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Studie: Können Schmerzen nach Brust-OP gelindert werden?

Hanau

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    Das Team der Studienzentrale der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe ist „froh und stolz, an der INSEMA-Studie beteiligt zu sein“. Foto: PM

Hanau. Müssen Lymphknoten bei einer brusterhaltenden OP künftig entfernt werden? Das untersucht eine Studie, an der auch knapp 45 Patientinnen aus Hanau teilnehmen. Denn die Entfernung der Lymphknoten ist bei vielen Frauen die Hauptursache für chronische Schmerzen nach Brustkrebsoperationen.

Artikel vom 18. August 2016 - 16:31

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Was wäre Medizin ohne Forschung? Wie ginge Heilung ohne Therapie? Die Antwort ist simpel: Im Grunde gar nicht. Um die Chancen auf eben diese Heilung für möglichst viele Patienten zu vergrößern, bilden Fachkliniken sogenannte Studienzentralen, in denen die Betroffenen im Rahmen ihrer Behandlung an klinischen Studien teilnehmen können. Auch die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Hanau hat eine solche Studienzentrale ins Leben gerufen – und ist bei einer aktuellen Brustkrebsstudie unter den Top Zehn.

Klinische Studien ermöglichen Frauen, die beispielsweise an Brustkrebs erkrankt sind, frühzeitig und zum Teil bereits vor einer allgemeinen Zulassung, Medikamente und Wirkstoffe zu erhalten.

"Modernste und innovative Behandlungsmethoden"
Chefarzt PD Dr. Thomas Müller erklärt wie das geht: „Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt Krebsbehandlungen in zertifizierten Organzentren. Dazu gehört das Klinikum in Hanau, und zwar für Krebserkrankungen bei Frauen als einziger Standort im Main-Kinzig-Kreis. Das heißt, hier bündeln unterschiedliche medizinische Experten ihr Fachwissen. Mit der zusätzlichen Einrichtung einer Studienzentrale bieten wir Patientinnen aber noch mehr, denn sie können modernste und innovative Behandlungsmethoden, für die bereits ein positiver Effekt nachgewiesen werden konnte, nutzen. Damit werden diese Betroffenen wirklich nach dem allerneuesten wissenschaftlichen Erkenntnisstand behandelt.“

Aktuell nimmt die Hanauer Studiengruppe an einer großen Untersuchung („INSEMA-Studie“) unter der Leitung der Universität Rostock teil – beteiligt werden am Ende fast 6000 Patientinnen mit frühem Brustkrebs und einer geplanten brusterhaltenden Operation sein. Schon jetzt sind knapp 45 Patientinnen aus der Brüder-Grimm-Stadt mit im Boot.

Thema bewegt Klinikum seit Langem
Damit liegt das Klinikum unter den Top Zehn bundesweit. Bei der Studie, die in Fachkreisen als wegweisend gilt, untersuchen die Forscher, ob künftig bei einer brusterhaltenden OP die Lymphknoten nicht automatisch mit entfernt werden müssen. Für manche Frauen hat es negative Folgen, wenn sie Lymphknoten einbüßen – sie leiden unter Schmerzen, Schwellungen und Taubheitsgefühlen im Arm.

Wie auch eine Ende Juli veröffentlichte kanadische Studie zeigt, ist die Entfernung der Lymphknoten die Hauptursache für chronische Schmerzen nach Brustkrebsoperationen. „Wir sind froh und auch ein bisschen stolz, an der INSEMA-Studie beteiligt zu sein. Es ist ein wichtiges Thema, das uns am Klinikum seit Langem bewegt“, sagt Dr. Müller.

Klinische Studien kein Standard
Klinische Forschung sei die Grundlage für den Fortschritt in der Medizin und die Voraussetzung für wissenschaftlich belegte Behandlung. Klinische Studien und die Teilnahme daran sind in Krankenhäusern jedoch keinesfalls ein Standard. „Klinische Studien müssen hohe ethisch-rechtliche, methodische und wissenschaftliche Anforderungen erfüllen“, betont der leitende Oberarzt Roland Fricker, „sie sind logistisch komplex, müssen komplizierte Vorschriften berücksichtigen und internationalen Standards genügen.“

„Das Wichtigste ist, dass der Informationsaustausch immer weiter verbessert wird und wir den Patientinnen helfen können“, macht Chefarzt Dr. Müller klar, „die an Krebs erkrankten Menschen sind auf effektive und modernste Methoden angewiesen. Nehmen sie an der klinischen Studie teil, wozu wir so viele wie möglich ermutigen, begleiten wir sie sehr eng mit Beratung vorher und während der Maßnahme. Wir können und wollen die Patientinnen nicht allein lassen, sondern eine Basis des Vertrauens schaffen.“



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