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HA und helpaniola: Sammelaktion für Dominikanische Republik

Hanau

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    Sind sich einig (von links): Martin Sehnem, HA-Verleger Thomas Bauer, Ramon Carreno, Generalkonsul der Dominikanischen Republik in Frankfurt, und Dolmetscher Emilio Walter. Foto: cd
  • Baseball ist eine beliebte Sportart in dem Karibikstaat, aber eigentlich fehlt es an allen Sportartikeln – daher die Spendenaktion mit den heimischen Vereinen. Foto: PM

Hanau. Armut, Kriminalität, Kinderschwangerschaften und keine Perspektive: Die Dominikanische Republik ist ein Dritte-Welt-Land, das auf Unterstützung angewiesen ist. Daher haben der HANAUER und die Hilfsorganisation helpaniola eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die sich an Sportvereine richtet.

Artikel vom 13. Oktober 2018 - 07:00

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Von Julia Meiss

Gesammelt werden ab November nicht mehr benötigte Trikots, Schuhe, Trainingsanzüge und kleine Sportgeräte wie Bälle.

„Es geht darum, die Kids verdammt noch mal von der Straße zu holen. Jede Minute, die die Kids von der Straße runter sind, ist eine gewonnene Minute“, bringt Martin Sehnem die Notlage in der Dominikanischen Republik auf den Punkt. Ganz klar, der Flugbegleiter hat sich mit Leib und Seele der sozialen Hilfe des Karibikstaats verschrieben. Um besonders den Mädchen und Jungen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen, haben sich das von Martin Sehnem ins Leben gerufene Hilfsprojekt helpaniola und der HANAUER für die Sammelaktion zusammengeschlossen. 

Die Geschichte des Flugbegleiters aus Köln, der nie um einen flotten Spruch verlegen ist, und seiner Hilfsaktion für das Dritte-Welt-Land in der Karibik ist eine von beispielloser Hilfsbereitschaft. Grund dafür ist einerseits sicherlich die Echtheit der Aussagen von Martin Sehnem: Wenn der 51-Jährige nämlich über die Zustände in dem Karibikstaat spricht, dann weiß er, wovon er redet. Schließlich leben seine Frau Yileisi und die gemeinsame Tochter in der Dominikanischen Republik – in einer Wellblechhütte ohne fließendes Wasser und Strom. Und auch Martin Sehnem lebt dort etwa eine Hälfte des Monats, die andere in Köln. Außerdem stecken die Tatkraft und Leidenschaft, mit denen er sein Herzensprojekt betreibt, an.

Angefangen hatte alles mit einem Dienstflug in die Dominikanische Republik, wo der Flugbegleiter einen Abstecher raus aus dem Fünf-Sterne-Hotel und rein in ein Armenviertel machte. Die Not, die in dem Urlaubsparadies herrscht, erschütterte Martin Sehnem dermaßen, dass es für den Flugbegleiter nur eine einzige Option gab: helfen, und zwar unkompliziert und unbürokratisch. Über Facebook startete der Kölner einen Aufruf nach einem gebrauchten Hörgerät, denn er lernte auf der traumhaften Insel eine Dominikanerin kennen, die dringend ein Hörgerät benötigte.

Die Lawine, die nach diesem Aufruf bis heute entstanden ist, überwältigt den Vater dreier Kinder immer noch. Auf die Aktion wurde nämlich der Hörgeräte-Hersteller audibene aufmerksam, der mittlerweile mehr als 100 Hörgeräte gestiftet hat. Ein ähnlicher Selbstläufer wurde die Suche nach einem gebrauchten Rollstuhl, woraus sich schließlich die Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus rahm ergeben hat. Dessen Chefin Maike Rahm ließ sich sofort von Sehnems Aktionismus mitreißen und hat mittlerweile Hunderte Rollstühle, zahlreiche Matratzen und Rollatoren beigesteuert. 

Begeistert von der Unterstützung aus der deutschen Heimat, hat sich der lebensfrohe Flugbegleiter aber plötzlich einem anderen Problem ausgesetzt gesehen: Es war unmöglich, sperrige Gegenstände wie Rollstühle oder Matratzen in einem Koffer auf der Dienstreise mit in den Flieger zu nehmen. Die Frage nach dem Transport stellte sich aber nicht lange, denn auch Martin Sehnems Kollegen packten kurzerhand mit an und legten für einen Frachtcontainer zusammen. Darauf wurde schließlich ihr Arbeitgeber, die Fluggesellschaft Condor, aufmerksam und sprang ebenfalls auf den Flug mit auf – die Frachtcontainer sind nun für das Hilfsprojekt kostenlos.

Mit der gemeinsamen Sammelaktion beim und mit dem HANAUER erreicht das Projekt nun wiederum eine neue Dimension. Dabei war es wieder einer dieser Zufälle, der Martin Sehnem und HA-Verleger Thomas Bauer beim U19-Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz in Hanau zusammenbrachte. Daraus entstanden ist die Idee, gezielt Spenden für Kinder und Jugendliche zu sammeln, um diesen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen. Denn gerade die Notlage der Jüngsten der Gesellschaft hat den Kölner bis ins Mark erschüttert.

Eigentlich hat Martin Sehnem immer ein Lächeln auf den Lippen und ein – salopp gesagt – loses Mundwerk. Kommt er aber auf die Zustände in der Dominikanischen Republik zu sprechen, wird der Flugbegleiter ungewöhnlich ernst. „Du siehst Kinder sterben“, beschönigt Martin Sehnem nichts und unterstreicht die Notwendigkeit des Hilfsprojekts.

Da auch Kriminalität, Drogen und Kinderschwangerschaften große Probleme darstellen, sei es wichtig, den Kids andere Optionen aufzuzeigen – Sport zum Beispiel. Damit die Jungen und Mädchen nicht mit zusammengeklebten Papierkugeln und barfuß spielen müssen, sind die heimischen Vereine aufgerufen, nicht mehr benötigte Sportsachen zu spenden (siehe Infobox). „Wenn die Kids ein paar gebrauchte Adidas-Schuhe bekommen, drehen sie durch. Sie haben nur ein paar Flipflops und sonst nichts“, weiß der Vielflieger aus eigener Erfahrung.

Dabei gibt der 51-Jährige an alle Spender ein Versprechen ab: „Wir fliegen alles selber runter.“ Vor Ort sucht er dann Unterstützer wie etwa Schulen, die bei der Verteilung im ganzen Land helfen, und auch die Deutsche Botschaft in der Dominikanischen Republik unterstützt ihn, ebenfalls der Dominikanische Konsul in Deutschland. Bei der Verteilung der Sportsachen im ganzen Land arbeitet helpaniola mit zwei Schulen zusammen.

Aber auch beim Verteilen der Spenden packt Martin Sehnem selbst mit an und traut sich „in Ecken, in die normalerweise kein Weißer reingeht“, wie seine Frau, die er in einer Karaokebar kennenlernte, tadelnd zu ihm sagte. Das ist Martin Sehnem schnuppe, wobei er sich der hohen Kriminalitätsrate in dem Urlaubsparadies bewusst ist. „Ja, es ist auch schon mal brenzlig geworden, aber das gehört dazu.“ Somit kann er nicht nur die Spenden selbst verteilen, sondern auch Fotos für die Unterstützer machen – Echtheit garantiert.

Bald könnte es dann also Bilder aus der Dominikanischen Republik geben, die ein Baseballspiel zeigen, das es in der heimischen Sportwelt so wahrscheinlich nie geben wird. Etwa zwischen dem KSV Langen-Bergheim, der SG Bruchköbel und der HSG Maintal. Oder ein Wettrennen zwischen der TG Hanau, dem WSV Großkrotzenburg, TV Langenselbold und dem FC Hanau 93 in Schuhen, die schon zahlreiche Tore geschossen haben. Oder einfach Bilder von lachenden Kindern und Jugendlichen, die gemeinsam Sport machen, anstatt auf der Straße rumzuhängen.

www.helpaniola.com



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