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Michael Patrick Kelly begeistert im ausverkauften Amphitheater

Hanau

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    Michael Patrick Kelly im Amphitheater. Foto: Bender

Michael Patrick Kelly, das frühere Gesicht der Kelly Family, hat sich längst emanzipiert und begeistert als Solo-Künstler im ausverkauften Amphitheater

Artikel vom 12. August 2018 - 16:28

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Von Yvonne Backhaus-Arnold

Stoßstange an Stoßstande schieben sich die Autos an diesem Samstag um kurz vor 19 Uhr durch die Philippsruher Allee. Familien mit Kindern im Teenageralter laufen durch den Schlosspark, Freundinnen radeln gut gelaunt vorbei, Paare schlendern Hand in Hand zum Eingang des Amphitheaters. Karten gibt es keine mehr an diesem Abend. Seit Wochen ist das Konzert von Michael Patrick Kelly ausverkauft.

Kelly? Da gab's doch mal.... genau: die berühmte Familie aus Irland - Mutter, Vater und zwölf Kinder mit langen Haaren, die Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre über die Markplätze tingelten. 1982 starb Mutter Barbara, die Familie machte - angeführt vom Vater - weiter Musik. Damals hat man die Kelly Family entweder geliebt, oder man hat sie gehasst - dazwischen gab es wenig. Michael Patrick Kelly 2018 ist viel mehr als nur diese Vergangenheit. Er ist längst (wieder) angekommen als Musiker. Solo. Mit einer markanten Stimme. Und er bringt alle Generationen zusammen - auch in Hanau ist das so.

Folk, Grunge, Soul und Indie

Die Tour zum gleichnamigen Album „iD“  lief so gut, dass der Sänger und Songwriter sie bis in den September hinein verlängerte. Das Konzert unter dem weißen Zeltdach am Main ist das siebte innerhalb von neun Tagen. Den Tourstress merkt man weder Kelly, noch seiner fünfköpfigen Band am. Um kurz nach halb 8 betritt der einstige Frontman der Kelly Family die Bühne.  Zweieinhalb Stunden lang ist er anschließend präsent. Ohne Pause.

Das Publikum unterhält er mit bester Live-Musik, Folk, Grunge, Soul und Indie. Auch Rock hat der 40-Jährige, dessen Vorbilder U2, Bob Dylan und Bruce Springsteen sind, in petto. Die Zeit, als man das drittjüngste Kind der 14-köpfigen Kelly Family, in eine Schublade stecken konnte, sind längst vorbei.

Michael Patrick Kelly, der sich nach einer schweren Lebenskrise 2004 aus der Öffentlichkeit zurückzog und vier Jahre lang als Mönch in Frankreich lebte, dann in ein Kloster nach Belgien wechselte und 2010 aus der Ordensgemeinschaft austrat, um wieder Musik zu machen, gewährt dem Publikum durchs eben jene Musik, aber auch durch die vielen kurzen Geschichten, die er während des Konzerts erzählt, Einblicke, die 100 Prozent authentisch wirken.

Jurymitglied in "The Voice of Germany"

Für die Zuschauer im ausverkauften Amphitheater hatte Kelly die Single "Shake Away" dabei, mit der er sich 2015 in der kommerziellen Musikwelt zurückgemeldet hatte. Neben den Songs "Roundabouts" und "Golden Age" präsentierte er natürlich auch "ID", den Namensgeber für seine Tour und die erste Auskopplung aus dem 2017 erschienenen gleichnamigem Album, die seit Wochen im Radio läuft. Das Publikum tanzte, sang mit, genoss.

Michael Patrick Kelly, der längst auch Jüngere erreicht durch Musikshows wie "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" oder die Kika-Sendung "Dein Song", wo er die „Musikpatenschaft“ für den 14-jährigen Sänger und Songwriter Ben Schafmeister übernahm, ist ein Menschenfänger. Er ist einer, der Kontakt zum Publikum sucht, der sich nicht zu schade ist für ein Selfie und der auch die Hand eines kleines Mädchens ergreift, die im ID-T-Shirt auf den Schultern ihres Vaters sitzt und dem gebürtigen Iren, der heute mit seiner Frau in Oberbayern lebt, begeistert zujubelt.

Das Fernsehen wird Kellys Bekanntheit weiter steigern, immerhin gab ProSiebenSat.1 Media vor wenigen Wochen bekannt, dass Kelly in der kommenden achten Staffel von "The Voice of Germany" als Jurymitglied teilnehmen wird.

Drei Zugaben

So ganz ohne seine musikalischen Wurzeln will der 40-Jährige den Abend aber nicht vergehen lassen, kann er auch nicht, denn ein Mädchen, das ihn gemeinsam mit anderen gehandicapten Kindern vor dem Soundcheck getroffen hat, hat Kelly ein Bild im A2-Format gehäkelt (ein halbes Jahr lang immer nach der Schule), dass ihn als Kind gemeinsam mit seiner 1982 verstorbenen Mutter zeigt. Und weil die Familie ihn und seine ID geprägt und er sich längst mit der Vergangenheit versöhnt habe, gibt es dann doch nochmal Kelly Family. Vier Minuten Flashback. Mit - natürlich - dem Song "An Angel", den Paddy damals komponiert hatte und mit dem der Kelly Family 1994 der kommerzielle Durchbruch gelang.

Kurz vor 22 Uhr verabschieden sich die Musiker nach drei Zugaben und unter langem Applaus von der Bühne. Die Väter, die ihre Kinder auf den Schultern getragen haben, schnaufen erstmal durch. Freundinnen lachen, Mütter schließen Töchter in die Arme, Paare schlendern Hand in Hand zum Ausgang..."ID, ID, ID...." auf den Lippen. So sieht gute Unterhaltung aus. Den Menschenfänger Michael Patrick Kelly hätten diese Bilder sicher gefreut.   

 

In einer früheren Version des Artikel war ein Fehler. Michael Patrick Kelly hat - anders als geschrieben - keine Kinder. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen!



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