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Frauenhaus-Plakataktion: Stimmen Sie jetzt ab!

Hanau

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    Das weinende Kind ziert das alte Plakat des Hanauer Frauenhauses. Jetzt wird ein neues Plakat gesucht. Archivfoto: PM

Hanau. Das Plakat des Hanauer Frauenhauses hat jahrelang beste Dienste geleistet Doch nun entschieden sich die Verantwortlichen, in einem Wettbewerb ein neues Plakat zu suchen. Seit Mittwoch kann man für seinen Favoriten abstimmen und so entscheiden, welches Plakat in Zukunft für das Frauenhaus werben soll.

Artikel vom 10. August 2016 - 11:55

Anzeige

Von Jutta Degen-Peters

"Ohne Team Werbung und den HANAUER ANZEIGER gäbe es das Frauenhaus heute nicht mehr“ – der Satz, den Jutta Müller vom Frauenhaus formuliert, steht für vieles: Für eine gute Idee zur rechten Zeit, für Hilfsbereitschaft und Offenheit bei Institutionen, für Spendenfreude bei Bürgern und Unternehmen und nicht zuletzt für einen Bewusstseinswandel, den eine Plakataktion in Gang gesetzt hat.

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte im Jahr 2003. Damals, so erinnert sich Müller, habe das 1981 in Hanau gegründete Frauenhaus wegen Existenznöten Kurzarbeit angemeldet. Die überwiegend vom Land Hessen getragene Einrichtung, die Frauen mit Gewalterfahrung Schutz und Zuflucht bot, erfuhr damals kurz vor dem Jahresende, dass die Landesregierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) im Folgejahr den Jahreszuschuss von 90 000 Euro nicht mehr zahlen würde.

Situation „absolut existenzbedrohend“
„90 000 Euro, das waren rund die Hälfte unserer Personalkosten.“ Jutta Müller bezeichnet die Situation in dieser Zeit als „absolut existenzbedrohend“. Damals reagierte Team-Kollegin Margit Denné aufgebracht und beschloss, an die Öffentlichkeit zu gehen. Eine Anzeigenkampagne schwebte ihr vor. Eine, die die Bürger über das Unrecht aufklären sollte, das dem Frauenhaus widerfahren war. Und eine, die obendrein die Landesregierung zur Rücknahme der Kürzungen auffordern sollte.

Als Denné spontan den PR-Mann Horst Fehnl anrief und um Unterstützung bat, war der Chef der Werbeagentur Team Werbung 3.0 zunächst verblüfft. „So etwas ist völliges Neuland für uns“, gab er zu bedenken. In der Regel sei seine Firma damit betraut, Werbekampagnen für Kunden zu entwickeln. Meist Unternehmen aus der Region. Doch das Anliegen ließ Fehnl keine Ruhe mehr. „Was Sie da vorhaben, wird nicht funktionieren“, formulierte Fehnl damals seine Einwände. „Viel besser wäre es, eine Kampagne ins Leben zu rufen, die die Bürger zu Spenden aufruft“, dachte sich der Hanauer Werbefachmann.

HA-Verleger Thomas Bauer sofort überzeugt
Fehnl wiederum holte sich den HANAUER ANZEIGER als Unterstützer ins Boot. Als Medium, das mit Anzeigen und redaktionellen Texten regelmäßig und im großen Stil für das Frauenhaus werbe, könne der HA die Aktion viele Schritte voranbringen, zeigte sich Verleger Thomas Bauer überzeugt.

Müller, die dem Team in Hanau schon seit 1983 angehört, stand neben Margit Denné in häufigem Telefonkontakt mit Mitarbeitern der Werbeagentur, bis diese alle Hintergrundinformationen hatten, die sie brauchten. Warum flüchten sich Frauen ins Frauenhaus? Wie ist deren soziale Situation? Wo kommen die Frauen her? Wie lange bleiben sie in der Einrichtung? Wie viele bringen ihre Kinder mit? Und welche Hilfen erhalten sie dort, um sich wieder auf eigene Füße zu stellen?

„Mami, warum haut er dich?“
Die genauere Kenntnis der Hintergründe bildete die Grundlage für das Entwerfen des ersten Plakats, mit dem das Frauenhaus an die Öffentlichkeit ging. Dort waren die Worte „Mami, warum haut er dich?“ unter dem Schwarz-Weiß-Foto eines weinenden Kindes zu sehen. Darunter prangt auf schwarzem Grund ein von Kinderhand gemaltes „Haus vom Nikolaus“ , das von gelben schützenden Klammern umschlossen wird.

Die Aufschrift Frauenhaus Hanau mit dem Spendenkonto trug die Überschrift „Wir brauchen kein Mitleid, sondern Mittel“. Gestaltet worden war die Anzeige von der freien Texterin Ulrike Streck-Plath aus Dörnigheim. Rasch waren dann auch zwei Schirmherren gewonnen: der damalige Sozialdezernent des Main-Kinzig-Kreises, Erich Pipa und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Einige Frauen erzählten ihre Geschichte
Die Anzeigen gingen in Druck und waren von da an in zahlreichen Ausgaben des HA zu sehen – begleitet von einer Serien-Berichterstattung über das Frauenhaus selbst. Einige der Frauen, die im Frauenhaus Schutz gefunden und sich später aus ihrer Gewalt-Beziehung freigeschwommen hatten, erklärten sich bereit, ihre Geschichte zu erzählen. So konnten die HA-Leser in loser Folge Anteil nehmen an den Schicksalen, die die Frauen in die Einrichtung in Hanau geführt hatten.

 


Veranstaltungen wie der Stadtlauf in Hanau waren schon früher zugunsten des Frauenhauses veranstaltet worden. Und es gab auch früher schon Zuwendungen durch Bußgeldbescheide und die eine oder andere Spende. „Aber als die Anzeigen immer wieder in der Zeitung erschienen und auch die Texte im Lokalteil, nahm die Spendenbereitschaft Fahrt auf“, erklärt Müller. Bereits im Jahre 2004 erbrachten Spenden von Bürgern, Unternehmen und Organisationen rund 60 000 Euro. „Das hätten wir uns nie zu träumen gewagt“, sagt Müller rückblickend.

Betreuung und Begleitung konnt aufrecht erhalten werden
Die Kurzarbeit konnte zurückgenommen und das Angebot der Aufklärung, Betreuung und Begleitung für die bis zu zwölf Frauen mit oder ohne Kinder aufrecht erhalten werden. Auch seit im Jahr 2015 die Kürzungen des Landes unter der schwarz--grünen Landesregierung zurückgenommen wurden, bleibt das Frauenhaus auf Spenden angewiesen und finanziert damit rund 32 Prozent seiner Personalkosten.

In den jährlich herausgegebenen Heften mit den Jahresberichten konnte das Frauenhaus immer wieder über ungewöhnliche Zuwendungen berichten. Jetzt kamen zu den Fördermitteln von Stadt Hanau, dem Kreis und den Kommunen wie Bruchköbel, Langenselbold, Maintal und Nidderau (genannt sind nur die Geber der größeren Beiträge), zu den Bußgeldern und Mitgliedsbeiträgen für den Verein „Frauen helfen Frauen“ als Träger der Einrichtung noch zahlreiche Zuwendungen von Bürgern, Vereinen und Firmen.

Neues Plakat gesucht
Nachdem der alte Anzeigen- und Plakatentwurf viele Jahre lang beste Dienste geleistet hat, entschieden sich die Initiatoren, hier für frischen Wind zu sorgen und lancierten den Wettbewerb, bei dem sich junge und ältere Menschen erneut Gedanken über die Thematik machen sollten. Am Mittwoch wurden die Entwürfe im Stadtladen vorgestellt.

Ohne die Kampagne und die Initiative von Team Werbung 3.0, dem HA und so vielen Unterstützern und Helfern wäre das Frauenhaus nach Meinung Müllers nicht überlebensfähig gewesen. „Vor allem aber hat uns die Kampagne aus der Scham-Ecke herausgeholt“, so Müller weiter. Heute genießen wir eine große Akzeptanz quer durch alle Teile der Gesellschaft, freut sich Müller mit ihrem Team.



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