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Schiri wird von Spieler bedroht - das sind seine Verhaltenstipps

Fußball

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    Heiko Springer pfeift für den FC Hochstadt. Durch den Vorfall in der Kreisliga A Offenbach lässt er sich den Spaß am Fußball nicht nehmen. Foto: Roland Adrian

Fußball. In der Kreisliga A Offenbach ist im November ein Schiedsrichter von einem Spieler bedroht worden. Die Fälle häufen sich, vor allem in Südhessen. Diesmal fand sich ein Schiedsrichter aus Hanau in der Opferrolle. Heiko Springer ist erfahren, hat schon über 1000 Spiele geleitet. So etwas ist ihm dabei noch nie passiert. 

Artikel vom 02. Dezember 2019 - 13:53

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Von Thorsten Jung

Das A-Liga-Spiel zwischen TuS Froschhausen und Italsud Offenbach ist schon beinahe zu Ende. Entschieden ist es ohnehin längst. 9:2 liegt die Heimmannschaft in Führung. „Im Mittelkreis kam es zu einem Foul eines Spielers von Froschhausen. Er hatte sich aufgestützt. Ich habe gepfiffen, der Italsud-Spieler stand auf und hat den Froschhäuser von hinten mit beiden Händen in den Rücken gestoßen“, erzählt Heiko Springer, der ihm direkt die Rote Karte zeigte.

"Spieler rastet völlig aus"

„Wohl der des Feldes verwiesene Italsud-Spieler rastet völlig aus und will den Schiedsrichter angreifen“, ist im Liveticker der TuS Froschhausen zu besagtem Spiel zu lesen. Von einem „klaren Schlagversuch“ ist die Rede. „Seine Mitspieler und TuS-Spieler versuchen, ihn vom Schiri fernzuhalten, was Gott sei Dank gelingt. Trotzdem müssen Betreuer und mehrere Ordner aufs Feld, um zu deeskalieren. Wahnsinn.“

Das könne man so unterschreiben, sagt Heiko Springer, der für den FC Hochstadt pfeift, mit etwas Abstand. „Ich habe eine versuchte Bedrohung wahrgenommen, mich aber nie gefährdet gefühlt“, meint der 62-Jährige, der zugibt, dass es schon „heftig ist, wenn einer einem mit der Faust droht“. Es sei bei über 1000 Spielen aber wirklich ein Einzelfall gewesen.

Das sind Springers Strategien

Um derartige Aggressionen gegen seine Person zu vermeiden, hat der ehemalige Sportpsychologie-Student seine eigene Strategien, die er gerne an junge Schiedsrichter weiter gibt:

Spielvorbereitung: „Ausgeschlafen sein, viel trinken und rechtzeitig auf dem Sportplatz sein. Vor dem Spiel wärme ich mich intensiv auf dem Spielfeld auf. Damit zeige ich den Spielern, dass ich das Spiel ernst nehme. Das honorieren sie.“

Kommunikation aufbauen: „Ich gehe vor dem Spiel zu beiden Mannschaften, stelle mich vor, erkläre in drei Punkten meine Spielleitung. Ich will ihnen zeigen, dass ich kein Feind oder Gegner bin, sondern Sportkamerad.“ Auch mit Betreuern oder Zuschauer spricht Heiko Springer schon vor dem Anpfiff.

Ruhe ausstrahlen: „Ich muss auf dem Platz selbst ruhig bleiben, darf keine Hektik reinbringen.“

Humor haben: „Ich will auch mal Lockerheit reinbringen, lobe Spieler. Ich sage zum Beispiel mal: 'Das war ein klasse Tor von dir!'“

Mit den Spielern beschäftigen: „Ich schaue mir vor dem Spiel die Aufstellungen an, übertrage die Namen der Spieler auf eine Notizkarte. Es ist hilfreich, Spieler mit Namen anzusprechen, dann schreien sie einen seltener an.“

Körperliche Fitness: „Mir ist es wichtig, so oft in der Woche zu trainieren, wie die Sportler, deren Spiel ich leite.“

Geistige Fitness: „Regelkenntnisse sind natürlich unabdingbar. Es gibt Schulungsabende der Schiedsrichtervereinigung, die es zu besuchen gilt. Die Schiedsrichterzeitung des DFB ist sehr zu empfehlen, auch die Regeltests, die der HFV anbietet.“

Selbstkritisch sein: „Man muss selbstbewusst und selbstkritisch auftreten, sich auch selbst reflektieren. Man sollte sich auch seiner Verantwortung und der Macht, die man in den 90 Minuten hat, bewusst sein.“ 

Routine: „Eine klare Abfolge in der Vorbereitung bringt Sicherheit. Ich bin eine Stunde vor dem Anpfiff auf dem Sportplatz, spreche mit den Verantwortlichen des Heimvereins, lasse mir die Schiedsrichterkabine zeigen, ziehe mich um, wärme mich auf, gehe das Spielfeld ab, schaue nach den Tornetzen und spreche mit beiden Mannschaften.“

Die Erfahrung, dass ein Schiedsrichter trotz der besten Spielvorbereitung, des freundlichsten Auftretens und der größten Kommunikationsfreude nicht vor Bedrohungen oder Angriffen sicher ist, musste nun auch Holger Springer machen.

Der erste heftige Vorfall

Der Vorfall in Froschhausen sei, „was Bedrohung oder versuchte Bedrohung anging, mit das Heftigste“, was er in seiner Zeit als Schiri erlebt habe. Einmal sei er im Kahlgrund nach einem Spiel von Zuschauern verbal attackiert worden. „Das hat mich damals mehr beschäftigt“, so Holger Springer, dem man die Leidenschaft für sein langjähriges Hobby anhört.

Und auch, wenn er gerade erst heftig bedroht wurde, verliert er diesen Spaß nicht. Wenig später stand er wieder auf dem Platz und leitete ein A-Jugend-Spiel in Bischofsheim. „Bei mir bleibt das Positive hängen“, sagt Heiko Springer, „ich wurde beschützt.“



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