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Freiheitsplatz-Schläger: Urteil gegen Ali Ö. gefallen

Hanau

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    Das Urteil gegen Ali Ö. ist gefallen. (Symbolfoto)

Hanau. Das Urteil im Verfahren gegen den Freiheitsplatz-Schläger ist gefallen: Ali Ö. muss für zwei Jahre und einen Monat hinter Gitter. Das Jugendschöffengericht schickte gestern am insgesamt fünften Prozesstag den 20-Jährigen wegen einschlägiger Vorstrafen und aufgrund der Beteiligung an einer Schlägerei in den Vollzug.

Artikel vom 04. April 2018 - 14:16

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Allerdings konnte ihm die unmittelbare, schwere Verletzung des Geschädigten, der während der Schlägerei auf einem Auge sein Augenlicht verlor, nicht nachgewiesen werden. Ali hatte im Laufe des Verfahrens eine Erklärung durch seinen Verteidiger, den Rechtsanwalt Christoph Pfeifer, verlesen lassen, in der er „zwei Schläge auf zwei Personen“ einräumte. Außerdem ließ er mitteilen, er „schäme sich“ dafür.

Den entscheidenden Schlag oder Tritt gegen den Geschädigten, der so hart ausfiel, dass dieser auf einem Auge erblindete, will er nicht geführt haben. Und genau diese schwere oder gefährliche Körperverletzung, das Mitführen eines „gefährlichen Gegenstands“ wie etwa eines Schlagrings, die einen höheren Strafrahmen erlauben würden, konnte ihm das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Filbert ebenfalls nicht nachweisen. Gemäß dem Rechtsgrundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ hatte auch Staatsanwältin Fauth in ihrem Plädoyer gestern nur ein ähnliches Strafmaß gefordert, wie es das Gericht schließlich verhängte: zwei Jahre und sechs Monate. Pfeifer hatte für seinen Mandanten noch auf eine Bewährungsstrafe plädiert, der Bericht der Jugendgerichtshilfe erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Zeugenaussagen seien unergiebig gewesen
Der Richter wies in seiner Urteilsbegründung auf die relativ „unergiebigen“ Aussagen einiger im Prozess gehörter Zeugen hin, die fast durchweg angaben, sich „nicht so genau erinnern zu können“.

Einige Zeugen bestätigten nur einen Schlag Alis, einen zweiten hätten sie nicht wahrgenommen. Immer wieder bekundeten einige, sie selbst oder ein Dritter hätten Ali „zurückgehalten“. Und das Video einer Überwachungskamera am Freiheitsplatz, das am Vormittag noch in Augenschein genommen wurde und die Keilerei zeigen sollte, erwies sich aus Sicht des Gerichts als unbrauchbar. Darauf waren lediglich Schemen zu erkennen, die Aufnahme deckte zudem nur einen Teilausschnitt des eigentlichen Tatorts auf dem Forum-Gelände ab. Die rechtliche Würdigung durch Richter Filbert sah zwei Fälle von Körperverletzung – nicht zuletzt aufgrund des Geständnisses des Angeklagten am zweiten Prozesstag – als erwiesen an. Das Geständnis wertete das Jugendschöffengericht allerdings nur teilweise zugunsten des Angeklagten, da es nach den Worten Filberts „in der Mitte des Prozesses“ erfolgt sei und auch „nur das zum Inhalt hatte, was ohnehin bereits bewiesen war.“

Beteiligung an Schlägerei schon strafbar
Stärker ins Gewicht aber fiel der Paragraph 231 des Strafgesetzbuches, der alleine schon für die Beteiligung an einer Schlägerei – ohne direkten Nachweis einzelner Handlungen – ein Strafmaß von bis zu drei Jahren vorsieht, wenn durch den Angriff der Tod eines Menschen oder eine schwere Körperverletzung verursacht wurde. An der Schwere der Tat und ebenso an der Beteiligung Alis bestanden kein Zweifel.

„Die Strafe ist schon aus erzieherischen Gründen und auch der Höhe wegen nicht zur Bewährung auszusetzen“, urteilte das Jugendschöffengericht. Zudem muss der Angeklagte die Kosten der Nebenklage tragen. Gegen das Urteil sind die Rechtsmittel der Beschwerde oder der Revision binnen einer Woche zulässig. Ob Rechtsanwalt Pfeifer Rechtsmittel einlegen will, war unmittelbar nach Prozessschluss noch nicht klar.

 



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