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75 Hinweise zu Vergewaltigung in Innenstadt - Keine heiße Spur

Hanau

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    Die Tat in der Hanauer Schnurstraße sorgte damals für großes Entsetzen in der Brüder-Grimm-Stadt. Archivfoto: Dauber

Hanau. Mehr als neun Monate sind seit der Vergewaltigung einer 23-Jährigen am helllichten Tag in der Hanauer Innenstadt vergangen. Die Polizei fahndete öffentlich nach dem Täter, ging insgesamt 75 Hinweisen nach – doch der Unbekannte läuft bis heute frei herum.

Artikel vom 11. Oktober 2018 - 10:58

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Von Christian Dauber

„Ein dringender Tatverdacht gegen einen Beschuldigten hat sich im Rahmen der Ermittlungen nicht ergeben“, erklärt Oberstaatsanwalt Dominik Mies am Mittwoch auf HA-Nachfrage.
Es ist der 8. Januar, gegen 14.45 Uhr. Zu dieser Zeit ist viel los in der Schnurstraße, zumal die sehr belebte Nürnberger Straße nur wenige Meter entfernt kreuzt. Eine junge Frau ist zu dieser Zeit auf dem Weg nach Hause. Offenbar nicht alleine, unbemerkt muss ihr ein Mann auf Schritt und Tritt gefolgt sein.

Nachdem die 23-Jährige die Tür zum Mehrfamilienhaus in der Schnurstraße geöffnet hat und gerade an den Briefkasten geht, merkt sie, wie jemand durch die schon zufallende Tür mit ins Haus gelangt. Dann vergeht sich der Unbekannte an seinem wehrlosen Opfer und flüchtet.

Verdacht auf weitere Straftaten

Später wird bekannt, dass der Mann möglicherweise für weitere Taten verantwortlich ist, zwei davon am gleichen Tag. Gegen 6.30 Uhr wird eine 26-Jährige in der Römerstraße angegriffen. Der Fremde sei auf sie zugerannt, habe ihr in den Bauch getreten, sodass sie zu Boden gegangen sei.

Anschließend habe er auf die liegende Frau eingetreten, hatte sie der Polizei den Vorfall geschildert. Rund zehn Minuten später wird eine 45-Jährige an der Ecke Hammerstraße/Krämerstraße attackiert. Der Täter packt die Passantin von hinten und sprüht ihr vermutlich Deo-Spray ins Gesicht.

Einen Tag später, am 9. Januar, ein weiterer Vorfall: Eine Frau wird zwischen 4.30 und 5 Uhr im Innenstadtbereich auf dem Weg zur Arbeit belästigt und verfolgt. Die Frau flüchtet sich in ihre Arbeitsstelle, eine Bäckerei, und schließt schnell die Tür ab. „Der Mann hat dann wie wild an die Tür getrommelt und ist erst geflüchtet, als die Frau vorgab, zu telefonieren“, schilderte Mies damals die Angaben der Frau. Die Beschreibungen der angegriffenen Frauen deckten sich damals weitgehend mit den Angaben des Vergewaltigungsopfers.

Die Polizei veröffentlichte ein Phantombild des Mannes und bat die Öffentlichkeit um Mithilfe. Doch heute ist klar: Unter den eingegangenen 75 Hinweisen war keine heiße Spur. Die Hinweise seien von der Polizei zwischenzeitlich vollständig abgearbeitet worden. „Mit dem Abschluss der polizeilichen Ermittlungen ist in den kommenden Wochen zu rechnen“, sagt Mies.

Wie geht es jetzt weiter? Laut Staatsanwalt bleibt das Phantombild im polizeilichen System gespeichert. Regelmäßig, wenn sich künftig ähnliche Fälle ereignen sollten, werde ein Abgleich vorgenommen. Deliktübergreifend sei dies aber nicht zwingend der Fall. Die dem Unbekannten vorgeworfenen Taten verjähren nach 20 Jahren.



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