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Klinikum Hanau führt im Januar Schlaganfall-Lotsen ein

Hanau

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    Florentina Porcellacchia (links) und Mareike Dous werden noch bis Weihnachten als Schlaganfall-Lotsinnen geschult. Foto: PM

Hanau. Eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland ist der Schlaganfall, rund 270 000 Menschen sind jährlich davon betroffen. Um nach der Behandlung wieder zurück ins Leben zu finden werden ihnen deshalb ab dem kommenden Januar Schlaganfall-Lotsinnen zur Seite gestellt.

Artikel vom 30. November 2018 - 15:51

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Von Elfi Hofmann

Zwölf Monate nach der Entlassung aus der Akutbehandlung werden die beiden Lotsinnen Mareike Dous und Florentina Porcellacchia die Patienten begleiten und mit ihnen vor allem Ziele vereinbaren, um einen erneuten Schlaganfall zu vermeiden, denn bis zu 20 Prozent erleiden mindestens einen weiteren Hirnschlag. Noch während der Akutbehandlung im Krankenhaus besuchen sie die Patienten und stellen sich und ihre Arbeit vor. „Ob sie dann darauf eingehen und mitmachen, ist ihre eigene Entscheidung, kein Patient wird gezwungen“, erklärt Dr. Sven Thonke, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum.

Das Projekt HANNS (Hanauer ambulante Nachsorge nach Schlaganfall), aus dem die beiden Lotsinnen hervorgehen, wurde vom Klinikum in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ins Leben gerufen. Initiatorin ist Cornelia Gasche (SPD), die Patenschaft hat Ex-Nationaltorhüter Uli Stein übernommen. Als Vorbild dient das Modellprojekt Stroke OWL – Schlaganfall-Lotsen für Ostwestfalen-Lippe. Dort arbeiten bereits seit Oktober 2017 mehrere Lotsen. „Es gibt Studien, die belegen, dass das Risiko, nochmals einen Schlaganfall zu bekommen, sinkt, wenn die Betroffenen begleitet werden“, so Thonke. 

Eine ausführliche Schulung für die Lotsen

Im Hanauer Klinikum werden jedes Jahr rund 1000 Schlaganfall-Patienten behandelt, zehn Prozent von ihnen sollen in das Projekt eingeschlossen werden. Welche Betroffenen das sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen wird das individuelle Risiko des Einzelnen berücksichtigt. Dazu zählen neben dem Faktor Rauchen auch Apsekte wie Übergewicht oder Bluthochdruck. Außerdem sollte laut Thonke eine neurologische Symptomatik bei der Entlassung vorhanden sein. 

Um Schlaganfall-Lotsen zu werden, durchlaufen Mareike Dous und Florentina Porcellacchia noch bis Weihnachten eine ausführliche Schulung, bei der sie lernen neben Kommunikationsstrategien auch etwas über das Sozialrecht lernen. Auch Krankheitslehre wird den beiden vermittelt. Zumindest für Dous nichts Neues, schließlich ist sie als ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin nicht neu in diesem Bereich. Außerdem hat sie bereits fünf Jahre auf der Stroke-Unit – einer Spezialstation für Schlaganfallpatienten – im Klinikum gearbeitet. Und auch Porcellacchia hat schon umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Die Sprachtherapeutin war bereits auf der Neurologischen Reha- und einer Stroke-Unit-Station tätig und arbeitete anderthalb Jahre in England als Kinderschlaganfall-Lotsin.

Mehr als nur die Betreuung im Klinikum

In Gütersloh, wo die Deutsche Schlaganfall-Hilfe ihren Sitz hat, sowie in Fürth und Dresden nehmen sie nicht nur an Schulungen teil, sondern hospitieren auch bei bereits aktiven Lotsen. Ab 1. Januar geht es dann für die beiden in Hanau los. Wenn sich die Patienten auf die Idee hinter dem Projekt einlassen, bestehe auch eine gewisse Pflicht zur Kooperation, so Thonke.

Zu der Arbeit von Porcellacchia und Dous gehören im Anschluss an die intensive Betreuung im Klinikum, Besuche in der Reha und zu Hause, telefonische Kontakte sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Hausarzt.

Motivation, um die Ziele zu erreichen

„Die anderen Lotsen haben uns erzählt, dass die meisten Ärzte sehr froh über ihre Arbeit sind und das Miteinander schätzen. Einige sehen es aber auch als Überwachung“, erzählt Dous. Dabei sei der Kontakt mit den Ärzten sehr wichtig, denn die Mediziner überprüfen regelmäßig die Blutwerte der Betroffenen. Allerdings dürfen diese natürlich nur mit dem Einverständnis der Patienten an die Lotsinnen weitergegeben werden, hier besteht weiterhin die ärztliche Schweigepflicht. „In diesem Fall sind wir auf die Unterstützung Patienten angewiesen“, so Porcellacchia.

Die Verantwortung solle ihm allerdings nicht abgenommen werden, denn irgendwann sind auch die zwölf Monate intensive Betreuung vorbei. In dieser Zeit wollen Porcellacchia und Dous ihre Schützlinge dazu bringen, ihre gesteckten Ziele – mehr Bewegung, keine Zigaretten, gesündere Ernährung, Blutdrucknormalisierung und die zuverlässige Einnahme der Medikamente – zu erreichen und fortzusetzen, um einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen. „Wir wollen das Bewusstsein vermitteln, dass ein Schlaganfall nicht einfach ein unvermeidbares Schicksal ist, sondern meistens Teil eines chronischen Problems“, betont Thonke. Und dazu gehören eben hauptsächlich ungesunde Verhaltensmuster sowie behandelbare Gefäßrisikofaktoren wie der Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfette. 

Menschen erreichen, bevor es zu spät ist

Für das Projekt haben die Stadt und das Klinikum viel Geld in die Hand genommen, betont Thonke. Damit hebe man sich von anderen Krankenhäusern ab. Einen finanziellen Nutzen habe man allerdings nicht davon. Dem Mediziner ist aber eines wichtig: „Wir wollen die Menschen vorher erreichen, damit sie erst gar nicht Patienten bei uns werden müssen.“

 



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