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BUND-Vorwurf: Belastungen im Pioneer Park geschönt

Hanau

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    Einen verfrühten Baubeginn auf dem Pioneer Areal, wo in den kommenden von fünf Jahren der Pioneer Park rund 5000 Menschen Wohnraum bringen soll, hält der BUND für verantwortungslos. Er fordert eine Analyse der Schadstoffverteilung und die Umsetzung von Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen vor dem Aushub der ersten Baugruben. Foto: Häsler

Hanau. Der Landesverband Hessen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hat zum Vorhaben Pioneer Park – hier soll Wohnraum für rund 5000 Menschen entstehen – einen Arbeitskreis Altlasten
gegründet.

Artikel vom 19. Juni 2018 - 14:33

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Darüber informiert der BUND in einer Pressemitteilung. Derzeit erarbeite der vom Landesverband gegründete Arbeitskreis eine detaillierte Stellungnahme, denn das Bauvorhaben beinhalte „eine Vielzahl an umweltrelevanten Problematiken“. Die Stellungnahme soll im Zuge der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange abgegeben werden.

Zwar begrüße der BUND die Weiternutzung von Konversionsflächen wie Pioneer ausdrücklich, da sie keine weitere Flächenversiegelung beziehungsweise Zerstörung wertvoller Naturböden benötigen. Allerdings habe im vorliegenden Fall der Arbeitskreis Altlasten des BUND Hessen den Eindruck bekommen, dass das Projekt unnötig beschleunigt werden soll, auch weil viele Belastungen beziehungsweise deren Behebung/Reduzierung im Bauausschuss geschönt dargestellt worden seien.

Arbeitskreis legt problematische Punkte dar
Vergangene Woche wurde das Projekt Pioneer Park im Struktur- und Umweltausschuss vorgestellt. In der Pressemitteilung legt der Arbeitskreis nun die aus seiner Sicht problematischsten Punkte dar.

Geruchsimmissionen: Es werde ein Wohnquartier in einen mit Geruchsimmissionen stark vorbelasteten Raum geplant. Geruchsemissionen bedingten immer auch chemische Stoffe. Deshalb sei schwer vorstellbar, dass hier gesundes Wohnen möglich sein soll. Der BUND fordert daher eine Luftanalyse der vom Reifenwerk emittierten Stoffe.

Bislang „beabsichtigt“ der Reifenproduzent nur, entsprechende Abluft-/Abgasreinigungsanlagen zur Geruchsminderung einzubauen, schreibt der BUND und fordert: Diese Umrüstungen sollen vor dem Erstbezug abgeschlossen sein und den neuen Wohneigentümern vertraglich zugesichert werden.

Lärmbelastung: Die Lärmbelastung im Süden des Areals sei gesundheitsschädlich. Sie dürfe nicht klein gerechnet werden. „Eine Reduzierung von, wie es im Bauausschuss hieß, 'nur' drei dB(A) entspricht tatsächlich einer Halbierung der Lautstärke“, stellt der BUND fest. Die im Bauausschuss gezeigten Grafiken ließen trotz unterschiedlicher Farbgebung kaum bis gar keine Verbesserungen des Lärmschutzes durch Lärmschutzwand oder Lärmschutzwall erkennen. Der BUND fordert: Hier muss erheblich nachgebessert werden.

LHKW-Altlasten: LHKW steht für Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe. Diese sollen, so der BUND, sehr gesundheitsschädlich sein und können zu neurologischen Veränderungen und möglicherweise zu Krebs führen.

Laut Vortrag im Bauausschuss zu den LHKW-Schadensfällen ist keine Gefahr der Direktaufnahme von  Schadstoffen beziehungsweise keine Gefahr inhalativer Aufnahme von Schadstoffen ersichtlich. Diesen Aussagen widerspricht der BUND kategorisch. „Sobald eine bestehende Altlast aufgebaggert oder auf andere Weise geöffnet wird, besteht die Gefahr der Direktaufnahme von Schadstoffen über Hautkontakt oder über die Atemwege“, heißt es in der BUND-Mitteilung. Staub werde aufgewirbelt, Erde bewegt, Gase können entweichen und vieles mehr. „Der BUND ist entsetzt darüber, dass lediglich Nutzungsverbote (Bulau und Kleingartenanlage) ausgesprochen werden sollen“, heißt es weiter. Diese seien nutzlos, wenn Kinder und andere uninformierte Personen (Gäste) mit den Schadstoffen in Kontakt kommen können.

In den Gutachten, die dem BUND vorliegen, seien „die gravierenden Kontaminationen von Boden- und Grundwasser im Areal dargestellt.“ Dort finde sich auch eine lange Tabelle mit einer Auflistung von sogenannten „Informationsdefiziten und vorgeschlagenen weiteren Maßnahmen“. Alleine diese Tabelle beinhalte langjährige Erkundungen und Analysen des kontaminierten Geländes.

BUND lehnt Vorgehen ab
Aus den Vorträgen im Bauausschuss ergebe sich auch, dass bereits während der Altlastensanierung gebaut werden dürfe. Dieses Vorgehen lehnt der BUND entschieden ab. Auch sollte nach BUND-Ansicht während der Sanierung mit einem Bezug oder Bau (auch Erschließungsmaßnahmen) im Umkreis der Sanierungsflächen (Sicherheitsabstand mindestens 100 Meter) gewartet werden.

Der BUND fordert, dass zuerst der Sanierungsplan erarbeitet und veröffentlicht werden soll. Nach erfolgter Sanierungsgenehmigung dürfe erst nach daran anschließender abgeschlossener Sanierung mit Geländesicherung gebaut oder bezogen werden.

An eine rasche vollständige Sanierung des Geländes sei aus Sicht des BUND nicht zu denken. Die prognostizierten fünf Jahre zur Sanierung bezeichnet der BUND nach Erfahrung als „sehr schöngerechnet“. Er schätzt die Sanierungsdauer auf zehn bis 15 Jahre (oder Jahrzehnte).

Analyse habe oberste Priorität
Die Analyse der Schadstoffverteilung und die Umsetzung von Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen habe oberste Priorität vor dem Aushub der ersten Baugruben. Der BUND ist der Ansicht, dass ein verfrühter Baubeginn verantwortungslos wäre. Es sei möglich, dass Menschen durch zum Beispiel Ausgasungen schwere bis schwerste Gesundheitsschäden davontragen. Der BUND bezweifelt die teilweise in den Gutachten zu den Schadstoffen gemachten Aussagen (an einem Tag soll eine Kontamination zu riechen gewesen sein, die Messungen hätten aber keine Werte ergeben). Seine Empfehlung: Hier sollte mit größter Sorgfalt gearbeitet werden.

Der Arbeitskreis Altlasten beim BUND Hessen erinnert an die aus seiner Sicht anfangs nicht sachgerechte Sanierung einer vergleichsweise kleinen, schwer mit LHKW kontaminierten Fläche in Oberursel. Im Zuge dieser Sanierung seien Menschen schwer erkrankt, darunter drei Kinder. „Die Projektplaner in Hanau-Wolfgang sollten sich die Zeit nehmen und nicht übereilt in den Boden eingreifen“, so der BUND.

Regenwasser: Die Versickerung von Regenwasser werde für das Gebiet von Gutachtern nicht empfohlen, wegen der CKW-Bodenbelastung in einem Teilbereich. Der BUND: Wenn eine ordentliche LHKW (CKW)-Sanierung durchgeführt wird, sollte nach Abschluss der Sanierung das Regenwasser wieder versickert werden können. kb

 



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