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Rodenbacher Spargelfest: Vom Experiment zur festen Geldquelle

Rodenbach

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    Gaumenfreude pur: Beim Spargelfest wird vor allem Klassisches serviert. Archivfoto: Paul
  • Frischer geht´s nicht: Hagen Römer (links) mit Bürgermeister Klaus Scheina bei der Ernte. Archivfoto: Breyer

Rodenbach. Am Wochenende dreht sich in Rodenbach wieder alles rund um das königliche Gemüse. Der FC Germania 09 Niederrodenbach lädt auf das Gelände am Festplatz (Am Aueweg, neben dem Strandbad) zum Spargelfest ein. Seit mehr als 100 Jahren wird in der Gemarkung das Edelgemüse angebaut.

Artikel vom 18. Mai 2018 - 15:35

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Von Reinhard Breyer

Den Grundstein für die spätere Blüte dieser Gemüse‧sparte legte Konrad Wilhelm Römer anno 1914. Der Niederrodenbacher Schmiedegeselle war während seiner Wanderjahre in Schwetzingen auf Spargelkulturen aufmerksam geworden. Wieder daheim angekommen, wagte er sich selbst an den Anbau.

Anfangs wurde Römer belächelt. Doch er gab nicht auf. Sein Aufwand wurde belohnt, denn der sandige Boden lieferte beste Voraussetzungen für die Kulturen. Schon in den 20er Jahren zogen etliche Bauern und Gärtner nach. In Zeiten, als Getreide und Hackfrüchte nur geringe Erträge brachten, bot sich Spargelanbau auf kleinen Flächen als ideale Geldquelle an.

Sammelstelle für den Verkauf sei den 20ern
1925 schlossen sich die Bauern zusammen und errichteten in der Gärtnerei Strutt eine Sammelstelle. Dadurch ging die Vermarktung leichter über die Bühne.

Durch persönliche Kontakte des Landwirts Johann Konrad Mook fand der Rodenbacher Spargel in Nordhessen einen neuen Absatzmarkt. Regelmäßig brachten Transporter die Ernte nach Kassel, wo das „weiße Gold“ reißenden Absatz fand.

Selbst in den Kriegsjahren wurde das Gemüse weiter angebaut. „In der Zeit der Bewirtschaftung mussten die Kontakte nach Kassel abgebrochen und der Ernteertrag nach Frankfurt abgeliefert werden“, heißt es in der Festschrift „975 Jahre Rodenbach“ und weiter: „Obwohl seinerzeit täglich zwischen 40 und 80 Zentner abgeliefert wurden, gab es auf dem Markt nur selten einmal ein Pfund Spargel zu kaufen. Es ist bis heute ein Rätsel geblieben, wohin in jener Zeit die Ernte versickert ist.“

Neue Blüte in den 50ern
In den 50er Jahren kam der Spargelanbau zu neuer Blüte. Auch in Nachbargemeinden wurden nun Felder bestellt. Neben Oberrodenbach kamen Neuenhaßlau, Gondsroth, Niedermittlau, Somborn und Rückingen hinzu, die allesamt zur Sammelstelle nach Niederrodenbach gebracht wurden.

1956 wurde im Gasthaus Schaaf an der Bahnhofstraße die „Interessengemeinschaft der Spargelbauern in Niederrodenbach“ gegründet. In den Protokollen des Vereins sind die geernteten Mengen akribisch erfasst. So betrug zum Beispiel die Gesamternte im Jahr 1955 exakt 75 138 Pfund. Der Gesamterlös: 87 285 D-Mark. 1965 wurden rund 1500 Zentner geerntet. Zwei Drittel der Menge stammte aus der Gemarkung Nieder- und Oberrodenbach. An guten Tagen stachen die Bauern auf ihren Äckern 100 und mehr Zentner des Stangengemüses. Die Erzeuger erhielten Mitte der 60er Jahre 1,27 bis 1,48 Mark pro Pfund.

Ein Betrieb ist noch übrig
In den 70er Jahren wies die Gemeinde immer mehr Äcker als Bauland aus. Geblieben ist heute ein einziger Betrieb, der Spargel anbaut und ihn auf seinem Hof direkt vermarktet, der von Hagen und Petra Römer an der Alzenauer Straße.

Bereits in den 30er Jahren huldigten die Spargelbauern ihrem Gemüse zum Höhepunkt oder Abschluss der Saison mit einem mehrtägigen Fest. Es fand ursprünglich an einer Dreschhalle (am heutigen Kreisel an der Gelnhäuser Straße) statt. Das Spargelfest entwickelte sich zum ‧Publikumsmagnet. Massenweise strömten die Menschen aus der gesamten Rhein-Main-Gebiet in den Ort. Spargel musste zeitweise aus ‧anderen Regionen zugekauft werden musste. In Glanz‧zeiten wurden auf dem Fest bis zu zehn Zentner des Gemüses vertilgt, dazu acht Zentner Kartoffeln und jeweils 150 Kilo Schinken und Schnitzel.

Später wurde das Fest – im Wechsel von verschiedenen Sport- und Gesangsvereinen ausgerichtet – auf einem Platz am westlichen Ortseingang gefeiert. Seit einigen Jahren hat es auf dem Platz am Strandbad seinen festen Standort.

 



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