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Nestbau auf Funkmast: Storch hält Bahnmitarbeiter auf Trab

Schöneck

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    Das Storchenmännchen bringt gerade wieder Baumaterial zum Nest an der Büdesheimer Bahnlinie. Die ständigen Bemühungen der Bahn, dem Bauen auf dem Funkmast mit neuen Stäben Einhalt zu gebieten, schlagen 2019 fehl. Archivfoto: PM

Schöneck. Der Ersatzbrutplatz steht bereit. Aber ob der Büdesheimer Baumeister einzieht, ist noch unklar. Seit 2016 brütet auf dem Funkmast an der Bahnlinie ein Storchenpaar. Das missfällt der Deutschen Bahn Netz AG. 

Artikel vom 06. Februar 2020 - 11:03

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Der Funkverkehr sei beeinträchtigt, heißt es. 2019 sollte endlich Schluss sein. Zu Beginn der vergangenen Brutsaison wurden das Nest entfernt und Abwehrmechanismen auf dem Mast errichtet. Doch das Storchenmännchen nimmt die „Herausforderung“ an. Die Deutsche Bahn muss in Kauf nehmen, dass sich Meister Adebar wieder „eingenistet“ hat. In diesem Jahr startet die Bahn einen neuen Versuch. 

„Es war abenteuerlich, zu beobachten, welche Wege das Storchenmännchen gefunden hat, um das Nest neu zu bauen“, sagt Christa Jäger vom Schönecker Vogelschutzverein. Sie beobachtet das Geschehen seit mehreren Jahren. So auch 2019. Nach allen Seiten ausgerichtete Stäbe sollten verhindern, dass die Störche erneut ein Nest bauen. „Das Storchenmännchen fand aber dennoch Wege, wie es landen und immer wieder erneut Zweige hinauf auf den Mast bringen und anordnen konnte“, berichtet Christa Jäger. Auch von einer angebrachten reflektierenden Greifvogelabwehrkugel ließ dieser Baumeister sich nicht beeindrucken.

„Aber dieser Storch ist schlau“

Viele Tage beschäftigte er die Mitarbeiter der Bahn, die fast tagtäglich auf den Turm kletterten, um die stets neu hinauf gebrachten Zweige zu entfernen. Noch einmal wurden die so genannten Vergrämungsmaßnahmen verstärkt, neue und noch längere Stäbe mit roten Endkappen, die den Storch irritieren sollten, sollten dem Nestbau nun endgültig ein Ende setzen. Drei Tage fanden keine Aktivitäten mehr seitens des Storches statt, Zweige auf die Spitze des Funkmastes zu bringen.

„Aber dieser Storch ist schlau“, sagt Christa Jäger, „diese drei Tage nutzte der Baumeister zu einem Brainstorming, legte sich einen Plan zurecht, wie er dennoch sein Ziel, erneut ein Nest zu bauen, erreichen könnte. Einen Terminkalender führte er auch, denn genau nach diesen drei Tagen an einem Samstagmorgen, von dem er ja wusste, die Bahnmitarbeiter wären im Wochenende und würden ihm nicht mehr dazwischenfunken, legte er los“, erzählt sie. 

Nest dürfe nicht zerstört werden

Mit Zweigen im Schnabel sei er hinauf zum Funkmast geflogen, landete senkrecht von oben zwischen den Stäben und legte sie ab. „Dieses tollkühne Wagnis mitanzuschauen, ließ einem den Atem stocken“, sagt Christa Jäger. Den ganzen Tag über sei er unermüdlich zwischen Funkmast und Wiesen hin und hergeflogen. Mit jedem Zweig, den er hinaufflog, sorgfältig zwischen dem Stabgeflecht ablegte, wuchs das neue Zuhause, die Abwehrstäbe bogen sich zur Seite. „Gegen Abend des besagten Tages war das Nest komplett fertig.“

Der Ersatzbrutplatz im Hintergrund: Die Schönecker Vogelschützer haben hier bei ihrer Winterwanderung einen kleinen Stopp eingelegt. Sie hoffen, dass der Storch sein neues Zuhause annimmt. Foto: PM

1:0 für den Storch. Das Nest durfte jetzt aus artenschutzrechtlichen Grundlagen nicht mehr zerstört werden. Nach weiteren zwei Tagen traf das Weibchen ein, gemeinsam erledigten sie noch den Innenausbau des neu geschaffenen Zuhauses und dann konnten beide sich dem widmen, weshalb sie wieder aus dem Winterquartier zum Brutplatz zurückgekehrt waren: brüten und gemeinsam Kinder groß ziehen, drei an der Zahl waren es im vergangenen Jahr.

„Hier seid ihr erwünscht, bitte einziehen!“

Jetzt heißt es, das alte Nest auf dem Funkmast möglichst schnell zu entfernen und den Mast so zu präparieren, dass dem Storch ein Landen gar unmöglich macht. Der schlaue Baumeister wurde bereits im Dezember letzten Jahres und auch in diesem Januar auf seinem angestammten Brutplatz gesichtet und mit Sicherheit werde er weiterhin alles unternehmen, um ihn sich wieder zu erobern. „Die Treue zum Brutplatz ist extrem ausgeprägt bei Störchen“, erläutert Christa Jäger.

So überlegten sich die Vogelschützer, die bei ihrer Winterwanderung am neu errichteten Storchenhorst vorbeikamen, ob sie nicht ein großes Schild an den neu errichteten Storchenhorst anbringen sollen mit der Aufschrift „Hier seid ihr erwünscht, bitte einziehen!“ fmi

Noch mehr zum findigen Storch gibt es auf der Website der Vogelschützer. ›› vogelschutzverein-schoeneck.de



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