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Poetry Slam im Hanauer Fronhof begeistert die Zuschauer

Hanau

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    Sechs Slammer traten gegeneinander an (von links): Martin Weyrauch, Pauline Puhze, Gax, der spätere Gewinner Samuel Kramer, Jan Cönig und Suse Bock-Springer. Foto: Pongratz

Zum fünften Mal hieß es am Dienstagabend wieder: „Best of“ Hanauer Poetry Slams. Sechs Speaker traten um die Gunst des überwiegend jungen Publikums an, das nach drei sehr unterhaltsamen Runden per Akklamationen den Besten an diesem Abend küren durfte.

Artikel vom 19. Juli 2018 - 12:50

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Längst sind die Hanauer Poetry Slams kein Geheimtipp mehr, sondern sie locken von Jahr zu Jahr mehr Zuschauer in den Fronhof – sofern das Wetter mitspielt, wie sich Moderatorin Dominique Macri in ihrer charmanten Art erinnerte. „Auch dieses Jahr wurden mit fast 350 Karten etwa 80 mehr verkauft als 2017“, freute sich Lucas Schobert vom Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation.

Zu Beginn warf Singer und Songwriter Bastian Mayerhofer, der Österreicher in Berlin, mit Texten aus seiner aktuellen CD „Wirsing fürs Volk“ einen humorvollen Blick auf Deutschland. Für alle Besucher, die das erste Mal einen Poetry Slam verfolgten, erklärte Macri dann die Regeln: Die Reihenfolge der Auftritte wird ausgelost. Alle Texte sind selbst geschrieben, es gibt keine Kostümierung oder Requisiten auf der Bühne, das Zeitlimit beträgt sieben Minuten. Mit einem „Mut-mach-Gedicht“ für alle, vor allem natürlich für die erste Poetin, Suse Bock-Springer aus Kassel, leitete Macri, selbst eine erfolgreiche Slammerin, den anspruchsvollen und unterhaltsamen Wettstreit der Dichter ein.

Alle sechs überzeugten mit Themen, die auf den Nägeln brennen. Sie erfanden für Pubertät, Mobbing, Alltagserlebnisse, Zweifel, Lebensangst, Sterben neue, zeitgemäße Bilder und eine poetische, kunstvolle Sprache als Ausdruck unserer Zeit, mal ironisch-witzig, mal tiefgründig und nachdenklich. Man musste intensiv zuhören – die Slammer erzählten rhythmisch, aber zum Teil unglaublich schnell. Vor allem aber „ist es eine Lyrik, die junge Leute wieder begeistert“, sagte Besucherin Karin Richter aus Hasselroth.

Nach dem schonungslosen, aber letztlich hoffnungsvollen Blick von Bock-Springer auf sich selbst, erzählte Jan Cönig aus Frankfurt mit Selbstironie vom ewigen Scheitern. Mit starken poetischen Bildern nahm Samuel Kramer die Gäste mit an das Meer, in dem ein zwölfjähriger Junge jeden Tag schwimmen geht. Gax aus Frankfurt verlor während seines Vortrags immer mehr Konsonanten aus dem Alphabet, was sich unglaublich lustig anhörte und so lange verständlich blieb, so lange die Zuhörer diese mitdenken konnten. Nach diesem Vortrag, der alle zum Lachen brachte, widmete sich Pauline Puhze aus Wetzlar den verschiedenen Arten der Erinnerung und der Trauer um einen geliebten Menschen. Zum Schluss der ersten Runde machte Martin Weyrauch aus Ätzen-Gesäß den Aberwitz des bestehenden Systems zu seinem Thema.

Nach der Pause bestritten Puhze, Cönig, Kramer und Gax das Halbfinale, das Kramer und Cönig knapp für sich entscheiden konnten. Obwohl der aktuelle Hessenmeister Cönig mit seinem „Geheimclown“ auf dem Kindergeburtstag das Publikum wirklich mitriss, an diesem Abend überzeugte Kramer die Zuhörer mit seinem Gedicht „Ein Baum“ etwas mehr. Der 19-jährige Offenbacher ging als Sieger aus dem hochkarätigen und anspruchsvollen Wettstreit hervor und durfte die vollgepackten Spendenbeutel mit nach Hause nehmen.
Wer Slams mag, dem sei der Song Slam am 29. Juli um 14.30 Uhr im Kurpark Wilhelmsbad ans Herz gelegt – ein Wettstreit der besten Musiker/Songwriter der Song-Slam-Reihe. cd



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