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Tödlicher Rettungsversuch: Hanau trauert um Alptug Sözen (17)

Frankfurt/Hanau

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    Mustafa Alptug Sözen starb am Dienstag, als er einem Mann auf den Gleisen der S-Bahn-Station Ostendstraße helfen wollte. Grafik/Foto: HA/T.C. Frankfurt BK

Hanau/Frankfurt. Hunderte Menschen versammelten sich am Freitag vor der Moschee an der Gärtnerstraße, um Abschied von dem 17-jährigen Hanauer Mustafa Alptuğ Sözen zu nehmen. Er hatte einem Menschen das Leben retten wollen und ist dabei selbst gestorben.

Artikel vom 16. November 2018 - 15:16

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Von David Kirchgeßner und Jutta Degen-Peters

Bei dem Versuch, einen hilflos auf den Gleisen liegenden Mann zu bergen, wurde der Jugendliche von einer S-Bahn überrollt. Die Menschen aus Hanau und der Region reagieren mit großer Betroffenheit und Trauer auf diesen tragischen Unglücksfall.

Der Schüler mit türkischen Wurzeln war am Dienstag auf dem Heimweg von einem Praktikum in Frankfurt gewesen, als er einem alkoholisierten wohnsitzlosen Mann, der im Gleisbett der Frankfurter S-Bahnstation Ostendstraße lag, zu Hilfe eilte. Dazu stieg er auf das Gleis an der unterirdischen Haltestelle. Er wurde von einer S-Bahn erfasst und erlag noch vor Ort seinen schweren Verletzungen.

Die Nachricht und die traurigen Hintergründe des Unglücks, die erst nach und nach bekannt wurden, machen seitdem viele Menschen in Hanau und der Region betroffen. Besonders in der islamischen Gemeinde ist die Trauer groß. An der Gärtnerstraße versammelten sich Hunderte von Menschen mit türkischen und deutschen Wurzeln, um Abschied von Mustafa Alptuğ Sözen zu nehmen und verrichteten das Totengebet, unter ihnen auch Stadtrat Thomas Morlock.

„Durch seine Tat hat Mustafa Alptuğ Sözen vielleicht mehr für Verständnis und Respekt zwischen den Kulturen getan, als es 1000 Worte vermögen“, drückte der Erste Stadtrat seine Hochachtung vor dem umgekommenen Jugendlichen aus. Der junge Mann müsse ein besonderer Mensch gewesen sein. Denn in Momenten, in denen andere in Not gerieten oder hilflos seien, zeigten sich Mitgefühl und Größe. Das hätten zuvor nur die Familie und Freunde von Alptuğ gewusst, jetzt wisse es auch Hanau. „Die Familie kann stolz auf ihren Sohn sein, und Hanau kann ebenfalls stolz sein auf seinen Sohn“, so Morlock abschließend.

"Solche Menschen müsste es mehr geben"

Auch in den sozialen Medien drücken zahlreiche Menschen der Familie Sözen ihr Beileid aus. Eine Leserin schreibt auf der Facebook-Seite unserer Zeitung: „Traurig – auch ich wünsche allen Beteiligten viel Kraft in dieser schweren Zeit.“ Viele loben die Hilfsbereitschaft und den Mut des 17-Jährigen. So kommentiert eine Facebook-Nutzerin: „Was für ein Held!“

Eine andere Frau schließt sich an: „Mein aufrichtiges Beileid der Familie und Freunden des Helden und viel Kraft in der nächsten Zeit... solche Menschen müsste es mehr geben, aber nicht mit einem solchen furchtbaren Ende.“ Das türkische Generalkonsulat in Frankfurt äußerte sich bei Twitter und Facebook zu dem Unglück und sprach der Familie „tiefstes Beileid“ aus.

 

Vorbild für Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel sprachen in einem Kondolenzbrief an die Eltern von einer „besonderen Tragik“, die der Tod von Alptuğ berge. „Welch ein emphatischer, hilfsbereiter und mutiger junger Mann muss Ihr Sohn gewesen sein; ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft“, heißt es im Brief.

"Ein so selbstloses Handeln ist heute nicht mehr überall anzutreffen und wir hoffen, dass er in seiner Schule und seinem Freundeskreis vielen Menschen als Vorbild dient, was Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit angeht." Bürgermeister Axel Weiss-Thiel hatte gemeinsam mit der Vorsitzenden des Ausländerbeirats Selma Yilmaz Ilkhan die Familie persönlich besucht, um sein Beileid zu bekunden und das Kondolenzschreiben zu übergeben.

Notruftelefone abgebaut

Laut den Ermittlungen der Bundespolizei hatte vor dem tödlichen Unfall ein 44-jähriger Wohnsitzloser mit 2,6 Promille Blutalkohol auf den Gleisen an der unterirdischen S-Bahn-Station Ostendstraße gelegen. Der 17-jährige Sözen und ein anderer Wohnsitzloser wollten dem Mann laut Zeugenaussagen helfen, bevor die Bahn der Linie S6 in Richtung Friedberg einfuhr.

Der auf den Gleisen liegende Mann wurde dabei schwer verletzt, der andere Wohnsitzlose leicht. Alptuğ Sözen war sofort tot. Wie später bekannt wurde, gibt es in den Tunnels der S-Bahn-Station Ostendstraße keine Notruftelefone mehr. Nach einer Sanierung vor etwa zwei Jahren waren diese abgebaut worden.

Die Stadt Hanau wird ab Montagnachmittag, 19. November, im Stadtladen ein Kondolenzbuch auslegen. Betroffene und trauernde Bürger sind eingeladen, sich dort einzutragen und ihre Gedanken niederzuschreiben.



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