im Jahr 2012 an einem griechischen Strand angeschwemmten, ertrunkenen Flüchtlingskind, dessen Bild um die Welt ging. Zurzeit sind ungefähr 20 Kinder im Alter von 14 bis 17 Jahren im Gebäude untergebracht. Und die Frauen, die wir fortbilden, sind selbst natürlich ebenfalls traumatisiert. Wir müssen uns auf diese Erfahrungen einstellen, das ist auch eine ganz neue Körperlichkeit, die die Frauen erleben.“

Eine weitere Reise des „Welle“-Teams ins Krisen- und Kriegsgebiet Rojava ist für April 2019 geplant, wieder für fünf Tage. Die „Welle“ gGmbH, eine als gemeinnützig anerkannte Gesellschaft mit beschränkter Haftung, würde gerne auch Spenden mitnehmen, um die Stiftung der Freien Frau in Rojava weiter zu unterstützen. „Wir können, zusammen mit dem Verein Städtefreundschaft Frankfurt/Kobanê, absolut sicher stellen, dass jeder Cent auch ankommt“, versichern Lutz und Karau. 

Das Spendenkonto des Vereins bei der Frankfurter Volksbank: IBAN DE66 5019 0000 6200 9082 42, BIC FFVBDEFF. Spendenbescheinigungen stellt der Verein aus.



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