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Halter sollen freilaufende Katzen kastrieren lassen

Hanau

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    Die Population der streunenden Katzen soll mit dem Vorschlag eingedämmt werden. Symbolbild: Pixabay

Hanau. Hanaus Katzenhalter sollen ihre Tiere bald kastrieren lassen müssen. Betroffen sind nicht alle Stubentiger, aber diejenigen, die nicht ausschließlich in der Wohnung leben und auch draußen frei herumlaufen.

Artikel vom 19. April 2018 - 10:29

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Von Christian Dauber

Das und eine Kennzeichnungspflicht sieht die Katzenschutzverordnung vor, die der Magistrat demnächst beschließen will. Am kommenden Montag steht auch ein CDU-Antrag zum Thema auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung.

Das Papier, mit dem der Magistrat aufgefordert wird, sich mit dem Thema zu beschäftigen und eine Kastrationspflicht zu prüfen, fand kürzlich bereits einstimmige Zustimmung im Haupt- und Finanzausschuss (wir berichteten). Die Christdemokraten hatten den Antrag im November ins Parlament eingebracht, von dort wurde er in den Ausschuss verwiesen. Parallel hatte die Stadt begonnen, eine Verordnung vorzubereiten.

Ziel: Weniger Streuner
Ziel ist es, die unkontrollierte Vermehrung verwilderter und herrenloser Katzen in Hanau zu reduzieren. Nach Informationen des Tierheims Hanau wird die Zahl der Streuner derzeit rund um die August-Schärttner-Halle auf 70 bis 80, in Großauheim auf 100, in Steinheim auf 50 und jene in den restlichen Stadtteilen auf jeweils 30 geschätzt. Viele von ihnen sind halb verhungert, krank, verfloht oder übersät mit Zecken. Sie vermehren sich untereinander oder eben mit jenen Artgenossen, die unkastriert auf Freigang sind, aber am Abend wieder in die Wohnzimmer zurückkehren.

Dies hat bereits für einen unkontrollierten Anstieg der Population gesorgt, denn Katzen sind bereits im Alter von vier bis sechs Monaten geschlechtsreif. Einmal pro Jahr können sie Nachwuchs bekommen, der Wurf kann aus bis zu sieben Kätzchen bestehen. Dass das Tierheim jene Katzen, die in die Einrichtung gebracht werden, schon länger kastrieren lässt, hat nichts geändert.

Zusätzliche Kennzeichnung per Chip
Die für freilaufende Katzen bald verpflichtende Kastration können Tierärzte durchführen. Das kostet in der Regel zwischen 150 und 200 Euro. Der Eingriff ist ab Ende des dritten Lebensmonats möglich. Die zusätzliche Kennzeichnung soll per Chip erfolgen. Die auf ihm gespeicherten Daten sollen im kostenfreien Haustierregister der Tierschutzorganisation Tasso eingetragen werden.

Bei Verstoß gegen die neue Verordnung sollen Bußgelder in Höhe von bis zu 1000 Euro drohen. Basis ist ein Musterentwurf des Hessischen Städtetags, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtrat Thomas Morlock im Ausschuss erläuterten. 2014 hatte das Land den Kommunen freie Hand gegeben, eine Kastrationspflicht für Katzen einzuführen. Über 20 Kommunen in Hessen haben dies bereits getan, darunter auch Wiesbaden und Darmstadt.

Problem der Überwachung
Laut Kaminsky sind dort die ersten Erfahrungen positiv. Allerdings gebe es „zweifellos ein Problem der Überwachung“. Die neue Verordnung solle auch ein Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Katzenhalter sein und auch Tierärzte animieren, auf die Kastrationspflicht aufmerksam zu machen.

Tierschützer fordern seit Langem eine Ausweitung der Kastrationspflicht in Hessen. Wie Daniela Müller vom Landestierschutzverband in Altenstadt Ende 2017 der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte, lehnten Politiker die Pflicht häufig ab, weil sie Zweifel an der Umsetzung und Notwendigkeit hätten, erklärte Müller. Das Elend der Streuner stelle Tierschutzvereine „personell und finanziell vor Probleme“. Befeuert werde das Problem durch den Bevölkerungsschwund im ländlichen Raum: „Wir haben Höfe, wo komplette Katzenpopulationen sich selbst überlassen werden“, sagte Müller der dpa.

Kastrationsaktionen
Mit einem Kastramobil, einem umgebauten Transporter, bietet der Landestierschutzverband örtlichen Vereinen Hilfe bei Kastration und tierärztlicher Versorgung der Streuner. Der Preis von 50 Euro pro Einsatz ist symbolisch. Doch gerade einmal zehn Einsätze im Jahr 2017 gab es laut Müller. Dabei seien insgesamt 100 streunende Tiere kastriert worden. Die Gesamtzahl der Streuner wird in Hessen auf bis zu 500 000 geschätzt. Für Kastrationsaktionen fehlten oft freiwillige Helfer, um die Lebendfallen aufzustellen.

 



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