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René Clausing stirbt mit 27 Jahren an Lymphknotenkrebs

Fußball

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    Mit nur 27 Jahren stirbt René Clausing an Krebs. Foto: Privat

Fußball. Nur wenige Wochen nach dem schönsten Tag in seinem Leben hat René Clausing den Kampf um sein Leben verloren. Zwischen der Geburt seines Sohnes, der Horror-Diagnose und dem Tod des 27-Jährigen lagen nur wenige Tage. Sein Verein, der TSV Niederissigheim, steht unter Schock.

Artikel vom 11. Oktober 2018 - 11:26

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Von Thorsten Jung

Die Lebensgefährtin muss den drei Monate alten Sohn alleine versorgen. Ein Spendenkonto, das der TSV eingerichtet hat, sowie eine Spendenaktion des FC Hanau 93 beim heutigen Spiel gegen Eintracht Frankfurt sollen ihr finanziell etwas Absicherung geben. Doch all das kann die Trauer über den überraschenden Tod nicht mildern.

Am 9. September trug René Clausing zum letzten Mal das Trikot mit der Nummer elf seines TSV Niederissigheim. Im Zweitmannschaftsspiel lief er an der Seite seiner Freunde gegen den SV Oberdorfelden II auf. Nach den Stationen DJK Kahl und Germania Großkrotzenburg war er beim TSV heimisch geworden. „In seinem ersten Spiel für uns gegen Heldenbergen hat er gleich einen Dreierpack gemacht“, erinnert sich Adrian Schmidt, Spielführer der zweiten Mannschaft des TSV Niederissigheim.

Diagnose kurz vor Tod

In den Tagen nach dem Spiel gegen Oberdorfelden fühlte sich René Clausing träge und schlapp, ging zu Ärzten. Zuerst vermutete man eine Erkältung, dann Pfeiffersches Drüsenfieber. „Irgendwann rund um den 24. September hat er die Diagnose Lymphknotenkrebs bekommen. Er hatte eine Schwellung im Gesicht und im Schulterbereich“, so Schmidt. Obwohl die Ärzte gute Heilungschancen prognostizierten, ging es mit der Gesundheit von René Clausing rapide bergab. „Der Krebs ist schnell auf die Hauptschlagader gegangen“, erklärt Schmidt.

In der Nacht auf den 1. Oktober wurde er ins künstliche Koma gelegt. Die Ärzte wollten mit der Behandlung beginnen, damit sich der Krebs nicht weiter ausbreitet. Schon zwei Tage später verlor René Clausing den Kampf um sein Leben. Zurück bleiben seine junge Lebensgefährtin, der kleine Sohn, seine Familie und ein geschockter Fußballverein.
Zunächst wussten nur René Clausings engste Freunde sowie das Trainerteam von der Diagnose. „Eigentlich wollten wir die Mannschaft vor unserem Spiel am 3. Oktober über Renés schlimme Krankheit informieren. Leider mussten wir eine andere Nachricht überbringen.“

Unwirkliche Situation für die Mannschaft

Wenn Schmidt von der Situation in der Umkleidekabine des SV Wolfgang, wo der TSV Niederissigheim an diesem Tag gegen Safakspor Hanau II spielte, erzählt, kann man sich nur schwer in diese Situation hineinversetzen. Für die Beteiligten war sie brutal. Irgendwie unwirklich. René Clausings Lebensgefährtin überbrachte der Mannschaft die schreckliche Nachricht persönlich. „Sie hatte keine Lust auf Gerüchte, hat die rasante Entwicklung der letzten Wochen beschrieben. Dass man nie die Chance
hatte, es zu erklären, weil man nie etwas Greifbares hätte sagen können. Und dass man niemanden verrückt machen wollte. Sie war so stark!“

René Clausings Lebensgefährtin zeigte Stärke, Mut und Größe – trotz ihrer jungen Jahre. Und vor allem trotz des großen Verlusts, der erst wenige Stunden zurücklag. Sie hat gerade Abitur gemacht. Die beiden lebten gemeinsam in Niederrodenbach, waren dabei, sich etwas aufzubauen – und plötzlich fällt der Hauptverdiener weg.
Der TSV Niederissigheim hat ein Spendenkonto eingerichtet. Beim heutigen Freundschaftsspiel zwischen dem FC Hanau 93 und Eintracht Frankfurt führen die 93er eine große Spendenaktion durch (siehe Infobox). Aktionen, die in diesen schweren Tagen helfen sollen.

Große Geste des Teams

„Am Freitag ist die Beerdigung, an der wir natürlich vollständig teilnehmen. Aber den TSV Niederissigheim wird das länger beschäftigen. Wir sehen das jetzt als langfristige Verantwortung“, beschreibt Schmidt die schwierige Situation im Klub. Am vergangenen Sonntag sind René Clausings Freunde mit einem T-Shirt auf den Platz gegangen, auf dem ein Foto von ihm abgedruckt ist, um seiner zu gedenken. „Das werden wir jetzt immer anziehen“, verspricht Schmidt. Auch eine Gedenkminute wurde abgehalten.

Seine Mitspieler dachten dabei vielleicht auch an René Clausings zahlreiche Tore, seinen absoluten Torriecher, seine selbstkritische Art, seinen Kampfgeist, den er in jedem Zweikampf zeigte, seine Ballverliebtheit, die er manchmal an den Tag legte, aber vor allem an eine herzensgute Seele. „René war einer, mit dem man immer über alles reden konnte. Ein mega guter Kerl, auf den wir uns immer blind verlassen konnten.“
Ohne Zweifel: René Clausing hinterlässt eine riesengroße Lücke. Nicht nur beim TSV Niederissigheim und seiner kleinen Familie.

Spendenkonto des TSV Niederissigheim: Sparkasse Hanau, IBAN: DE34 5065 0023 0037 1575 26, BIC: HELADEF1HAN, Verwendungszweck: Spende Trauerfall Clausing



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