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Interview: Trainer Schulz verspricht Belohnung nach guten Spielen

Handball

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    Kopf einschalten: Olli Schulz gibt bei der HSG Hanau die Richtung vor. Foto: Dagmar Gärtner

Handball. Fünfeinhalb Jahre lang war Patrick Beer Trainer der HSG Hanau, führte den Verein in die 3. Liga. Seit diesem Sommer hat Olli Schulz in der Trainingshalle sowie an der Seitenlinie das Sagen. 

Artikel vom 23. August 2019 - 10:50

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Vor dem Drittliga-Start am kommenden Samstag um 19.30 Uhr bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen II haben wir Olli Schulz zum Redaktionsgespräch gebeten. Der 38-Jährige hat im Interview über den gewaltigen ‧Unterschied zwischen der HSG Hanau und seinem Ex-Verein SG Rot-Weiß Babenhausen, die Vorfreude auf
die neue Saison, den Abgang von Tarek Marschall undden Wunsch seiner Spieler, im Training mehr Fußball zu spielen, gesprochen.

Willkommen in unserem Verlagshaus, Herr Schulz. Eine provokante Frage zum Beginn: Sind Patrick Beers Fußstapfen so groß, wie viele vermutet haben?

Ich will da nicht von Fußstapfen sprechen. Erst einmal sollte man Paddys Arbeit der vergangenen Jahre mit vollem Respekt würdigen. Er hat etwas hinterlassen, worauf sich aufbauen lässt. Mich mit Paddy zu vergleichen, wäre vermessen. Jeder hat seine eigene Herangehensweise. Für viele Spieler, die fünf Jahre mit Paddy gearbeitet haben, war es ein Unterschied in der Ansprache und Trainingssteuerung. Ich gehe meinen eigenen Weg, bin aber dankbar dafür, was Paddy mir hinterlassen hat.

Hatten Sie seit dem Trainerwechsel Kontakt mit Patrick Beer?

Der erste Kontakt war, als er mir die Schlüssel für die Sporthallen vorbeigebracht hat. Da hat er mir erst mal unter die Nase gerieben, welche Ausflüge er jetzt in der Kürze der Zeit macht, wo er in den Urlaub hinfährt. Ich habe mir nur gedacht: „Und ich stehe bei 40 Grad in der Doorner oder der Main-Kinzig-Halle.“ Es sei ihm aber gegönnt.

Sie sind, wie Patrick Beer, Eintracht-Fan. Er war am 1. Spieltag gegen Hoffenheim im Stadion, Sie mussten – oder durften – zeitgleich beim Pokalspiel gegen Erlangen in der Halle stehen.

Ich habe da aber Leidensgenossen in der Mannschaft, zum Beispiel Sebastian Schermuly – von daher ist halbes Leid geteiltes Leid. Ich habe mich aber für Paddy gefreut. Mein Bruder und mein Vater waren auch da, sie haben eine Dauerkarte. Aber ich werde sicher auch mal wieder in den Genuss kommen.

Was ist der größte Unterschied zwischen der HSG Hanau und Ihrem Ex-Verein SG Rot-Weiß Babenhausen?

Hier ist ein gewisser Anspruch vorhanden, das kann man nicht von sich weisen. Die letzten fünf Jahre in Babenhausen habe ich recht frei gearbeitet. Da hat nie jemand erwartet, dass wir aufsteigen, weil wir nur mit ganz limitierten Ressourcen gearbeitet haben. Auch einen Abstieg hätte mir da niemand krummgenommen, da hätte man sich wieder auf die Derbys in der Landesliga gefreut. Hier ist schon eine ganz andere Dynamik drin.

Nach zwei dritten Plätzen und mit den hoch gehandelten neuen Spielern steigen die Erwartungen.

Das kann nur Platz eins für uns heißen (lacht). Spaß beiseite: Es ist eine sehr interessante und gefährliche Liga mit vielen Derbys. Natürlich sind wir aufgrund der Neuzugänge und der letztjährigen Platzierung in die Situation gekommen, dass wir sagen: „Wir wollen uns da oben festsetzen.“

Das ist unsere Marschroute, aber auch mit dem Wissen, dass man im letzten Jahr mit zwei Niederlagen mehr auf dem achten Platz gestanden hätte. Wir werden mit unserer Mannschaft bei Derbys sicherlich nicht mit offenen Armen empfangen. Da wird es Spitz auf Knopf gehen. Die Mannschaft hat aber das Potenzial, sich in eine Saison reinzuspielen und zu erkennen, dass man vielleicht auch Großwallstadt und Nußloch die Stirn bieten kann.

Wie schwer wiegt der kurzfristige Abgang von Talent Tarek Marschall?

Ich habe fest mit ihm geplant, er hatte auch in der Vorbereitung seine Spielanteile. Es ist natürlich schade, aber wir als Hanauer können ihm ja nicht sagen: „Komm bleib hier.“ Das hätte ihm sicherlich gut getan, weil er in Erlangen vorwiegend auch in der 3. Liga zum Einsatz kommen wird. Der Wunschgedanke wäre natürlich gewesen, wenn wir ‧eine Kooperation mit Wetzlar geschafft hätten, dass er dort mittrainieren kann. Aber den Wechsel konnten wir ihm nicht verwehren. Man wünscht sich aber natürlich auch, dass er das nicht vergisst. Die Tür wird ihm hier immer offen stehen. Dass ihm der Abschied schwergefallen ist, hat man gesehen, als er der Mannschaft das im Training in der Doorner Halle berichtet hat. 

In der Vorbereitung lief es nicht immer glatt. ‧Einige Vorbereitungsspiele, zum Beispiel beim Turnier in Kleinostheim, ließen zu wünschen übrig. 

Man muss das etwas relativieren. Wir hatten in der Vorbereitungsphase zwei sehr gute Drittel. Vom dritten Drittel gegen Ende, wo wir auch den f.a.n.-Cup gespielt haben, habe ich mir etwas mehr erwartet. Es haben viele mit Blessuren gefehlt, auch mal beruflich. Zudem mussten wir nach Jannik Rupperts schwerer Verletzung einiges Taktische wieder über den Haufen werfen, was wir uns bis dahin erarbeitet hatten.

Hatten Sie daher mit einer solch überzeugenden Partie im DHB-Pokal gegen Zweitligist TV Hüttenberg gerechnet?

Es waren ja auch gegen Ende der Vorbereitung viele gute Momente dabei. Dazu hatte ich die Hoffnung, dass die Mannschaft gut in den Wettkampfmodus kommt, wenn es um Punkte oder ums Weiterkommen im Pokal geht. Das hat sie dann gegen Hüttenberg ganz gut gemacht (lacht).

Ihr Vater war einst auch Trainer in Kesselstadt. Gibt er Ihnen Ratschläge oder hält er sich zurück?

Wir reden viel über Handball. Ich nehme da viel auf. Ich bin dankbar, wenn er mir sagt, was schlecht ist. Auch nach so einem Spiel wie gegen Hüttenberg. Das gilt aber nicht nur für meinen Vater, sondern für alle, die mir positives oder negatives Feedback geben.

Für Sie ist es auch eine Rückkehr?

Ja. Schön finde ich, dass ich auf der Bank sitze und mir gegenüber sind drei, vier Jungs mit ihrem Blauen-Block-T-Shirt, die früher unter meinem Vater gespielt haben und jetzt die Mannschaft anfeuern. Da kommen schöne Erinnerungen an früher hoch. Obwohl ich erst seit ein paar Wochen hier bin, fühlt sich das schon sehr vertraut an.

Sie haben taktische Veränderungen vorgenommen. Hat die Mannschaft das schon so verinnerlicht, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Aufgrund der Neuzugänge und Jannik Rupperts Verletzung ist unsere Vorbereitung noch nicht abgeschlossen und wird bis in die Saison hineingehen. Wir haben jetzt den Luxus, je nach Gegner zwischen dem altbewährten 6:0-System von Paddy oder dem neu erprobten 3:2:1-System – oder noch offensiver – wählen zu können. Da müssen die Absprachen stimmen. Um vom Verinnerlichen zu sprechen, wird das noch ein, zwei Jahre dauern.

Eine Veränderung hat die Mannschaft bei der Teamvorstellung angesprochen: Sie will im Training mehr Fußball spielen. Haben die Spieler Sie inzwischen rumgekriegt?

Es wird nach wie vor so sein, dass es einen Kick in der Woche geben wird. Ich lasse mich gerne auch mal zu zwei Fußballpartien breitschlagen. Aber Fußball weckt immer so einen Ehrgeiz und dann geht’s ein bisschen länger, und die Jungs wollen auch pünktlich nach Hause. Ich bin aber sehr kompromissbereit. Wenn sie gute Argumente liefern, sprich am Wochenende gut spielen, kann ich auch mit dreimal Fußball am Wochenende um die Ecke kommen.

Sie haben mal gesagt, dass jeder Trainer seine eigenen Regeln und Prinzipien hat. Welche sind Ihre?

Mir ist wichtig, dass ich für jeden erreichbar bin. Auch für die Spieler, die wir aus der A-Jugend hochgezogen haben, oder unsere drei Rechtsaußen. Ich brauche auch das Feedback von den Jungs. Mir ist wichtig, dass ich, egal wie es läuft, bin, wie ich bin, und dass die Spieler das erkennen. Der offene Austausch ist mir sehr wichtig, auch wenn es mal nicht so läuft.

Wie haben es die beiden bisherigen Rechtsaußen Björn Christoffel und Dennis Gerst aufgenommen, dass plötzlich mit Daniel Wernig ein Ex-Bundesligaspieler auf ihrer Position da ist?

Am Anfang hatte ich meine Bedenken. Das waren auch die ersten Telefonate, die ich mit den Spielern geführt habe, als ich noch gar nicht in Hanau war, weil es mir wichtig war, die Situation zu skizzieren. Ich wollte auch beide dabei haben. Beide haben wahnsinnig gute Fähigkeiten, die sie der Mannschaft zur Verfügung stellen können, was uns gefährlicher und flexibler macht. Dennis ist ein überragender Gegenstoßspieler, der gut Bälle und Passwege antizipieren kann. Er kann auch in seinem Alter noch stark von einem Routinier wie Daniel Wernig profitieren. Wenn Björn was sagt, hören alle zu. Er hat eine klare Ansprache, ist emotional voll da und einer, der zupackt. Er ist sich für nichts zu schade. Das sind so Typen, die du als Mannschaft brauchst.

Auf welche Spiele in der 3. Liga freuen Sie sich besonders?

Ich wohne in Rodgau. Aber es ist wahrscheinlich eher für Nieder-Roden das Spiel der Spiele. Ich mag die Atmosphäre in Gelnhausen. Es hat mich immer gereizt, dort zu spielen. Als ich in Kesselstadt in der B-Jugend gespielt habe, hat unser damaliger Auswahltrainer Andy Neumann und mich mit nach Groß-Bieberau genommen. Auch dort kennt man sich. Die Derbys sind grundsätzlich cool. Ich fahre aber auch gerne nach Großsachsen und Leutershausen, wo die Hallen pickepackevoll sind. Genauso finde ich Busfahrten nach Baunatal, Dresden oder Leipzig reizvoll, wo man lange Zeit mit seiner Mannschaft zusammen ist.

Sie haben auch lange in Obernburg gespielt. Kennen daher auch Kirchzell und Großwallstadt.

Ja, deswegen sind auch die Spiele dort für mich etwas Besonderes. Mein Herz hat früher für den TVG geschlagen, ich war als Kind schon dort. Mein Onkel hat da gespielt, ich habe zu Obernburger Zeiten da ab und zu mittrainieren dürfen. Jetzt als Trainer in einem Pflichtspiel so einem Verein gegenüberzustehen, ist schon sehr besonders.

Das Interview führte Thorsten Jung.



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