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Tote auf Reiterhof: Kripobeamte ermitteln in Rumänien

Schöneck

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    Der Ort des Verbrechens: Hier soll der Verdächtige die 51-Jährige getötet haben. Archivfoto: tok

Schöneck. Er soll am 10. September 2018 seine Chefin auf dem Büdesheimer Buchwaldhof im Streit stranguliert und versucht haben, das Verbrechen als Suizid zu tarnen. Jetzt zieht sich die Schlinge der Indizien immer enger um den mutmaßlichen Täter, einen 23-jährigen Pferdepfleger, der seit Ende Januar in Untersuchungshaft sitzt.

Artikel vom 19. März 2019 - 12:39

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Von Thorsten Becker

Der Büdesheimer Fall wird damit noch internationaler. Denn unter teils abenteuerlichen Umständen hat die Hanauer Mordkommission in den vergangenen Tagen neue Spuren und Beweismittel entdeckt – rund 1500 Kilometer vom Tatort entfernt in den Karpaten. Das hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, Dominik Mies, am Dienstag veröffentlicht.

Hintergründe zu den Auslandsermittlungen

„Es war uns bekannt, dass der Verdächtige nach dem Verbrechen offenbar zunächst zu seiner Familie nach Rumänien gereist ist. Erst danach ist er nach Österreich gereist, um wieder auf einem Hof zu arbeiten“, berichtet Mies zu den Hintergründen der intensiven Auslandsermittlungen.

So geriet die Kleinstadt Resita (Reschitz) ins Visier der Hanauer Mordkommission. Von dort, einem kleinen Ort im Banater Gebirge, das zu den Westrumänischen Karpaten gehört, soll der mutmaßliche Täter stammen. Dort soll er sich kurz nach der Tat bei seiner Ehefrau sowie Verwandten aufgehalten haben.

Nach Angaben der Polizei musste das fünfköpfige Ermittlerteam im Grenzgebiet zwischen Rumänien und Serbien lange und beschwerliche Anfahrten über unbefestigte Straßen und Wege in Kauf nehmen, um ans Ziel zu kommen. 

Sicherstellung mehrerer Beweismittel

Doch die Dienstreise scheint sich gelohnt zu haben. „Es wurden mehrere Beweismittel sichergestellt“, so Oberstaatsanwalt Mies weiter. Insgesamt seien mit Unterstützung der rumänischen Justiz und Polizei sowie Beamten des Bundeskriminalamts drei Wohnungen durchsucht und vier Zeugen vernommen worden. 

Dabei soll auch die Kleidung gefunden worden sein, die der Beschuldigte am 10. September vergangenen Jahres in Büdesheim getragen haben könnte. Ob es sich dabei um verwertbare Spuren handelt, soll nun in den kommenden Wochen den Laboren des Hessischen Landeskriminalamts untersucht werden, so der Oberstaatsanwalt. 

Während die Ermittler offenbar den richtigen Riecher hatten, habe die Staatsanwaltschaft die Spurensuche juristisch in die Wege geleitet. „Wir mussten die rumänischen Behörden um Amtshilfe bitten. Das hat in diesem Fall sehr gut funktioniert.“

"Akribische Ermittlungsarbeit"

Mies lobte derweil auch die „akribische Ermittlungsarbeit“ des Kommissariats 11: „Die Ermittler haben nicht nur sehr schnell festgestellt, dass es sich nicht um einen Suizid handelt, sie sind auch weiter am Ball geblieben und haben über ihre reguläre Dienstzeit hinaus ein großes Pensum geleistet.“ 

Die Staatsanwaltschaft Hanau geht weiter davon aus, dass der 23-Jährige, der auf dem Buchwaldhof als Pferdepfleger angestellt war, wegen eines Streits über sein Arbeitsverhältnis die 51-jährige Bianca H. stranguliert hat. Dann habe er versucht, die Tat zu verschleiern, denn die Leiche der Frau wurde aufgehängt entdeckt. Alles sollte wie ein Suizid aussehen.

Keine Täuschung möglich

Doch die Hanauer Kriminalisten ließen sich von der Inszenierung nicht täuschen – eine Obduktion brachte schließlich die Gewissheit, dass es sich um eine Gewalttat gehandelt hat.

Schnell geriet der 23-Jährige in Verdacht. Der Mann war am 10. September von der Bildfläche verschwunden. Doch rasch führte die Spur nach Österreich, dort hatte der Pferdepfleger auf einem Gestüt in der Nähe von Wien angeheuert. 

Am 25. Januar wurde der dringend Tatverdächtige dann mit Unterstützung des Landeskriminalamtes Niederösterreich festgenommen und anschließend nach Deutschland ausgeliefert. Wegen des Verdachts des Totschlags hat das Amtsgericht Hanau den Mann bereits in Untersuchungshaft geschickt. Bei seiner Festnahme soll der 23-Jährige das Verbrechen weitgehend eingeräumt haben.



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