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Oberrodenbach steht bald ohne Hausarzt da

Rodenbach

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    Dringend Nachfolger für den einzigen Hausarzt in Oberrodenbach gesucht: Bis zum Jahresende praktiziert Dr. Jürgen Zillinger noch. Foto: Axel Häsler

Rodenbach. Schlechte Nachrichten zum Jahresende für die 2400 Einwohner von Oberrodenbach: Überraschend hat der einzige Hausarzt Oberrodenbachs angekündigt, zum Jahresende seine Praxis zu schließen. Der Run der Patienten hat schon eingesetzt, die schleunigst ihre Akten abholen wollen. 

Artikel vom 02. Dezember 2019 - 11:20

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Von Torsten Kleinerüschkamp

Der kleinere Ortsteil der Gemeinde Rodenbach ist ab Januar komplett ohne niedergelassenen Hausarzt. Der derzeitige und einzige Allgemeinmediziner hat jahrzehntelang in Oberrodenbach praktiziert.

Schwierige Suche nach Nachfolger

Die Entwicklung hat Rodenbachs Bürgermeister Klaus Schejna (SPD) bedauert. Er will sich dafür einsetzen, einen Nachfolger für Dr. Jürgen Zillinger zu finden. „Allerdings gestaltet sich der Erhalt der ärztlichen Versorgung in Oberrodenbach auf Grund der allgemein schlechten Hausarztversorgung abseits von Großstädten schwierig“, sagte der Verwaltungschef. 

„Die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde sind leider gering“, bedauerte Schejna. „Wir arbeiten eng mit Julia Fock zusammen, die die zuständige Koordinatorin beim Main-Kinzig-Kreis für die ärztliche Versorgung ist“, so der Rathaus-Chef. Dr. Jürgen Zillinger wollte gegenüber unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben. 

Großteil der Patienten aus Niederrodenbach

„Wir versuchen jetzt, mit den Ärzten einen runden Tisch zu bilden. Unser kurzfristiges Ziel ist, dass die Patienten wenigstens einen Folgearzt hier in Oberrodenbach bekommen“, sagte Schejna. Allerdings stammten 60 Prozent der Patienten Dr. Zillingers aus Niederrodenbach, hieß es weiter. 

„Die Kassenärztliche Vereinigung steht uns hilfreich zur Seite“, so der Bürgermeister. Im Gegensatz zu früheren Zeiten sind ja heute genug Sitze für Arztstellen frei. „Im Bezirk, zu dem auch Rodenbach gehört, sind derzeit zehn Sitze nicht besetzt.“

Hausärzte sind bereits ausgelastet

Bei dem von Schejna angeregten runden Tisch soll geklärt werden, welche Niederrodenbacher Hausärzte wie viele Patienten von Dr. Jürgen Zillinger übernehmen können. „Nur wenige haben wohl bisher einen Platz bei bestehenden Hausärzten in Niederrodenbach gefunden, da auch diese bereits einen hohen Patientenstamm aufweisen“, weiß Schejna. 

Nach seinen Informationen blieb die Suche von Dr. Zillinger selbst in den zurückliegenden Monaten ohne Ergebnis. „Es wird daher aller Voraussicht nach leider kurzfristig keinen Ersatz geben. Wir versuchen aber mit Hochdruck, eine Interimslösung zu finden, damit die Patienten nicht ab Januar ohne ärztliche Versorgung dastehen. Denn langfristig gilt es, den Sitz in Oberrodenbach wieder vollumfänglich zu besetzen“, betont Klaus Schejna.

Gemeinde bietet Nachfolgern Grundstücke an

Die Gemeinde könne aber einem möglichen Nachfolger die Ansiedlung erleichtern: „Wir haben Grundstücke in Oberrodenbach, die wir dafür vorhalten. Ein potenzieller Nachfolger kann sich daher gerne direkt an mich wenden“, führt Rodenbachs Bürgermeister aus. Eine Anmietung der bisherigen Räumlichkeiten habe Dr. Zillinger auch in Aussicht gestellt, so Schejna.

„Die neuesten Entwicklungen im Ortsteil Oberrodenbach bedauern wir sehr“, so der stellvertretende CDU-Vorsitzende Eberhard Wiegelmann. Auch wenn die kurzfristige Aufgabe der Praxis sicher nicht vorhersehbar war, so fehle es, wie bereits bei der Nahversorgung, an wirksamen Lösungsstrategien. 

CDU fordert Reaktion von SPD

Als die CDU vor zwei Jahren den Vorschlag zur Entwicklung eines Nahversorgungszentrums in Oberrodenbach eingebracht hat, wurde dies von der SPD als „Einkaufsmärchen auf der grünen Wiese“ abgetan. Ein attraktives Nahversorgungszentrum, das auch Räume für eine Arztpraxis vorsehe, wäre jetzt, bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Dr. Jürgen Zillinger Gold wert, so Wiegelmann.

Die Vorschläge der CDU seien in der Vergangenheit – wohl meist aus der parteipolitischen Brille heraus – schlicht abgelehnt worden. „Wir fordern von der regierenden SPD-Fraktion ein klares Bekenntnis zur Sicherung und zum Ausbau der Lebensqualität in beiden Ortsteilen“, so der Vorsitzende des CDU- Gemeindeverbands Patrick Weber. Rodenbach benötige dringend ein gemeindliches Entwicklungskonzept, das darauf ausgerichtet sei, die Lebensqualität in beiden Ortsteilen auszubauen und zu sichern. Die CDU Rodenbach werde hier ihre Bestrebungen zur Stärkung beider Ortsteile verstärken.

Die Lebensqualität werde wesentlich durch vorhandene Infrastrukturen in beiden Ortsteilen geprägt. „Auch wenn wir sicherlich das Wünschenswerte von dem Machbaren unterscheiden müssen, so dürfen wir das Notwendige nicht aus den Augen verlieren“, so Weber. 

Gemeinde muss Anreize schaffen

Dass sich ein potenzieller Nachfolger von Dr. Jürgen Zillinger direkt bei Bürgermeister Schejna melden könne, dürfte nicht zu einer zeitnahen Lösung im Interesse der Oberrodenbacher Bürger führen. Es helfe dabei auch nicht, das Problem lediglich an die Koordinatoren beim Main-Kinzig-Kreis durchzureichen. Wenn man tatsächlich eine schnelle Lösung für die vakante kassenärztliche Stelle in Oberrodenbach anstrebe, müsse sich die Gemeinde selbst aktiv um Kandidaten bemühen. 

Hierzu gehöre es, entsprechende Anreize für die Ansiedlung einer Arztpraxis zu schaffen und aktiv entsprechende Unterstützung anzubieten. Es reiche nicht aus, immer nur die Feuer auszutreten und im Ergebnis zuzuschauen, wie die innerörtliche Infrastruktur nach und nach in beiden Ortsteilen verschwinde. Die CDU Rodenbach erwarte von der Gemeinde, dass sie sich aktiv um eine Nachfolgeregelung für Dr. Zillinger bemühe und endlich ein Konzept für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Infrastruktur in ganz Rodenbach vorlege. 



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