Lesezeichen hinzufügen hanauer.de als Startseite
wolkig
23 ° C - wolkig
» mehr Wetter

Der Kampf gegen die Trockenheit

Hanau

  • img
    Aus einem langen Hydraulikarm kommen pro Minute etwa 75 Liter Wasser. Foto: PM

Seit Wochen regnet es kaum und wenn, dann viel zu wenig. Und in den letzten Tagen gingen die Temperaturen sogar noch höher, die Nächte kühlen auch nicht wirklich ab. Besonders leiden unter der Trockenheit Bäume und andere Pflanzen. Doch die Stadt lässt sie nicht in der Sonne stehen, sondern sorgt für ausreichend Bewässerung.

Artikel vom 29. Juli 2018 - 16:07

Anzeige

„Wir gießen auch wenn’s regnet“, erklärt Peter Stanek, 52 Jahre alt, mit ernstem Gesicht vom Fahrersitz seines Lkw. „Da kriegst du schon manchmal 'nen Vogel gezeigt“, sagt er. „Manchmal auch Schlimmeres“, fügt er nach einer kleinen Pause nachdenklich hinzu, während sein großer Lkw in Schrittgeschwindigkeit durch die Frankfurter Landstraße rollt und aus einem Hydraulikarm die Pflanzen des Mittelstreifens wässert.

Stanek ist einer von 320 Mitarbeitern des Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS). Der gelernte Bauschlosser arbeitet seit 27 Jahren bei der Stadt Hanau, erst als Müllwerker, dann bei der Stadtentwässerung. Seit mittlerweile vier Jahren ist er nun in der Abteilung Grünflächen beschäftigt.

Hier fährt er zurzeit acht Stunden am Tag, fünf Tage pro Woche Wasser zu den Pflanzen und Bäumen der Stadt, um diese vor dem drohenden Absterben zu bewahren. Das ist auch erforderlich, wenn es regnet. Denn durch die Trockenheit der letzten Monate ist der Boden ausgedorrt. Wenn es endlich regnet, dann fließt das Wasser einfach ab und sammelt sich in Senken, anstatt gleichmäßig zu versickern. „Wenn der Regen den Boden vorher aufweicht, kann unser Gießwasser besonders gut bis zu den Wurzeln der Pflanzen durchsickern und genau da soll es ja hin“, antwortet Stanek auf fragende Blicke.

Während er von den Kuriositäten erzählt, die seine derzeitige Aufgabe mit sich bringt, lotst er mit traumwandlerischer Sicherheit den 350 PS starken und 27 Tonnen schweren Lkw in Zentimeterarbeit durch die Nußallee. Ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, bedient Stanek ganz nebenbei den Joystick des Hydraulikarms, der vorne am Lkw angebracht ist.

Bei langsamer Vorbeifahrt schießen aus dem Hydraulikarm in der Minute etwa 75 Liter Wasser in die Blumen- und Strauchbeete vor ihm. Etwas länger verweilt der Wasserstrahl bei den Bäumen, um ihnen das dringend benötigte Nass zuzuführen. 10 000 Liter Wasser fasst der Tank – in spätestens zwei Stunden ist er leer. Dann muss Stanek ihn wieder auffüllen. Das macht er drei- bis viermal am Tag am hauseigenen Brunnen der früheren Grünflächenamtes in der Theodor-Fontane-Straße.

Unter den Mitarbeitern wird gemunkelt, der „alte Main“ fließe dort unterirdisch, weswegen der Brunnen niemals versiegt. Fakt ist: In zwölf Minuten hat Stanek den Tank wieder voll und kehrt zurück auf die Straße. Er will keine Zeit verlieren: Seine Pflanzen haben Durst.

Neben Staneks Lkw gibt es noch einen weiteren mit einem 10 000 Liter Tank. Vier Autos mit 2000 Liter Tanks, weitere vier Autos mit 1500 Liter Tanks und zusätzlich noch ein unauffälliger grüner Traktor mit einem 4000 Literfass. Von den 44 der mit der Grünflächenpflege befassten Mitarbeiter ist zurzeit die Hälfte ausschließlich mit der Bewässerung beschäftigt.

„Der Wasserverbrauch der Bäume hängt stark von der Baumart, dem Standort, der Größe und der Witterung ab“, macht Stanek deutlich, welcher Aufwand nötig ist, um gerade die jungen Bäume vor dem Absterben zu bewahren. Diese sind von der anhaltenden Trockenheit besonders betroffen, da das Wurzelwerk noch nicht weit genug verzweigt ist, um genügend Wasser aus dem umliegenden Boden aufzunehmen. Die Abteilung Grünflächen hat die Richtlinie ausgegeben: 100 Liter pro Baum und Woche.

Der LKW von Stanek, ein Iveco, ist mittlerweile in ein respektables Alter gekommen: „Der ist so 18, 19 Jahre alt. Der hat sein Geld schon verdient“, gibt sich Stanek pragmatisch, während er in die Willy-Brandt-Straße abbiegt. Manchmal, erzählt Stanek, wird es im Stadtverkehr unnötig anstrengend. „Die Autofahrer sind heutzutage ungeduldig und viel rücksichtsloser als früher“, erzählt er von seinen langen Jahren Erfahrung bei der Arbeit im Stadtverkehr, während er neben dem Lkw steht und mit einem Schlauch per Hand drei Jungbäumen eine nasse Dusche verpasst. Nachdem er den Schlauch eingerollt und die Ventile geschlossen hat, rollt der Lkw wieder an.

Am Ende seines Arbeitstages klettert Stanek auf dem Hof der Abteilung Grünflächen aus seinem Iveco und füllt die Tanks gleich wieder mit Wasser, denn diese müssen immer einsatzbereit sein. Insbesondere in Zeiten lang anhaltender Trockenheit drohen Waldbrände. Kommt es zu Flächenbränden, greifen die Hanauer Feuerwehren auf die Tanks zu, um an Orten, wo es keine Hydranten gibt, schnell mit größeren Mengen Wasser zur Stelle sein zu können. Nach dem Auffüllen findet der Iveco unter dem Schleppdach seinen Platz. Bis zum nächsten Morgen, denn um 7 Uhr startet Peter Stanek wieder durch – Blumengießen – im großen Stil. Auch bei Regen. eho



Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.